Oldenburgisch-Ostfriesischer Wasserverband
Körperschaft des öffentlichen Rechts für Trinkwasser und Abwasser
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Der Oldenburgisch-Ostfriesische Wasserverband (OOWV) ist ein Zusammenschluss von Landkreisen, Städten und Gemeinden im Nordwesten Niedersachsens, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Verbraucher im Verbandsgebiet mit Trinkwasser zu versorgen und das Abwasser zu reinigen. Zudem entwickelt der Verband Lösungen für die Brauchwasserversorgung von Industriekunden, sodass weniger Trinkwasserressourcen für industrielle Prozesse verwendet werden. Der OOWV engagiert sich aktiv für den Wasser- und Gewässerschutz. Der Verband ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts nach dem Wasserverbandsgesetz ohne Gewinnerzielungsabsicht.
| Oldenburgisch-Ostfriesischer Wasserverband (OOWV) | |
|---|---|
| Rechtsform | Körperschaft des öffentlichen Rechts |
| Gründung | 14. Juli 1948 |
| Sitz | Brake (Unterweser) |
| Vorstand | Sven Ambrosy, Verbandsvorsteher |
| Geschäftsführer | Karsten Specht |
| Mitarbeiter | 1133 (Stand 2026) |
| Website | www.oowv.de |
Geschichte
Am 14. Juli 1948 gründeten die drei Landkreise Friesland, Wesermarsch und Wittmund auf Veranlassung des Oberkreisdirektors des Landkreises Wesermarsch, Bernhard von Kampen, den Oldenburgisch-Ostfriesischen Marschenwasserverband (OOMWV) mit Sitz in Jever. Nach dem Beitritt von Mitgliedern auch aus den Geestgebieten beschloss die Verbandsversammlung am 11. Februar 1957 eine Satzungsänderung, wonach der Verband den heutigen Namen Oldenburgisch-Ostfriesischer Wasserverband (OOWV) erhielt. Der Verbandssitz wurde 1959 nach Brake (Unterweser) verlegt. Zunächst bestand die Aufgabe des OOMWV/OOWV ausschließlich darin, die Bevölkerung des Verbandsgebiets mit Trinkwasser, auch aus anderen Gemeinden, zu versorgen.

Auf das Instrument einer großflächigen Versorgung der Bevölkerung wurde vor allem deshalb zurückgegriffen, weil das Grundwasser in vielen Marschgebieten keine Trinkwasserqualität aufweist.[1] So muss bis heute der gesamte Landkreis Wesermarsch von Brunnen in Geestgebieten anderer Landkreise versorgt werden, die zum OOWV-Gebiet gehören.
Seit 1999 engagiert sich der OOWV auch auf dem Gebiet der Abwasserwirtschaft.
Verbandsgebiet
Das Verbandsgebiet des OOWV im Nordwesten Deutschlands ist 7.480 km² groß und erstreckt sich von der Nordsee bis zum Dümmer. Damit ist der Wasserverband der größte Flächenversorger Deutschlands. Mehr als eine Millionen Menschen leben in diesem Gebiet. Auf 7.105 km² werden die Menschen mit Trinkwasser versorgt, die Größe des Gebiets für Abwasserentsorgung beträgt 4.201 km².[2][3]
Verbandsstruktur
Mitglieder des OOWV im Bereich Trinkwasser sind:
- der Landkreis Ammerland
- der Landkreis Aurich
- der Landkreis Cloppenburg
- der Landkreis Diepholz
- der Landkreis Friesland
- der Landkreis Oldenburg
- der Landkreis Vechta
- der Landkreis Wesermarsch
- Landkreis Cuxhaven
- der Landkreis Wittmund
- die Stadt Dinklage
- die Stadt Jever
- die Gemeinde Rastede
- die Gemeinde Stuhr.
Nicht alle verbandsangehörigen Städte und Gemeinden lassen auch ihr Abwasser vom OOWV reinigen.
Die Landkreise, Gemeinden, Städte und der Zweckverband, die Mitglieder des OOWV sind, bilden die Verbandsversammlung. Unter ihnen wird die Finanzkommission, die Baukommission und der Vorstand gewählt. Die Vorstandsmitglieder sind ehrenamtlich tätig. Zur Führung der Geschäfte hat der Vorstand einen hauptamtlichen Geschäftsführer bestellt, aktuell übernimmt dieses Amt Karsten Specht.[4]
Erbrachte Dienstleistungen
Trinkwasserversorgung

Über eine Million Menschen werden im Verbandsgebiet mit Trinkwasser vom OOWV versorgt. Dafür werden 258 Förderbrunnen, 15 Wasserwerke und 7 Speicherpumpwerke genutzt. Die Rohrnetzlänge für die Versorgung liegt bei 14.729 km, was der Distanz bis nach Australien entspricht. Im Jahr 2025 lag die Trinkwasserabgabe bei 85,5 Millionen m³. (Stand 2026)[5]
Abwasserentsorgung
An das Abwasserkanalnetz des OOWV sind 47 Kläranlagen und 25.572 Kleinkläranlagen angeschlossen. Die Kanalnetzlänge umfasst 5431 km. Im Jahr 2025 belief sich die Abwassermenge auf 35,05 Millionen m³.[6][7]
Brauchwasserversorgung
Trinkwasser im großen Stil einzusparen, ist ein bedeutendes Ziel des OOWV. Mit der Brauchwasserversorgung ist dies möglich. Denn bei vielen industriellen Prozessen wird Wasser nicht in Trinkqualität benötigt. Stattdessen kann hier genutztes und wieder aufbereitetes Wasser zum Einsatz kommen. Derzeit baut der OOWV zwei Brauchwasserwerke, in Nordenham und Brake. In Nordenham können beispielsweise Industriekunden wie Kronos Titan das Brauchwasser nutzen. Mit dem Werk sollen jährlich mehr als eine Million m³ Trinkwasser im Jahr eingespart werden. Unterstützung bei der Entwicklung von Brauchwasserlösungen erhält der OOWV durch seine Tochter, die Industriewasserversorgungsgesellschaft Nordwest-Niedersachsen mbH (iwag). (Stand 2026)[8][9]
Umweltbildung
Die Umweltbildung ist dem OOWV ein wichtiges Anliegen. Seit den 1990er-Jahren bietet der Verband wertvolle Bildungsangebote für Kinder und auch Erwachsene an. Auf diese Weise versucht er, den Umgang mit der lebenswichtigen Ressource Wasser nahezubringen. Die OOWV-Umweltbildung ist anerkannter Akteur im Rahmen des UNESCO-Programms Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE).
Insgesamt hat der OOWV acht Lern- und Informationsstandorte. Dazu zählen:
- das Wasserwerk mit Trinkwasserlehrpfad in Nethen
- der Biohof Bakenhus in Großenkneten
- das Museum Kaskade in Jade/Diekmannshausen
- das Steenforths-Moor
- der Rundweg Baum und Natur Holdorf
- die Kläranlage in Oldenburg
- das Infohaus Altes Wasserwerk Langeoog
- das Wasser-Wald-Zentrum im Klosterpark Oestringsfeld
An jedem Standort wird ein anderer Blickwinkel auf die wertvolle Ressource Wasser vermittelt – mal mit Informationstafeln, mal spielerisch an Mitmachstationen. Führungen sind im Wasserwerk Nethen, auf dem Biohof Bakenhus und im Museum Kaskade möglich.[10][11]
- OOWV-Trinkwasser-Lehrpfad beim Biohof Bakenhus
- Rundweg „Baum und Natur“ neben dem Wasserwerk Holdorf
Projekte und Forschung
Um die Wasserinfrastruktur im Nordwesten Deutschlands hinsichtlich aktueller und zukünftiger Herausforderungen, bedingt durch Klimakrise wie auch politische, wirtschaftliche und gesundheitliche Krisen, stark aufzustellen, investiert der OOWV seit mehr als 20 Jahren in Forschung und Innovation. Unter anderem werden digitale Möglichkeiten für die Wasserwirtschaft erforscht, aber auch alternative Wasserressourcen wie Brauchwasser. Der OOWV beteiligt sich an einer Vielzahl von Projekten, die durch die EU, den Bund oder das Land Niedersachsen gefördert werden.[12]
Kunden- und Regionalportal
Seit November 2018 betreibt der OOWV unter der Marke „einfach heimat“ ein eigenes Kundenportal. Dort sind neben dem Servicebereich auch ein Marktplatz mit regionalen Produkten aus dem Verbandsgebiet, ein Gutschein-Portal für Aktivitäten in der Region, eine Übersicht mit Orten, an denen Kundinnen und Kunden ihre Trinkflaschen gratis auffüllen können, Sehenswerte Orte der Region im Überblick und ein Blog mit spannenden Geschichten und Tipps rund um das Wasser zu finden.[13]
Trinkwasserqualität und ökologisches Gleichgewicht
Um den EU-Nitratgrenzwert von 50mg/l im Grundwasser einzuhalten, ist der Ökolandbau von entscheidender Rolle für den OOWV. Denn der Verband fördert ausschließlich Grundwasser aus Brunnen in Gebieten mit sandigen Bodenschichten, in denen das Regenwasser schnell versickert. Mit dem Regenwasser können aber auch Stoffe aus der Landwirtschaft ins Grundwasser gelangen, wie beispielsweise Nitrat oder Pflanzenschutzmittel. Diese Stoffe beeinträchtigen die Qualität des Trinkwassers. Öko-Betriebe setzen hingegen keine chemischen Pflanzenschutzmittel ein und die Nitratbelastung wird unter anderem dank des Verzichts auf synthetische Mineraldünger reduziert.
Um den ökologischen Landbau zu fördern, bietet der OOWV im Rahmen des Programms Ökolandbau ganzheitliche Beratungs- und Weiterbildungsangebote für Landwirtinnen und Landwirte an und kooperiert mit ihnen. Zudem verpachtet der OOWV selbst über 2.000 Hektar landwirtschaftlich genutzte Flächen. Diese werden nach dem Grundwasserschutzkonzept bewirtschaftet, welches Regeln zur konventionellen und ökologischen Bewirtschaftung enthält. Auch auf fremden Flächen treibt der Verband die Ausweitung ökologische bewirtschafteter Flächen voran.[14][15][16]
Schutz bei Abwasser
Auch hinsichtlich der Abwasserbeseitigung legt der OOWV Wert auf Wasserschutz. Damit die Einträge von zu hohen Nährstoffkonzentrationen, Mikroplastikpartikeln und anderer belastender Fremdstoffe so gering wie möglich gehalten werden, verbessert der Verband kontinuierlich seine Reinigungsprozesse. Unter anderem wird das Wasser in sogenannte Belebungsbecken zur biologischen Reinigung geleitet. Mikroorganismen sorgen dort für eine Reduktion der Schadstoffe im Abwasser.[17][18]
Jahresabschlüsse
Der OOWV bilanziert nach dem Handelsgesetzbuch. 2024 belief sich die Bilanzsumme auf 1.066,3 Mio. €. Die Betriebsleistung wurde mit 217,7 Mio. € ausgewiesen. Das Eigenkapital betrug 90,9 Mio. €, der Jahresüberschuss 1,1 Mio. €. Im Jahresdurchschnitt waren über 1000 Mitarbeiter beschäftigt.[19]
Die Prüfung des Jahresabschlusses obliegt der Prüfstelle beim Wasserverbandstag e. V., Hannover[20], die Verbandsversammlung stellt den geprüften Jahresabschluss fest.
Aufsichtsbehörde für den OOWV im Sinne des Wasserverbandsgesetzes ist das Niedersächsische Umweltministerium.[21]
Forschung für die Wasserwirtschaft
Die Wasserwirtschaft sieht sich mit einer Vielzahl an Herausforderungen konfrontiert. Dürrephasen, zunehmende Stark- und Dauerregenereignisse, veränderte Wassernutzung durch private Haushalte, Industrie und Landwirtschaft wirken sich auf die Wasserversorgung und Abwasserbeseitigung aus. Genau deshalb investiert der OOWV nicht nur stetig in seine Infrastruktur, sondern beteiligt sich auch an Forschungs- und Entwicklungsprojekten - und das seit mehr als 20 Jahren. Hierfür hat der Wasserverband sogar eine ganze Abteilung.[22]
Von digitalen Lösungen und Infrastrukturprojekten über Brauchwasser bis hin zu internationalen Betreiberpartnerschaften: Der OOWV setzt alles daran, Lösungen für eine zukunftsstarke Wasserwirtschaft zu finden.[23]
Ökologischer Gedanke
Der OOWV ist darauf bedacht, keine unnötigen Flächen zu versiegeln, keine Rohstoffe zu verschwenden und Auswirkungen der Unternehmenstätigkeit auf Natur und Ökosystem im Blick zu behalten und einzudämmen. Mit Hilfe seiner Tochter Stadt.Land.Grün GmbH bewirtschaftet der Verband seine eigenen Liegenschaften wie Wasserwerks-, Kläranlage- oder Betriebsstellengelände unter Beachtung seiner ökologischen Verantwortung. Dazu gehört der Erhalt und das Anlegen vielfältiger Biotope mit heimischen Pflanzenarten, die vielen Tieren einen Lebensraum bieten.[24]
Literatur
Gertrud Diesing, Oldenburgisch-Ostfriesischer Wasserverband 1948–2008, Asco Sturm Druck Bremen 2008, ISBN 978-3-00-024957-0