Otto Friedrich (Politiker)
deutscher Journalist und Senator der Hansestadt Lübeck
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Gustav Adolf Otto Friedrich (* 3. November 1869 in Lindau bei Zerbst; † 13. Februar 1955 in Lübeck) war ein deutscher Journalist und Senator der Hansestadt Lübeck.


Leben
Otto Friedrich wurde als Sohn eines Schmiedemeisters geboren. Er besuchte zunächst das Francisceum in Zerbst und danach das Lehrerseminar in Köthen. Als Neunzehnjähriger trat er in die Sozialdemokratische Partei ein. Er nahm an der literarischen Bewegung, deren Mittelpunkt Michael Georg Conrad und die von ihm herausgegebene Zeitschrift Die Gesellschaft bildete, Anteil. Infolge seiner politischen Betätigung musste er seine Studien auf dem Seminar abbrechen.
Friedrich wurde Privatlehrer und Mitarbeiter an Zeitungen und Zeitschriften. Zuerst war er Redakteur am Chemnitzer Beobachter[1] und danach an der Breslauer Volkswacht. Im März 1894 berief ihn die lübeckische Sozialdemokratie als Leitenden Redakteur an ihr neu zu gründendes Parteizeitung, den Lübecker Volksboten. Dort durchlebte er nach diversen Vergehen unter Ausnutzung der Pressefreiheit die zu Verurteilungen führten manch schwere Zeit. 1904 enthob ihn der „Lübecker Volksbote“seines dortigen Amtes.
Dann arbeitete Friedrich als Redakteur des Braunschweiger Volksfreundes und danach am Sächsischen Volksblatt in Zwickau.
Im März 1917 wurde Friedrich vom Parteivorstand beauftragt, die durch innere Wirren zerrütteten Parteiverhältnisse in Braunschweig neu zu ordnen und die Redaktion des Volksfreundes wieder zu übernehmen. Die Vorgänge, die auf die Braunschweiger Novemberrevolution folgten, führten zu einer gewaltsamen Enteignung des Volksfreundes durch Unabhängige und Spartakisten. Im Auftrag der braunschweigischen SPD gab Friedrich als Redakteur zunächst in Wolfenbüttel, dann in Braunschweig selbst, den Sozialdemokrat heraus. Dieser gewann bald Einfluss auf das Braunschweiger politische Leben.
Zum 1. Oktober 1919 übernahm Friedrich wieder die redaktionelle Leitung beim „Lübecker Volksboten“.
Am 24. Januar 1921 wurde Friedrich an Stelle des in den Ruhestand getretenen Bürgermeisters Emil Ferdinand Fehling in den Senat der „Freien und Hansestadt Lübeck“ gewählt.[2]
Besonders mit seinem überparteiischen Verhalten in den unruhigen Augusttagen des Jahres 1923 hatte Friedrich sich den Zorn maßgebender Genossen zugezogen. Der damals entfachte Kampf gegen die Polizei, der Senator Friedrich als stellvertretender Polizeiherr in Abwesenheit des Senators Fritz Mehrlein als Chef vorstand, erhielt somit sein spätes Opfer. Dass er damals, unbeirrt von Parteischeuklappen, in keiner Weise aggressiv, sondern durchaus sachgemäß handelte, vergaßen ihm parteipolitisch nicht einseitig eingestellte Lübecker nicht und wählten ihn 1925 erneut in den Senat. Es sollte jedoch nicht dazu kommen, da die sozialdemokratische Partei ihren Einfluss geltend machte und er am 24. April 1925 „freiwillig“ in den Ruhestand trat, da die Anzahl hauptamtlicher Senatoren in Lübeck verringert wurde.
Schriften
- Die Weisen des Zion. Das Buch der Fälschungen, Lübeck 1920 Digitalisat (Anmerkung: Friedrichs Auseinandersetzung mit Protokolle der Weisen von Zion)
Literatur
- Senator Otto Friedrich. In Von Lübecks Türmen; 31. Jg., Nr. 6, Ausgabe vom 12. Februar 1921, S. 16
- Emil Ferdinand Fehling, Lübeckische Ratslinie, Lübeck 1925, Nr. 1041
- Karl-Ernst Sinner: Tradition und Fortschritt. Senat und Bürgermeister der Hansestadt Lübeck 1918-2007, Band 46 der Reihe B der Veröffentlichungen zur Geschichte der Hansestadt Lübeck herausgegeben vom Archiv der Hansestadt Lübeck, Lübeck 2008, S. 85 ff
- Vaterstädtische Blätter; Nr. 17, Jahrgang 1925, Ausgabe vom 10. Mai 1925, Artikel: Senator Otto Friedrich.