O. F. Weidling

deutscher Talkmaster und Conférencier im DDR-Fernsehen From Wikipedia, the free encyclopedia

O. F. Weidling (* 2. August 1924 in Piesau; † 6. Januar 1985 in Dresden; eigentlich Otto Franz Weidling[1]) war ein deutscher Moderator und Conférencier in der DDR.

O. F. Weidling (links)

Leben

Weidling verbrachte nach dem Zweiten Weltkrieg sechs Jahre in einem sowjetischen Strafgefangenenlager in Sibirien.[1]

Weidling begann seine Bühnenkarriere im Jahr 1955. Die von ihm erfundene und moderierte Talkshow Treff mit O.F. machte ihn Anfang der 1980er-Jahre in der DDR endgültig populär. Er moderierte zweimal die Unterhaltungsshow Ein Kessel Buntes.

O. F. Weidling, dessen Markenzeichen das schwarze Smokingjackett mit rotem Futter war, wurde vom Publikum für seine mit bissiger Satire vorgebrachte Kritik an den wirtschaftlichen und politischen Verhältnissen in der DDR geliebt („Unsere Nationalmannschaft hat gegen die UdSSR gespielt, wir haben gewonnen, wir haben uns auch schon dafür entschuldigt...“).

Als Weidling am 27. April 1984 vor der Partei- und Staatsführung in Ost-Berlin den neuen Friedrichstadt-Palast als Moderator eröffnete, machte er Scherze über Ausreisen und Güterversorgung.[1] Dem in den ersten Reihe sitzenden SED-Wirtschaftsminister Günter Mittag missfielen Pointen, die Weidling über den im Jahr zuvor von Franz Josef Strauß eingefädelten Milliardenkredit an die DDR[2] machte.[1] In der zwei Tage später ausgestrahlten Wiederholung der Fernsehaufzeichnung wurden nicht nur die kritischen Äußerungen, sondern fast alle Szenen, in denen Weidling auftrat, herausgeschnitten.[1] Weidling wurde aus dem DDR-Fernsehen verbannt und faktisch mit einem Berufsverbot belegt.[3]

Grabstätte von O. F. Weidling

In einem mehrseitigen Brief wandte er sich damals vom Krankenlager aus an den Staatsratsvorsitzenden der DDR, Herrn Erich Honecker. Dieser beantwortete diesen Brief auch am 27. September 1984 und teilte mit, dass er (Honecker) zusammen mit Kurt Hager die Situation besprochen und den zuständigen Stellen empfohlen habe, Herrn Weidling die Möglichkeit für weiter Auftritte zu geben. Herr Honecker habe selbst die Sache (Auftritt im Friedrichstadtpalast vs. Günter Mittag) mit Humor betrachtet. Siehe dazu das Buch des Sohnes Carsten J. W. Weidling: Im Namen des Vaters und des Sohnes (... und der heiteren Muse.) Mitteldeutscher Verlag, Halle 2006, ISBN 978-3-89812-392-1.

Nur kurze Zeit später starb Weidling am 6. Januar 1985 im Alter von 60 Jahren an den Folgen mehrerer schwerer Erkrankungen.[4] Unter großer öffentlicher Anteilnahme wurde er auf dem Heidefriedhof in Dresden beigesetzt.[5]

Im Jahr 2022 wurde im Dresdner Stadtteil Albertstadt eine Straße im Neubaugebiet Ecke Marienallee/Stauffenbergallee nach ihm benannt.

Familie

O. F. Weidling war in zweiter Ehe mit der Artistin Ingrid (geborene Schubert) verheiratet. Gemeinsam hatten sie zwei Söhne. Der 1966 geborene Sohn Carsten Weidling ist Schriftsteller, Globetrotter und ebenfalls Fernsehmoderator und war beim MDR Gastgeber der Talkshow „Riverboat“. Zudem ist er Fernsehautor, Moderator und Produzent weiterer TV-Sendungen.

Auszeichnungen

Literatur

Einzelnachweise

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