Operation Rhino
Militäroperation der USA im Krieg in Afghanistan 2001
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Operation Rhino war die erste größere Bodenoffensive der US‑Streitkräfte im Rahmen des Krieges in Afghanistan. Sie wurde in der Nacht vom 19. auf den 20. Oktober 2001 durchgeführt und richtete sich gegen Ziele im Distrikt Garmsir der Provinz Helmand, nördlich der Stadt Kandahar in der gleichnamigen Provinz sowie in der Umgebung der Stadt Dalbandin in Pakistan.
Dalbandin, Pakistan
Objekt Gecko:
Kandahar, Provinz Kandahar
Objekt Rhino:
Distrikt Garmsir, Provinz Helmand 30° 29′ 12″ N, 64° 31′ 32″ O
| Operation Rhino | |||||||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Teil von: Krieg in Afghanistan 2001–2021 | |||||||||||||
| Datum | 19. – 20. Oktober 2001 | ||||||||||||
| Ort | Objekt Hondo: Dalbandin, Pakistan Objekt Gecko: Kandahar, Provinz Kandahar Objekt Rhino: Distrikt Garmsir, Provinz Helmand 30° 29′ 12″ N, 64° 31′ 32″ O | ||||||||||||
| Ausgang | Taktischer und operativer Sieg der USA | ||||||||||||
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Hintergrund
Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 machten die Vereinigten Staaten das Taliban-Regime in Afghanistan für die Unterstützung und Duldung der Terrororganisation Al-Qaida mitverantwortlich. In der Folge begann am 7. Oktober 2001 die Militärintervention unter dem Namen Operation Enduring Freedom. Die Operation startete mit gezielten Luftangriffen und dem Einsatz kleiner Spezialeinheiten, die die afghanische Nordallianz im Kampf gegen die Taliban unterstützten. Kandahar, als Geburtsort der Taliban und Sitz ihres Führers Mullah Mohammed Omar, galt als symbolisches Machtzentrum der Bewegung. Um der Taliban ein deutliches Zeichen zu setzen, wurde hier die erste Bodenoffensive des Krieges geplant.[2]
Im Rahmen der ersten Bodenoffensive wurden drei Zielobjekte festgelegt. Das Objekt Rhino bezeichnete ein etwa zwei Kilometer langes Flugfeld, das ursprünglich von einem Scheich aus den Vereinigten Arabischen Emiraten zur Jagd angelegt worden war. Es befand sich in der Provinz Helmand, rund 160 Kilometer vom eigentlichen Primärziel entfernt, und diente den eingesetzten US-Spezialkräften als Zwischenlandeplatz zum Auftanken der Hubschrauber.[2][3]
Das zweite Ziel, Objekt Gecko, lag nördlich von Kandahar. Dabei handelte es sich um den Wohnsitz von Mullah Mohammed Omar. Dieser hatte dort eine Villa errichtet, die als Kommandostand und symbolischer Mittelpunkt der Taliban-Herrschaft galt.[2]
Das Objekt Hondo lag in der Nähe der pakistanischen Stadt Dalbandin und diente als Zwischenstopp für die Hubschrauber beim Rückflug.[2]
Verlauf
Objekt Rhino

Vor Beginn der Operation wurde ein kleines Aufklärungsteam der US‑Army in das Zielgebiet eingeschleust, um mögliche Objekte und feindliche Stellungen auf dem Flugfeld zu identifizieren. Am Abend des 19. Oktobers 2001 erfolgte der Angriff zuerst mit B‑2-Bombern und AC‑130 Gunships, um Feinde auszuschalten und die Landung vorzubereiten. Unmittelbar danach sprangen rund 200 Soldaten des 75th Ranger Regiment aus vier MC‑130H Transportflugzeugen des 16th Special Operations Squadron über dem Flugfeld ab. Die Maschinen waren zuvor auf der omanischen Insel Masira gestartet.[2][3]
Eine Kompanie der Army-Ranger sicherte das Flugfeld selbst, während weitere Einheiten die umliegenden Gebäude kontrollierten, um mögliche Bedrohungen auszuschalten. Die Army-Ranger stießen dabei auf keinen Widerstand. Nachdem das Flugfeld gesichert war, setzte eine MC-130 einen Tank zur betankung der Hubschrauber für das Objekt Gecko ab. Der Aufenthalt der Soldaten am Zielort war auf etwas mehr als fünf Stunden begrenzt, anschließend wurden sie mit denselben Flugzeugen wieder ausgeflogen.[2][3][4]
Bei dem Angriff kamen nach vorliegenden Berichten 11 bis 12 Taliban‑Kämpfer ums Leben. Zwei US-Soldaten wurden beim Absprung verletzt.[2][4][5]
Objekt Gecko
Nachdem die MC‑130 den Tank am Objekt Rhino abgesetzt hatte, landeten vier CH‑47 Chinook, die zuvor vom Flugzeugträger USS Kitty Hawk gestartet waren, zum Auftanken auf dem Flugfeld. An Bord befanden sich 91 Soldaten der Delta Force und Army-Ranger sowie Fahrzeuge, die für den anschließenden Angriff vorgesehen waren. Gleichzeitig flogen AC‑130 Gunships und MH‑60L Black Hawk Angriffe auf den Wohnsitz von Mullah Mohammed Omar, das sogenannte Objekt Gecko.[2][5]
Nach Abschluss der Luftschläge landeten die Spezialkräfte und begannen mit ihren Fahrzeugen den Vorstoß zum Anwesen. Das Gebäude wurde gesichert, doch Omar befand sich nicht vor Ort. Die Soldaten stellten Dokumente und elektronische Daten sicher. Etwa eine Stunde später, beim Abzug aus dem Zielgebiet, gerieten die Einheiten in ein schweres Gefecht mit Kämpern der Taliban. AC‑130 und Black Hawk‑Hubschrauber leisteten daraufhin Feuerunterstützung, wodurch die Bodentruppen schließlich mit den Chinooks evakuiert werden konnten.[2][5]
Nach einer anderen Quelle geriet die eingesetzte Einheit bereits während der Landung im feindlich kontrollierten Gebiet unter Beschuss. Auch beim anschließenden Abzug kam es zu einem kritischen Zwischenfall als eine F/A‑18 Hornet versehentlich eigene Truppen angriff, nachdem sie diese fälschlicherweise als feindliche Kämpfer identifiziert hatte. Trotz des sogenannten Friendly‑Fires blieben alle beteiligten US‑Soldaten unverletzt.[6]
Laut einer Quelle kamen bei der Operation rund 30 Taliban-Kämpfer ums Leben, während 12 US‑Soldaten verwundet wurden.[2] Diese Angaben lassen sich jedoch aufgrund unterschiedlicher und teils widersprüchlicher Quellen nur schwer bestätigen.
Objekt Hondo
Eine Kompanie der Army-Ranger sicherte die Landezone für die anfliegenden Hubschrauber. Beim Anflug eines Black Hawk kam es infolge der durch den Rotor aufgewirbelten Staubwolken zu einem sogenannten Brownout. Der Hubschrauber setzte dabei hart auf, wobei ein Rad brach und die Maschine umkippte. Zwei Soldaten kamen bei dem Unfall ums Leben und drei weitere wurden verletzt. Es handelte sich um die ersten Gefallenen der US‑Streitkräfte im Verlauf des Krieges, die im Rahmen eines aktiven Kampfeinsatzes ihr Leben verloren.[2][4][7]
Folgen

Die Operation Rhino wird allgemein als taktisch und operativ erfolgreicher, in strategischer Hinsicht jedoch nur begrenzt wirksamer Einsatz bewertet. Die Sicherung des Objekts Rhino verlief planmäßig und ohne erhebliche Widerstände. Am Objekt Gecko zeigte sich die Wirkung dagegen eingeschränkt, da Mullah Mohammed Omar nicht vor Ort war und die dort erbeuteten Daten nur bedingt auswertbar erschienen.[4][5]
Das Objekt Rhino wurde etwas mehr als einen Monat nach der Operation durch US‑Marines zu einer Forward Operating Base ausgebaut. Von hier aus starteten in der Folge militärische Einheiten zu weiteren Operationen im südlichen Afghanistan. Das sogenannte Camp Rhino bildete damit den ersten festen Stützpunkt der Vereinigten Staaten auf afghanischem Boden und markierte den Beginn einer der militärischen Präsenz im Land.[4]