Otto zum Turm

Schweizer Minnesänger From Wikipedia, the free encyclopedia

Otto zum Turm (* ca. 1255; † ca. 1331) gehörte zu einer Familie, die den Rapperswiler Grafen als Ministeriale dienten. Otto ist im Codex Manesse als Dichter aufgeführt mit Miniatur und Minneliedern und gehört in die Reihe der Schweizer Minnesänger.[1] Sein Lebensmittelpunkt war die Innerschweiz, vor allem Luzern und Wolhusen.

Otto zum Turm, Miniatur aus dem Codex Manesse.
Beispiel eines Minneliedes von Otto zum Turm.

Leben und historische Einordnung

Ein historisch dokumentierter Otto zum Turm hat am 11. August 1275 zum ersten Mal als Zeuge beim Landrichter Marquard von Wolhusen beurkundet und viel später wieder von 1312 bis 1331 in Luzern und Umgebung. Wegen des grossen zeitlichen Abstandes der beiden Dokumente könnte es sich durchaus um zwei verschiedene Personen gehandelt haben. Diese Zweideutigkeit ist nicht geklärt und darum die historische Person Ottos trotz vieler urkundlicher Spuren nicht gesichert.[2] Er stammte jedoch mit grosser Wahrscheinlichkeit aus dem Geschlecht der Ministerialenfamilie zum Turm bei Altendorf (Alt-Rapperswil) und zog in jungen Jahren nach Luzern bzw. Wolhusen. 1330 trat er in Luzern einem pro-habsburgischen Bündnis bei, wurde Bürger der Stadt und band sich eng an den Rat. Sein Vater war vermutlich Rudolf zum Turm (Ritter, urkundlich erwähnt 1253–1290) und seine Mutter Emma von Bäch.

Jahr / Zeitraum Ereignis[2]
ca. 1255–1260 Hypothetische Geburt Ottos zum Turm (erschlossen aus erster urkundlicher Nennung 1275, bei angenommener Volljährigkeit).
11. August 1275 Erste urkundliche Nennung: Otto zum Turm als Zeuge eines Schiedsspruchs des königlichen Landrichters Marquard von Wolhusen.
letztes Viertel 13. Jh. (ca. 1275–1300) Wahrscheinliche Schaffenszeit des Minnesängers;
1275–1312 Lange Quellenlücke (37 Jahre); mögliche Tätigkeit im habsburgischen Dienst, evtl. auch außerhalb der Innerschweiz.
5. April 1312 Wiederauftreten in Luzern, im Umfeld des habsburgischen Landvogts Heinrich von Grießenberg.
22. April 1312 Zweite urkundliche Erwähnung in Luzern (Ausstellung einer weiteren Urkunde).
12. Mai 1313 Otto erscheint in Baden als Zeuge Herzog Leopolds von Habsburg.
1316 Besitz von Gütern im Moos bei Luzern als Erblehen des Klosters St. Leodegar.
23. April 1322 Verkauf von Gütern in Maggingen bei Altdorf; urkundlicher Beleg familiärer Beziehungen (Schwester Berchta von Winterberg).
13. Oktober 1330 Beitritt Ottos zum Ratsbündnis von Luzern; Loyalitätserklärung gegenüber Rat und Stadt. Gleiches Datum für ein Siegel Otto de Turne, das Wappenidentität belegt.
1331 Gütertausch: Otto überlässt dem Kloster Luzern die Turnmatt (Unterwalden); im Gegenzug erhält seine Schwester Berchta (Witwe von Konrad von Winterberg) ein Gut bei Ruswil.
nach 1331 Wahrscheinlicher Rückzug aus dem öffentlichen Leben.
vor 10. Juni 1339 Tod Ottos zum Turm (Terminus ante quem: In einer erneuerten Urkunde von 1339 erscheint er nicht mehr unter den Zeugen).

Dichtung und Werk

Von Otto sind im Codex Manesse lediglich fünf Minnelieder und ein Leich überliefert. Auffallend ist die originelle Bildsprache, z. B. Kraftlos wie ein durchslagen sumber[3] des ansonsten eher mager überlieferten Werkes.

Wikisource: Otto zum Turm – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise

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