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Ostberliner Affäre

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Die Ostberliner Affäre, auch bekannt als Dongbaekrim Incident (koreanisch: 동백림 사건), war ein politischer Skandal aus der Zeit des Kalten Krieges, bei dem das harte Vorgehen Südkoreas gegen Personen im Mittelpunkt stand, die der Spionage für Nordkorea beschuldigt wurden.[1] Der Vorfall nahm Mitte 1967 unter dem autoritären Regime von Präsident Park Chung-hee seinen Anfang und betraf den südkoreanischen Geheimdienst KCIA, der gezielt gegen im Ausland lebende Koreaner – darunter Studenten, Intellektuelle und Künstler, vornehmlich in Europa – vorging.[2] Viele Opfer wurden getäuscht oder unter einem Vorwand zur Festnahme gelockt, während andere von in Taekwondo ausgebildeten Beamten physisch zur Unterwerfung gezwungen wurden.[3][4] Medienberichte sowie der Druck seitens Geflüchteter und anderer in Deutschland lebender Koreaner zwangen die deutsche Polizei dazu, die verbleibenden rund 4000 südkoreanischen Staatsangehörigen im Land zu schützen.[3]

Die meisten der in die Affäre Verwickelten waren entweder ausgesprochene Kritiker des Regimes von Park Chung-hee oder setzten sich aktiv für Demokratie oder Wiedervereinigung ein.[5]

Hintergrund

Sowohl die Koreaner als auch die Deutschen erlebten die Teilung ihrer Nationen in einem zeitlichen Abstand von weniger als zehn Jahren. Während die Teilung Deutschlands auf den Zusammenbruch des nationalsozialistischen Deutschlands zurückging, war die Spaltung Koreas die Folge eines Bürgerkriegs. Diese unterschiedlichen Ursachen für die Grenzziehung bedingten auch unterschiedliche Möglichkeiten, auf die jeweils andere Seite zu gelangen. Selbst nach dem Bau der Berliner Mauer 1961 waren die Grenzen in Deutschland für den Austausch von Menschen und Ideen durchlässiger als die Grenze, die die beiden koreanischen Staaten voneinander trennte.[6]

Die Präsenz von Koreanern in Ost-Berlin Mitte des 20. Jahrhunderts war von einer Kombination geopolitischer und sozioökonomischer Faktoren geprägt. Nach dem Koreakrieg (1950–1953) strebte die DDR – im Einklang mit der Sowjetunion und einem Großteil des Ostblocks – danach, engere Beziehungen zu Nordkorea aufzubauen. Im Rahmen dieser Bemühungen bot die DDR Studierenden Stipendien und Ausbildungsmöglichkeiten an, insbesondere in Fachbereichen wie Medizin, Ingenieurwesen und Kunst. Ziel dieser Initiative war es, sozialistische Ideale zu fördern und die Solidarität zwischen den beiden Staaten zu stärken. Auch einige Südkoreaner, die zunächst in Westdeutschland studiert hatten, zogen nach Ost-Berlin, angezogen von den dortigen akademischen Möglichkeiten und der Rolle der Stadt als Schnittstelle zwischen den beiden ideologischen Blöcken des Kalten Krieges.[2][3]

Die Bedeutung Ost-Berlins wurde durch die politischen Bündnisse des Kalten Krieges zusätzlich gesteigert. Für Nordkorea fungierte die Stadt als strategischer Knotenpunkt zur Förderung seiner ideologischen und diplomatischen Interessen. Koreanische Intellektuelle und Studierende, die sich den sozialistischen Idealen verbunden fühlten, wurden ermutigt, nach Ost-Berlin zu ziehen; dort konnten sie sich an Diskussionen über die koreanische Wiedervereinigung beteiligen und in globalen linken Netzwerken mitwirken. Dieses Umfeld bot eine Alternative zu den strikt antikommunistischen Regimen in Südkorea und zog jene an, die autoritären Herrschaftsstrukturen kritisch gegenüberstanden.[2][3]

Beschuldigungen

Die KCIA beschuldigte Hunderte südkoreanischer Staatsangehörige der Spionage und des angeblichen Zusammentreffens mit nordkoreanischen Agenten in Ost-Berlin. Einigen wurde zudem vorgeworfen, nach Nordkorea gereist zu sein. Die in mehreren europäischen Ländern – darunter Westdeutschland und Frankreich – durchgeführte Operation führte zur Entführung und zwangsweisen Überstellung von mehr als 200 Personen nach Südkorea. Zu den Betroffenen zählte der renommierte Komponist Isang Yun. Er wurde in Deutschland festgenommen und unter Umgehung rechtsstaatlicher Verfahren heimlich nach Südkorea verschleppt. Nach ihrer Ankunft in Südkorea wurden Yun und die anderen im Rahmen der antikommunistischen Kampagne des Regimes Verschleppten inhaftiert, sowie harten Verhören ausgesetzt, bei denen häufig Folter angewandt wurde.[2][4] Mindestens zwei Personen wurden zum Tode verurteilt.[7]

Bekannte Opfer

  • Isang Yun – in Korea geborener deutscher Komponist (1917–1995)
  • Yi Eungro – koreanischer Maler (1904–1989), der damals in Frankreich lebte
  • Cheon Sang-byeong – südkoreanischer Schriftsteller (1930–1993)

Internationale Reaktion

Der Ostberliner Affäre hatte erhebliche internationale Auswirkungen. Die Operation wurde als Völkerrechtsverstoß verurteilt, woraufhin Deutschland mit der Ausweisung südkoreanischer Diplomaten und der Einstellung der Finanzhilfen für Südkorea reagierte. Der Skandal offenbarte den autoritären Charakter des südkoreanischen Regimes und belastete dessen internationale Beziehungen sowie seine Glaubwürdigkeit im eigenen Land.[2][4]

Die französische Regierung leitete zwar eine Untersuchung des Falls ein, verhielt sich jedoch bei den Bemühungen, auf französischem Boden entführte Koreaner zurückzuholen, weitaus passiver als Westdeutschland. Im Gegensatz zu Westdeutschland schien Frankreich kein Interesse an französischen Staatsbürgern koreanischer Abstammung zu zeigen, die in Südkorea verhaftet oder entführt worden waren. Die französische Öffentlichkeit und die Medien setzten sich hingegen nachdrücklich bei der französischen und der südkoreanischen Regierung für die Freilassung der Betroffenen ein.

Einzelnachweise

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