Otto-Erich Simon

deutscher Multimillionär, 1991 verschwunden From Wikipedia, the free encyclopedia

Otto-Erich Simon (* 20. Mai 1921;[1] † am oder nach dem 12. Juli 1991) war ein deutscher Multimillionär, der in Düsseldorf lebte.

Leben

Simon entstammte einer Winzerfamilie aus Lösnich an der Mosel. 1963 kaufte er zwei Geschäftshäuser an der Düsseldorfer Prachtmeile Königsallee 76 und 78.[2][3] Der als verschroben gegoltene Simon war bekannt durch zahlreiche Auseinandersetzungen, sein mit ihm entzweiter Hausnachbar meinte: „Simon braucht den Streit zum Leben.“[4][5]

Simon wurde am 12. Juli 1991 zuletzt lebend gesehen. Dieses Datum ist auch das mutmaßliche Todesdatum.[2] Nur eine kurze Zeit nach dem Verschwinden am 22. Juli 1991 legte der Düsseldorfer Geschäftsmann und Bauunternehmer Hans Hansen bei einem schweizerischen Notar den Kaufvertrag für beide Immobilien an der Königsallee vor.[2] Am 14. September 1991 erschien in der lokalen Ausgabe der Bild der Artikel „Der komische Opa von der Kö“, in dem berichtet wurde, dass der 71-jährige Simon beide Häuser für 30 Millionen DM verkauft habe und mit den Geldkoffern (Gesamtgewicht 45 kg) verschwunden sei. Den späteren Zeugenberichten zufolge lebte Simon in einem luxuriösen Ambiente, ausgestattet mit Gemälden und Porzellan, anderen Aussagen zufolge jahrelang auf einer Art Matratzenlager. Die Mieten kassierte er stets in bar. Kaufangebote lehnte er stets mit dem Hinweis ab, er würde nie verkaufen. Laut dem Buch des ehemaligen Richters Karl-Heinz Keldungs, Große Strafprozesse vor Düsseldorfer Gerichten, soll er sogar seinen Erben ein Verkaufsverbot auferlegt haben. Die Schätzungen über die Grundstückswerte reichten von 60 bis 120 Millionen Mark.[4]

Die Zeitungsberichte über ihn hatten allerdings kein Interesse der Justizbehörden gefunden. Erst im Dezember 1991, nachdem die ersten Bautrupps in die Häuser eingerückt und dort auf persönliche Gegenstände in der nicht gänzlich ausgeräumten Wohnung gestoßen waren, wurde die Polizei benachrichtigt. Ein Bekannter Simons erstattete Vermisstenanzeige. Bereits nach den ersten Polizeiermittlungen entpuppte sich die Unterschrift Simons auf dem Kaufvertrag, Kaufsumme lediglich 25,38 Millionen Mark, als eine Fälschung.[2][4] Der Käufer war über eine Firma in der Schweiz der Düsseldorfer Bauunternehmer Hans Hansen, der als Tatverdächtiger verhaftet wurde. Die Verträge waren zunächst bei einem Notar auf der Königsallee beurkundet worden, später in einem Notariat in Zürich. Dort soll Otto Erich Simon Ende Juli 1991 das Geld in bar erhalten haben.[4]

Die 17-köpfige Sonderkommission der Polizei konnte die Leiche Simons nicht finden, auch in der Wohnung gab es keine Spuren. Der Mordprozess gegen Hansen begann am 1. Februar 1994.[6] Der Fall Simon sorgte nicht nur in der regionalen Presse für Aufsehen.[7][8] Als Indizien gegen Hansen dienten der gefälschte Kaufvertrag und eine Quittung über den Kauf von Säge, Spaten, Müllsäcken und Kreuzhacke. Während des Prozesses wurden mehr als 100 Zeugen gehört und kurioseste Szenarien durchgespielt.[9][9] Nach 135 Verhandlungstagen wurde 1996 der Indizienprozess ausgesetzt, weil der Angeklagte unter Depressionen litt und zeitweise an den Verhandlungen nicht teilnehmen konnte. 1998 wurde der Haftbefehl gegen Hansen aufgehoben.[10]

Nach dem Verschollenheitsgesetz galt Simon juristisch als verschollen. Das Amtsgericht Düsseldorf erklärte Simon Ende Januar 1997 für tot.[11][12] Anfang 2002 wurde das Verfahren wegen des weiterhin schlechten Gesundheitszustands des Angeklagten endgültig eingestellt, von der Staatsanwaltschaft unter der Bedingung, dass der Angeklagte nicht für die viereinhalb Jahre Untersuchungshaft entschädigt werde.[4.1][13][14] Der dringende Tatverdacht hatte jedoch bis zum Ende Bestand. Der Neffe Simons verkaufte die Grundstücke an einen Privatinvestor, der die Häuser später abreißen ließ. 2026 befanden sich dort die Schaufenster großer Modeketten.[4]

Der Bauunternehmer Hans Hansen, der stets beteuert hatte, nichts mit Simons Verschwinden zu tun zu haben, lebte noch einige Zeit in Düsseldorf, später soll er nach Mallorca gezogen und dort 2025 gestorben sein.[4.2]

Auf dem Düsseldorf Nordfriedhof erinnert eine Grabplatte mit der Aufschrift „In Memoriam Otto-Erich Simon“ an ihn.[15]

Nachwirkungen

2008 wurde der Mord ohne Leiche in der Fernsehserie Das Kriminalmuseum thematisiert.[13] 2017 wurde vom Ensemble des Düsseldorfer Schauspielhauses im Dreischeibenhaus das Theaterstück Die dritte Haut: Der Fall Simon uraufgeführt.[15]

Einzelnachweise

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