Olga Schnitzler
österreichische Schauspielerin und Sängerin
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Olga Schnitzler geb. Olga Johanna Maria Gussmann (geboren am 17. Januar 1882 in Wien,[1] gestorben am 13. Januar 1970 in Lugano)[2] war eine österreichische Sängerin. Zwischen 1903[3] und 1921 war sie mit Arthur Schnitzler verheiratet. Gemeinsam hatten sie zwei Kinder, Heinrich und Lili Schnitzler.




Leben
Olga Gussmann wurde 1882 in Wien geboren. Ihr Vater Rudolf Gussmann (in lateinischer Schreibschrift Guszmann, also Gußmann, 5. März 1842 bis 24. Januar 1921)[4] war Kaufmann, der zeitlebens finanziell ohne Erfolg blieb. Ihre Mutter, Amalia Gussmann, geborene Cohen (15. April 1855 bis 14. November 1899), starb, als Olga 17 Jahre alt war. Sie hatte eine jüngere Schwester, Elisabeth („Liesl“, 19. November 1885 bis 7. April 1920), die später den Schauspieler Albert Steinrück heiratete. Die Schwestern begannen bereits in jungen Jahren am Konservatorium der Gesellschaft der Musikfreunde eine Ausbildung zur Schauspielerin und Sängerin. 1899 lernte Olga Gussmann Arthur Schnitzler kennen; die beiden verband zunächst eine leidenschaftliche und oft konfliktreiche Beziehung, die für beide zur wichtigsten und längsten ihres Lebens wurde. Nach zwei verlorenen Schwangerschaften[5] brachte sie 1902 in Hinterbrühl den gemeinsamen Sohn Heinrich zur Welt, ein Jahr später folgte die Eheschließung, durch die das Kind legitimiert wurde. 1909 kam als zweites Kind die Tochter Lili zur Welt, die 1928 bei einem tragischen Unfall in Venedig starb.
Olga Schnitzler strebte zuerst eine Karriere als Schauspielerin an, bevor sie sich um 1910 zunehmend um eine Karriere als Sängerin bemühte. Für ihre Gesangsausbildung nahm sie zwischenzeitlich Stunden bei Franziska Mütter,[6] Bruno Walter,[7] Robert Gund,[8] Johann Ress[9] und Marie Brossement.[10] Der große Durchbruch blieb ihr jedoch zeitlebens verwehrt. Sie gab 1911 ihr erstes öffentliches Konzert[11] und bewegte sich in musikalischen Kreisen, unterhielt Freundschaften zu Persönlichkeiten wie Alma Mahler und Egon Wellesz. Trotz Unterstützung aus ihrem Umfeld konnte sie als Künstlerin keine nachhaltigen Erfolge verzeichnen.
Olga und Arthur Schnitzler führten eine zunächst harmonische Ehe, die jedoch durch den Willen von Olga, eigenständig Karriere zu machen, zunehmend belastet wurde. Die Entscheidung, gemeinsam mit Wilhelm Grosz (mit dem sie überdies eine Affaire hatte[12]) und unter dem Namen „Olga Guszmann“ Konzerte in mehreren Städten zu geben, führte zur Zerrüttung der Ehe, die dann 1921 durch Scheidung endete. Die Erziehung der beiden Kinder verblieb beim Vater. Trotz der Trennung blieben beide durch ihre Kinder und den Wiener Freundeskreis verbunden; Olga lebte zeitweise in München, Baden-Baden und Berlin. Versuche, als Antiquitätenhändlerin oder Betreiberin eines Modesalons finanzielle Unabhängigkeit von Arthur Schnitzler zu erlangen, scheiterten.
1938 half sie Eric A. Blackall durch eine Schenkung an die Cambridge University Library den Großteil des Nachlasses von Arthur Schnitzler vor dem Zugriff und potentiellen Zerstörung durch die Nationalsozialisten zu retten. (Problematisch daran war, dass sie als geschiedene Frau nicht die Eigentümerin war, sondern der Sohn Heinrich.) In Folge gelang es ihr als Jüdin ebenfalls zu emigrieren. Während des Zweiten Weltkriegs lebte sie in Cambridge (Vereinigtes Königreich), New York City[13] und Berkeley.[14] 1946 wurde ihr Antrag auf die amerikanische Staatsbürgerschaft bewilligt.[15]
In Cambridge stellte sie mit Hilfe von Jella Lepman Fälschungen von Dokumenten aus dem Nachlass von Schnitzler her. Die Originale sandte sie an den Sohn Heinrich, während die Fälschungen im Archiv blieben.[16]
Gegen Ende ihres Lebens verfasste sie eine Art Autobiografie, in der sie entlang von mehreren Freunden von Arthur Schnitzler (Hermann Bahr, Richard Beer-Hofmann, Georg Brandes, Theodor Herzl und Hugo von Hofmannsthal) die jeweiligen Freundschaften erzählte. Dazu wertete sie auch die jeweiligen Korrespondenzen im Nachlass von Arthur Schnitzler aus, da sie vieles Erzählte nicht selbst erlebt hatte. Dass sie nicht die Witwe, sondern die geschiedene Frau von Arthur Schnitzler war, erwähnte sie nicht.
Sie starb am 13. Januar 1970 in Lugano.
Werke
- Olga Schnitzler: Spiegelbild der Freundschaft. Salzburg: Residenz Verlag 1962. (Das 4. Kapitel über Hermann Bahr online)
Literatur
- Max Haberich: Arthur Schnitzler: Anatom des Fin de Siècle: die Biografie. K & S, Wien [2017], ISBN 978-3-218-01064-1.
- Jutta Jacobi: Die Schnitzlers. Eine Familiengeschichte. Residenz, St. Pölten / Salzburg / Wien 2014, ISBN 978-3-7017-3279-1.
- Gerhard Strejcek: Das Ende einer bürgerlichen Ehe. In: Wiener Zeitung. 22. Juni 2011, online.
- Arthur Schnitzler: Briefe 1913–1931. Hrsg. v. Peter Michael Braunwarth, Richard Miklin, Susanne Pertlik und Heinrich Schnitzler. S. Fischer, Frankfurt am Main 1984 (Briefe von Arthur an Olga Schnitzler)
- Arthur Schnitzler: Briefe 1875–1912. Herausgegeben von Therese Nickl und Heinrich Schnitzler. S. Fischer, Frankfurt am Main 1981 (Briefe von Arthur an Olga Schnitzler)
- Einzelne Briefe zwischen Arthur und Olga Schnitzler, in: Hermann Bahr, Arthur Schnitzler: Briefwechsel, Aufzeichnungen, Dokumente (1891–1931). Herausgegeben von Kurt Ifkovits, Martin Anton Müller. Wallstein Verlag, Göttingen 2018, online.
Weblinks
- Olga Schnitzler im Tagebuch von Arthur Schnitzler, online.
- Olga Schnitzler in: Arthur Schnitzler: Briefwechsel mit Autorinnen und Autoren. Hrsg. Martin Anton Müller, Gerd-Hermann Susen, Laura Untner und Selma Jahnke, online.
- 29 Auftritte von Olga Schnitzler sind in Arthur Schnitzler: Verzeichnis der Kulturveranstaltungen vermerkt, online (ihren Namen in den Filter „Arbeitskraft“ eingeben).