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Organização Popular da Mulher Timor

Frauenorganisation der osttimoresischen Partei FRETILIN From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Organização Popular da Mulher Timor (ursprünglich Organização Popular da Mulher Timorense) (OPMT) ist die Frauenorganisation der osttimoresischen Partei FRETILIN. Die OPMT ist Mitglied des Rede Feto, des Netzwerks von Frauenrechtsorganisationen in Osttimor.[1]

Das Logo der OPMT
Das Logo der OPMT
Guilhermina Filomena Saldanha ist seit 2025 kommissarische Generalsekretärin der OPMT (Foto: 2022)

Geschichte

Die Organização Popular da Mulher Timorense wurde offiziell am 28. August 1975 von mehreren Frauen der FRETILIN-Jugendorganisation UNETIM als erste Frauenorganisation einer Partei gegründet. Man profitierte von einer kleinen Gruppe von Frauen, die in Portugal und Mosambik studiert hatten. Generalsekretärin wurde Rosa Bonaparte (Muki). Zu den Gründungsmitgliedern gehörten Maia Reis, Aicha Bassarewan, Lourdes Maria Alves de Araújo, Isabel Barreto Lobato, Maria do Céu Pereira (Bi Lear), Dulce Maria da Cruz (Wewe), Guilhermina Araújo[2.1][3.1] und Maria Domigas Alves.[4] Doch bereits zuvor hatten sich Frauen organisiert und sich den Namen OPMT gegeben, wie die damalige Studentin Helen Hill auf ihrer Reise nach Portugiesisch-Timor registrierte.[5.1] Die OPMT bildete, laut Maia Reis, neben der Jugendorganisation Organizaçao Popular Juventude Timor Leste (OPJTL) und dem Arbeiterflügel Organizaçao Popular Trabalhista Timorense eine der drei Bewegungen, die die Basis für die FRETILIN und die spätere Widerstandsbewegung bildeten. Wie auch bei der Mutterpartei gab es in der OPMT sowohl eine radikale linke Fraktion als auch eine moderate zentralistische. Olandina Caeiro betonte aber, dass die Partei radikal gewesen sei, nicht aber die Frauenbewegung.[3.2]

Die OPMT bot im kurzen Zeitraum bis zur Besetzung durch Indonesien eine politische Beteiligungsmöglichkeit für die osttimoresische Frau im Gesellschaftssystem auf nationaler Ebene, jenseits der traditionellen Ebene. Laut Bonaparte sollte die OPMT die Frauen ertüchtigen, die Jugend für die „Fortführung der Revolution“ auszubilden, und die passiven Frauen für die Selbstbefreiung aufwecken (kore a’an). Sie sollten sich der „Repressionen unter Kolonialismus und Patriarchat“ bewusst werden. Frauen, die in dieser Zeit der OPMT angehörten, sahen Unterdrückungen der Frau auch aus der Kultur, den Bräuchen und der Tradition heraus, weswegen man Frauen gezielt beibrachte, sich politisch einzubringen.[5.1]

Wie die Jugendorganisation organisierte sich die OPMT von den Dörfern aus nach oben. Jeder Distrikt hatte sein eigenes Komitee, das für Bildung, Kultur, Logistik, Gesundheit und Hygiene, politische Organisation, die Betreuung von Waisen und Landwirtschaft verantwortlich war. Obwohl offen für alle Frauen, wurden zunächst vor allem junge Frauen Mitglied. Oft waren die Mädchen, die als „Barfuß-Lehrer“, Gesundheitskräfte oder politische Ausbilder arbeiteten, gerade mal 15 Jahre alt. Doch erst nach der indonesischen Invasion fasste die OPMT auch in den ländlichen Gebieten Fuß.[3.2]

Nachdem die FRETILIN im Bürgerkrieg gegen die UDT siegreich hervorgegangen war, wollte man mit der OPMT der humanitären Krise nach den Kämpfen entgegenwirken.[2] Anfangs arbeitete man deswegen mit dem Roten Kreuz und dem Australian Council for Overseas Aid (ACFOA) zusammen. Zu ihren Hauptprojekten gehörte die Arbeit für Flüchtlinge und die Unterbringung von Waisen in lokalen Familien.[3.1][5.1] Die OPMT organisierte in der kurzen Zeit, in der sie bis Dezember 1975 frei arbeiten konnte, im ganzen Land Kinderkrippen und Kindergärten.[3.1] Isabel Barreto Lobato übernahm die Verantwortung für die OPMT-Kinderkrippe Mau Bere, die bereits in der ersten Septemberwoche in Dili ihre Arbeit aufnahm.[2] Den Kindern brachte man Lesen und Schreiben bei und unterrichtete sie politisch über die „koloniale Unterdrückung“ und wie sie zu überwinden sei.[5.2] Frauen erhielten durch die Kinderbetreuung die Möglichkeit, auch an der Welt außerhalb ihres Heims teilzunehmen.[3.1] Man kann dies eine antikoloniale Form des Feminismus nennen, wobei auch in anderen Dritte-Welt-Staaten der Feminismus zusammen mit dem auflebenden Nationalismus in den Kolonien einherging. Sexuelle Ausbeutung der timoresischen Frauen durch die Kolonialherren wurde ebenso angeprangert wie die Vielehe.[5.3] Die Emanzipierung der osttimoresischen Frau wurde zum Symbolziel der Unabhängigkeitsbewegung und auch von männlichen Führern wie Nicolau Lobato und José Ramos-Horta übernommen.

Trotz der Beteiligung der Frauen in der Partei war nach eiliger, einseitiger Ausrufung der Unabhängigkeit Osttimors durch die FRETILIN am 28. November 1975 im Kabinett Guilhermina Araújo als stellvertretende Außenministerin die einzige Frau in der Regierung. Im Zentralkomitee der FRETILIN (CCF) gab es nur drei Frauen, und zwar mit untergeordneten Positionen.[3.3][6][7] Später gab es in der FALINTIL keine Frauen auf Kommandoebene.[3.4] Das Manifest der Regierung enthielt unter anderem das Verbot der Tradition des Barlake, des Austauschs von Vermögenswerten bei Hochzeiten, der teilweise als Brautkauf kritisiert wurde. Hier folgte die FRETILIN überraschend der früheren Kritik von Seiten der Kolonialherren und nicht den Befürwortern der timoresischen Kultur. Bonaparte hatte während ihres Studiums in Portugal den Maoismus kennengelernt und von hier ihre Ideen zur Gleichberechtigung der Frau in die Heimat mitgebracht, die sich auch gegen das Barlake richteten.[8]

Am 7. Dezember landeten indonesische Truppen in Osttimors Hauptstadt Dili. Rosa Bonaparte und Isabel Lobato wurden am Tag darauf zusammen mit zahlreichen anderen Menschen durch indonesische Soldaten an der Werft von Dili hingerichtet.[6] Auch zahlreiche andere OPMT-Mitglieder starben in den ersten Tagen der Invasion. Das indonesische Militär verfügte über eine Namensliste von „radikalen Frauen“, die ihr wahrscheinlich von osttimoresischen Gegnern der OPMT zusammengestellt wurde. Ansonsten wurde jeder Timorese getötet, der im Verdacht stand, Kommunist zu sein.[3.2] Die OPMT ging mit der FRETILIN in den Untergrund und ihre Ziele wurden dem Kampf um die Unabhängigkeit des Landes untergeordnet.[3.5] Auch Tausende von Zivilisten flohen vor den Invasoren in die Berge. Frauen der OPMT kämpften zusammen mit den Männern gegen die Indonesier, leisteten logistische Unterstützung oder übernahmen in den Widerstandsbasen den Wachdienst. Auch die Hauptverantwortung für die Gemeinschaften und Familien übernahm die OPMT. Weiterhin organisierten die „Brigadistas“ (Freiwillige für Alphabetisierungskurse für Erwachsene) Alphabetisierungskurse für Frauen und nutzten dabei ein Handbuch, das von den Studenten in Portugal geschrieben und gedruckt worden war. Man diskutierte über den Unabhängigkeitskampf, die osttimoresische Kultur und den Nationalismus, erzählte sich auf Tetum traditionelle Geschichten und sang Lieder wie Foho Ramelau.[5.4] Die OPMT brachte den Frauen auch Handarbeiten wie Körbeflechten und Kochen bei. Für die Kämpfer der FALINTIL gab es Kurse in traditioneller Medizin. Frauen übernahmen den Anbau von Nahrungsmitteln und auch die Versorgung der Kämpfer an der Front. Dazu gab es das politische Programm mit Vorträgen über Frauenthemen, bei denen auch Traditionen wie Polygamie und Barlake kritisch betrachtet wurden. An den Diskussionsrunden nahmen gleichermaßen Frauen und Männer teil, was den gegenseitigen Respekt steigerte.[3.6] Andererseits taten viele FRETILIN-Führer nicht das, was sie predigten. Weiterhin sah man die Bestimmung von Frauen nur darin, sich um das Wohlergehen des Mannes zu kümmern.[3.7] Nach der Zerstörung der letzten Widerstandsbasen kehrten die Zivilisten zurück in die Dörfer und der Widerstand verlagerte sich in den Untergrund.[3.8]

Frauen, die im Verdacht standen, mit dem Widerstand zusammenzuarbeiten, wurden inhaftiert und auf Atauro gefangengehalten. OPMT-Gefangene wurden oft zusätzlichen Brutalitäten ausgesetzt. Viele wurden vergewaltigt und ermordet. Die OPMT wurde vom Militär mit der Gerwani gleichgesetzt, der Frauenbewegung, die in den 1960er-Jahren mit der Kommunistischen Partei Indonesiens verbunden war. Außerdem waren OPMT-Mitglieder oft verwandt mit führenden FRETILIN- und FALINTIL-Angehörigen. Familiäre Bande sorgten für Vertrauen in den Netzwerken.[3.9]

In den 1990er Jahren kamen neue Mitglieder zur OPMT, Aktivistinnen, die als Studentinnen in Indonesien oder Osttimor tätig waren. Andere lebten im Exil und arbeiteten dort in politischen Parteien und Organisationen, zusammen mit lokalen Solidaritätsorganisationen. In Indonesien kamen osttimoresische Studentinnen mit den dortigen Frauenbewegungen in Kontakt.[3.10] Diese Unterstützung aus Indonesien sorgte zusätzlich zu einer Wiedererstärkung der OPMT.[3.5]

1998 einigten sich die verschiedenen osttimoresischen Parteien auf die Zusammenarbeit im Conselho Nacional de Resistência Timorense (CNRT). Für die OPMT bedeutete dies eine Änderung in den Strukturen. Um die Idee hinter dem Dachverband zu verbreiten, wurde die Organização da Mulher Timorense (OMT) gegründet, als überparteiliche Frauenorganisation des CNRT. Die Ziele änderten sich im Vergleich zum OPMT nicht. Die OMT baute auf den Strukturen des OPMT auf. Das Ende der politischen Spaltung brachte nun der OMT ein breiteres Spektrum an Frauen als der OPMT. Angesichts der allgemeinen Stärkung der Widerstandsbewegung und des wachsenden Optimismus, dass ein Wandel möglich sei, stellte die OMT eine attraktive Option dar. In der zweiten Hälfte des Jahres 1998 hatte die neue Organisation 70.000 Mitglieder, aufgeteilt in 3.000 Sekretariaten; eines in jeder Aldeia beziehungsweise jedem abgelegenen Weiler. Jedes Sekretariat konnte unabhängig nach den lokalen Prioritäten agieren, wie zum Beispiel bei der Versorgung von Widerstandskämpfern. Von oben kamen Anweisungen, so für die Informationskampagne für Frauen zum Unabhängigkeitsreferendum 1999.[3.11] Vor den Wahlen zur verfassunggebenden Versammlung 2001 löste sich der CNRT auf, die OMT arbeitete aber parallel zur OPMT weiter. Viele Frauen kehrten jedoch zur FRETILIN und ihrer OPMT zurück, so dass nun zwei Frauenorganisationen miteinander konkurrierten.[3.12]

Nach der Unabhängigkeit 2002 schuf die OPMT Projekte, um das Einkommen von Frauen zu verbessern, insbesondere für Witwen, Waisen und andere sozial benachteiligte Frauen. Dazu gehören zum Beispiel Webereigenossenschaften und Nähkurse. Ziel ist die wirtschaftliche Selbstständigkeit der Frauen.[3.13]

Liste der Generalsekretärinnen

Weitere Informationen Name, Amtszeit ...
Name Amtszeit Bemerkungen
Rosa Bonaparte (Muki) 28. August 1975 – 8. Dezember 1975 (†) während der indonesischen Invasion ermordet
Regina Soares Ximenes bis 2006 [3.14]
Lourdes Maria Alves de Araújo (Merita Alves) 2006–2021 (†)
Florentina da Conceição Pereira Martins Smith 2021–2025 (†) interim bereits ab 2020[9]
Guilhermina Filomena Saldanha seit dem 14. September 2025 interim
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Weitere prominente Mitglieder

Einzelnachweise

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