Ober-Bessinger Pforte
zweieinhalbgeschossiges Torhaus im Licher Stadtteil Ober-Bessingen im hessischen Landkreis Gießen,
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Die Ober-Bessinger Pforte in Ober-Bessingen, einem Stadtteil von Lich im Landkreis Gießen (Hessen), ist ein 1782 erbautes Torhaus. Es ist eines der wenigen in hessischen Dörfern erhaltenen Torhäuser.[1]

Das Gebäude in der Ortsstraße 35 (Flur 1, Flurstück 289) bildete ursprünglich den Abschluss der nach Südosten laufenden alten Hauptstraße. Das Tor konnte bei Nacht geschlossen werden.[2] Ein 1593 errichteter Vorgängerbau verbrannte, wie die meisten Häuser in Ober-Bessingen, bei einem Brand am Kirchweihfest 1675.[3] Der Torbau wurde 1782 anstelle des 1675 abgebrannten Vorgängerbaus errichtet.[4] Die im Jahr 1669 zugefügten Glocken und das Uhrwerk wurden beim Brand zerstört.
Das ehemals verputzte Fachwerktorhaus ist mit konstruktivem Fachwerk symmetrisch aufgebaut und hat sechs Fensterachsen mit annähernd quadratischen Fenstern bei zweieinhalb Stockwerken. Unter den mittleren beiden Fenstern des obersten Stockes durchschneidet eine zweigeschossige Durchfahrt das Gebäude. Ein zweigeschossiger Dachreiter mit einem quadratischen und einem achteckigen Stockwerk wird von einer kuppelartigen Haube bekrönt.[5] Der Dachreiter ruht auf einem weit auskragenden Walmdach. Der Turm war außen mit einer Uhr versehen.
Das Gebäude diente in der Vergangenheit als Schulhaus, Rathaus, Amtssitz des Bürgermeisters und im Erdgeschoss als Feuerwehrhaus und Lagerraum von Pfadfindern. 1988 erfolgte eine Renovierung, 1995 wurde die Wetterfahne erneuert. Wenige Jahre nach der Jahrtausendwende zog der letzte Bewohner aus dem Haus aus.[6]
Ab dem 11. April 2017 wurde die Pforte von Grund auf renoviert[7], die Kosten wurden auf 800.000 EUR geschätzt.[8] Seit dem Abschluss der Renovierungen im Jahr 2019 wird die Pforte sowohl als Pilgerherberge für den Lutherweg 1521 als auch für ein Rot-Kreuz-Museum genutzt.[9] Für die Pflege und Instandhaltung des Gebäudes wurde im Jahr 2016 der Verein „Pforte 1782 Ober-Bessingen“ gegründet.[10]
Die Ober-Bessinger Pforte ist aus geschichtlichen, städtebaulichen und künstlerischen Gründen als hessisches Kulturdenkmal[11] unter der Denkmalnummer 48471 eingetragen.[4] Im Jahr 2020 wurde die Stadt Lich für die Wiederbelebung der Pforte Ober-Bessingen mit dem dritten Platz des Hessischen Denkmalschutzpreis ausgezeichnet.[12]
Literatur
- Landesamt für Denkmalpflege Hessen (Hrsg.); Karlheinz Lang (Red.): Kulturdenkmäler in Hessen. Landkreis Gießen I. Hungen, Laubach, Lich, Reiskirchen. (= Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland). Theiss, Stuttgart 2008, ISBN 978-3-8062-2177-0
- Heinrich Walbe: Die Kunstdenkmäler des Kreises Gießen. Bd. 3. Südlicher Teil. Hessisches Denkmalarchiv, Darmstadt 1933, S. 343
- Patrick Dehnhardt: Bedrohtes Wahrzeichen, Gießener Allgemeine, 28. Juni 2014, S. 38
- Hans Kandel: Ober-Bessingen, Licher Heimatbuch, 1989, S. 567–581
Weblinks
- Landesamt für Denkmalpflege Hessen (Hrsg.): Rathaus die Pfort. In: DenkXweb, Online-Ausgabe von Kulturdenkmäler in Hessen.
- Rathaus „Die Pfort“, Lich - Ober-Bessingen im Bildindex der Kunst und Architektur.