Optische Industrie
mit der Produktion von optischen Instrumenten befasster Industriezweig
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Die optische Industrie ist der Industriezweig, der sich mit der Herstellung von feinmechanisch-optischen Produkten wie Lasern für Industrie- und Medizintechnik, Messsystemen, Glasfaser-Produkten, Mikroskopen, Sensoren oder LED-Technik beschäftigt.[1] Teilbereiche sind die Verbraucheroptik, Analysen-, Bio- u. Laborgeräte sowie die Photonik.[2]
Geschichte

Ihren Ursprung hat die optische Industrie in Deutschland. Im November des Jahres 1800 legte der Theologe August Duncker den Entwurf einer Vielspindelscheifmaschine vor, mit der die Herstellung von Linsen erstmals mechanisiert werden konnte. Im Jahr darauf gründete er mit Samuel Christoph Wagener in Rathenow die „Königlich privilegierte Optische Industrie-Anstalt“, die ab den 1840er Jahren unter August Dunckers Enkel Emil Busch zu einem Industriebetrieb nach heutigem Verständnis gewandelt wurde mit Merkmalen wie arbeitsteiliger Massenproduktion und Antrieb per Dampfkraft. Der später mit seiner, aus einer kleinen Werkstatt hervorgegangenen optischen Industriefabrik weltbekannt gewordene Carl Zeiß ließ seinen Sohn Roderich in der Busch AG kaufmännisch ausbilden.
Der Beruf des rechnenden Optikers
Die Entwicklung und Fabrikation komplexerer optischer Instrumente, wie zusammengesetzte Mikroskope oder Fernrohre, beruhte in der Anfangszeit fast ausschließlich auf dem Erfahrungswissen der damit befassten Handwerker sowie auf dem Verfahren des sogenannten Pröbelns – einer Zusammenstellung der Linsen nach dem Prinzip des Versuch und Irrtums. Auf diese Weise konnte aber weder eine allgemeine Verbesserung der Leistung der optischen Instrumente erzielt werden, noch eine gesicherte Herstellung, denn wenn es keine Prinzipien gibt, nach denen die Linsen überhaupt geschliffen werden, dann lassen sich auch keine Muster ableiten, nach denen die willkürlich geschliffenen Linsen zusammengestellt werden müssen. Zwar hatten sich bereits seit dem 18. Jahrhundert von England und Frankreich ausgehend Verfahren beispielsweise zur Verringerung der chromatischen Fehler verbreitet (unter anderem durch John Dollond), eine theoretische Durchdringung der Materie der optischen Abbildungsfehler erfolgte jedoch erst sukzessive im Laufe des 19. Jahrhunderts. Historisch herausragend für die Entwicklung des Berufszweiges des rechnenden Optikers ist das Beispiel des Wiener Mathematikers Josef Petzval, der seine theoretischen optischen Untersuchen mit der praktischen Durchrechnung seines weltbekannt gewordenen Portaitobjektivs zu verbinden vermochte. Auch der für die Wiener und Braunschweiger Firma Voigtländer arbeitende Hans Zincken genannt Sommer ist in diese Kategorie der frühen rechnenden Optiker mit hoher theoretischer Beherrschung der Materie einzuordnen. Ein Paradigma für die Verwissenschaftlichung industrieller Produktion hat jedoch der deutsche Physiker Ernst Abbe gesetzt, der ab der zweiten Hälfte der 1860er Jahre zunächst eine Theorie zur Bildentstehung im Mikroskop entwickelte, bevor er seinem Arbeitgeber Carl Zeiß optische Rechnungen zur Verfügung stellen konnte, die die Herstellung von Mikroskopen mit zuvor nicht für möglich gehaltenen Leistungen erlaubten. Diese Verwissenschaftlichung des optischen Gerätebaus um die Mitte des 19. Jahrhunderts brachte den Berufsstand des Optikkonstrukteurs hervor, der mit immer weiter verfeinerten Berechnungsmethoden optische Systeme schuf, bei denen im Rahmen des vorgesehenen Anwendungszwecks die unvermeidlichen Abbildungsfehler auf so kleine Beträge verringert wurden, dass sie nicht störend in Erscheinung traten bzw. den Gebrauchswert des optischen Instrumentes nicht mehr beeinträchtigten.