Oreschnik (Rakete)

russische ballistische Mittelstreckenrakete From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Oreschnik (russisch Орешник Haselstrauch, NATO-Bezeichnung SS-X-34) ist eine mobile Mittelstreckenrakete aus russischer Produktion, deren Entwicklung unter dem nicht mehr in Kraft befindlichen INF-Vertrag verboten war.[3]

Schnelle Fakten Allgemeine Angaben, Technische Daten ...
Oreschnik (Rakete)
Allgemeine Angaben
Typ Mittelstreckenrakete
Heimische Bezeichnung Oreschnik
NATO-Bezeichnung SS-X-34
Herkunftsland Russland Russland
Hersteller Moskauer Institut für Wärmetechnik
Entwicklung 2020er-Jahre
Indienststellung 2024
Stückpreis 25–30 Mio. US-Dollar[1]
Technische Daten
Länge 15–18,5 m
Durchmesser 1.860 mm
Gefechtsgewicht 30–40 t
Antrieb Feststoffraketentriebwerk
Geschwindigkeit 12.300 km/h (Mach 10)
Reichweite 2.000–5.000 km[2]
Ausstattung
Gefechtskopf 6 MIRV
Zünder Programmierter Zünder
Waffenplattformen MZKT-79291 LKW
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Entwicklung

Über die Entwicklung der Oreschnik ist wenig bekannt, sie begann vermutlich in den 2010er-Jahren im Rahmen der Programme Skorost und Kedr (russisch für Zeder).[4][5][6] Auch Teile mit Seriennummern aus dem Jahr 2017 weisen auf eine Entwicklung der Rakete ab 2010 hin.[7] Der erste Teststart erfolgte im Oktober 2023 auf dem Testgelände Kapustin Jar; ein zweiter Teststart wurde im Juni 2024 am selben Ort durchgeführt.[8][9] Zum Einsatz kam sie ab November 2024 im Kontext des Krieges gegen die Ukraine.[10] Laut Angaben aus US-amerikanischen Sicherheitskreisen besaß Russland bis dahin nur eine geringe Stückzahl und die Rakete befand sich zum damaligen Zeitpunkt noch in der Testphase.[11][12]

Technik

Die Oreschnik stellt vermutlich eine Weiterentwicklung der Interkontinentalrakete RS-26 Rubesch dar, welche ihrerseits auf der RS-24 Jars basiert.[8][10][2][13] Rüstungsexperten zufolge sei die Oreschnik mit der RS-26 zu 80 bis 90 Prozent identisch.[2][14][15] Weiter vermeldete das ukrainische Fachportal Defense Express, dass es in der russischen Rüstungsindustrie gängig ist, dieselbe Waffe doppelt zu benennen.[3] Die Oreschnik ist eine zweistufige Mittelstreckenrakete mit Feststoffraketentriebwerken. Dabei wird vermutlich die erste Raketenstufe der RS-24/26 sowie eine abgeänderte zweite Raketenstufe mit einem neuen Wiedereintrittskörperträger verwendet.[4] Der Transport und Raketenstart erfolgt auf einem LKW vom Typ MZKT-79291.[5] Ausgerüstet ist die Rakete mit bis zu sechs MIRV-Gefechtsköpfen, welche auf individuellen ballistischen Flugbahnen ihre Ziele ansteuern.[11] Jeder einzelne MIRV-Gefechtskopf kann vermutlich mit bis zu sechs Stück Streumunition mit einem Gewicht von 20–50 kg beladen werden, so dass eine Rakete 36 Stück Streumunition gegen sechs Ziele einsetzen kann.[16][17][18] Weiter wird über eine Beladung mit MaRV-Gefechtsköpfen oder mit Streumunition mit einem Gewicht von jeweils von 50, 125 oder 250 kg spekuliert.[8][5][10][19] Bei den bisherigen Kriegseinsätzen wurden bei den Einschlägen der Gefechtsköpfe keine Detonationen beobachtet oder festgestellt.[20][21] Westliche Analysten gehen daher davon aus, dass bei diesen Einsätzen entweder kinetische Penetratoren oder Übungsmunition ohne Sprengstoff verwendet wurden.[22][23][24] Die Nutzlast der Rakete wird auf 1.200–1.500 kg geschätzt.[8] Die Rakete soll in der Endphase eine Geschwindigkeit von Mach 10 bzw. 12.300 km/h erreichen, was in etwa der typischen Geschwindigkeit einer modernen Mittelstreckenrakete entspricht.[2][10][3] Gemäß ersten Auswertungen nach dem Einsatz vom 21. November 2024 wird der Streukreisradius (CEP) der Oreschnik auf 90–250 m geschätzt.[8][19][18][25]

Stationierung

Westlichen Beobachtungen zufolge ist seit Ende Dezember 2025 eine Oreschnik-Brigade auf dem ehemaligen Fliegerhorst Kritschew im Osten von Belarus stationiert.[26][27][28][29]

Kriegseinsätze

Die Oreschnik wurde erstmals am 21. November 2024 gegen eine Anlage des ukrainischen Unternehmens Piwdenmasch in der Stadt Dnipro eingesetzt, das dort nach russischen Angaben auch Rüstungsgüter herstellen soll.[30][31][32] Laut ukrainischen Angaben wurde die Rakete aus der Oblast Astrachan gestartet.[33] Ukrainisches Bildmaterial zeigt den Einschlag von sechs mal sechs Mehrfachsprengköpfen ohne Explosionen.[34][35] Der durch den Einsatz entstandene Materialschaden in Dnipro ist ausschließlich auf die kinetische Energie der Gefechtsköpfe zurückzuführen. Der Einsatz sollte vor allem eine politische Signalwirkung haben, militärisch ergab er keinen Sinn und war vermutlich aus Propagandagründen oder zur Waffendemonstration angeordnet worden.[36][37][38][39] Dem russischen Präsidenten Wladimir Putin zufolge erfolgte der russische Raketenangriff als Reaktion auf den ukrainischen Einsatz US-amerikanischer ATACMS-Raketen sowie britischer Storm-Shadow-Marschflugkörper gegen militärische Ziele in Westrussland. Rund 30 Minuten vor dem Einsatz benachrichtigte Russland die USA, wie es im Rahmen des Nuclear risk reduction channel üblich ist, damit diese den Start der Rakete nicht mit einem Start einer Interkontinentalrakete (die für einen Nuklearschlag konzipiert sind) bzw. nicht mit einem Angriff gegen sich verwechselten.[3][40]

Der zweite Kriegseinsatz erfolgte in der Nacht vom 8. auf den 9. Januar 2026. Ukrainischen Angaben zufolge wurde dabei das Staatliche Flugzeugreparaturwerk Lwiw getroffen.[41] Bei den Einschlägen der Gefechtsköpfe wurden keine Explosionen festgestellt und die Schäden an dem Flugzeugreparaturwerk sollen sich in Grenzen halten.[21][42][43]

Russland bestätigte einen weiteren Einsatz einer Oreschnik-Rakete gegen die Ukraine in der Nacht vom 23. auf den 24. Mai 2026.[44] Das Angriffsprofil der einzelnen Sprengköpfe auf den veröffentlichten Videoaufzeichnungen deckt sich mit den Beobachtungen früherer Einsätze.[45] Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte, dass die Waffe bei einem Angriff auf die zentralukrainische Stadt Bila Zerkwa zum Einsatz gekommen sei.[46] Als mögliches Ziel wird der Militärflugplatz Bila Tserkwa vermutet, auf dem Hochwertziele wie Kampfjets des Typs F-16 und Mirage 2000 stationiert gewesen sein könnten.[47]

Commons: Oreschnik – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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