Oued Samene

Fluss und Tal in der algerischen Provinz Illizi From Wikipedia, the free encyclopedia

Der Oued Samene (auch Oued Semen), gesprochen Sämen mit Betonung auf der ersten Silbe, ist ein Trockental, das in der südöstlichen algerischen Sahara durch das Tassili n'Ajjer führt. Während die obere Hälfte des Tales sich in einer Schlucht nordwärts windet, prägt die untere Hälfte ein etwa 10 km breites Tal, das längsseits von zwei Bergzügen eingefasst wird.

Schnelle Fakten
Oued Samene
Topografische Karte des Oued Samene im Südosten Algeriens

Topografische Karte des Oued Samene im Südosten Algeriens

Daten
Lage Provinz Illizi in
Algerien Algerien
Flusssystem Oued Samene
Ursprung Gebirgskamm zum Qued Taressa
25° 49′ 28″ N,  35′ 43″ W
Quellhöhe ca. 1475 m[1]
Mündung Oued Irarreren
26° 49′ 19″ N,  16′ 52″ W
Mündungshöhe ca. 452 m[2]
Höhenunterschied ca. 1023 m
Sohlgefälle ca. 8,1 
Länge Talweg 127 km[3]
Einzugsgebiet etwa 3125 km²[4] Der Teil östlich des Erg Samene mit Tanarine wird nicht einbezogen, was hier korrigiert ist.
Linke Nebenflüsse Oued Tilemsi, Oued Izzatene
Rechte Nebenflüsse Oued Souf Mellene
Gemeinden Tanarine
Einwohner im Einzugsgebiet 162[5]
Zwei Schaubilder zur Geologie des Tassili n'Ajjer. Der Oued Samene befindet sich oben, links der Mitte.

Zwei Schaubilder zur Geologie des Tassili n'Ajjer. Der Oued Samene befindet sich oben, links der Mitte.

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Geografie, Hydrologie

Der Fluss, der dem Tal den Namen gegeben hat, entspringt am Südrand des Tamelrik und führt über die Nordabdachung des Tassili n'Ajjer in Richtung Norden, wobei er sich bis 400 m tief in den Sandstein eingegraben hat. Auf diesem Streckenabschnitt nimmt er einen ganzen Fächer von Zuflüssen auf. Etwa auf halber Strecke seines Laufs verbreitert sich das Tal auf etwa 10 km. Hier wird es auf der West- und Ostseite von den Steilhängen zweier Bergzüge flankiert. Über eine Länge von knapp 40 km durchzieht das Dünengebiet des Erg Samene das Tal, während das Flussbett westlich davon liegt. Am Ausgang des Tales wendet er sich nach Nordwesten. Allerdings ist bald kein Flussbett mehr auszumachen.

Das Einzugsgebiet des Oued Samene reicht bis zum Kamm des Äußeren Tassilis. Dieser Kamm, der eine Länge von etwa 400 km aufweist, wird, außer im Westen, nur von wenigen Quertälern durchschnitten. Eines ist der Passübergang des Oued Samene zum Oued Taressa. Er wurde von den Nomaden des Oued Samene rege benutzt, um zu ihren Verwandten im Afara-Gebiet, 60 km südlich des Übergangs, zu gelangen.[6] Wegen einer ruppigen Passage direkt nördlich des Übergangs ist er für Fahrzeuge kaum benutzbar.[Anmerkung 1]

Am meisten Niederschläge fallen in diesem Gebiet im Frühjahr. Die durchschnittliche jährliche Niederschlagsmenge wird auf 36 mm geschätzt, die Verdunstungsmenge auf 31 mm, so dass das Grundwassersystem Murzuk mit dem Überschuss angereichert wird.[7] Die gesamte Wassermenge, die in diesem Gebiet vorhanden ist, ist von 2002 bis 2022, auf die Fläche verteilt, um 26 mm gesunken, was etwa 80 Mio t entspricht. Die Auswertung der Messungen zeigt auch, dass 2022 während zweier Perioden starke Niederschläge verzeichnet wurden.[Anmerkung 2]

Geologie

Während der Zeit des Mesozoikums mit seinem Ozean im Gebiet der heutigen Sahara erfolgten umfangreiche Sedimentablagerungen im Bereich des späteren Tassili n'Ajjer und der weiteren Umgebung. Dabei entstanden seine zwei charakteristischen Sandsteinschichtungen: Äußeres und Inneres Tassili und dazwischen eine Schicht von weichem tonigem Sandstein und Graptolithenschiefer.[8] Seit dem Miozän wurde das Hoggar-Massiv um 4000 bis 5000 m angehoben. Diese Hebung erfasste auch das Gebiet des Tassili n'Ajjer und bewirkte eine Neigung der Schichtung nach Norden hin.[9] Frostsprengungen, Winderosion und Hochwasser hatten zur Folge, dass ein Teil des Sandsteins abgetragen und wegtransportiert wurde. So entstanden die auffälligen zwei Geländestufen südlich des Tamelrik (Abbruch des Äußeren Tassilis) und südlich des Tasedjebest (Abbruch des Inneren Tassilis).[8]

Bevölkerung

Der Oued Samene liegt im Lebensraum der Konföderation der Kel Ajjer-Tuareg. Der breite nördliche Abschnitt des Tals bietet gute Weidegebiete für die Ziegenherden von Nomaden, während die traditionellen Weidegebiete für Kamele weiter im Nordwesten, im Oued Irarraren liegen.[6]

Tanarine, die wichtigste Siedlung des Tals, ist am Fuße des Ostabhangs im nördlichen Talabschnitt gelegen. Erstmals erwähnt wird das Dörfchen im Zusammenhang mit einer Rezzou (Raubüberfall) von 1894, als die Verfolger die Plünderer stellten und es in Tanarine zu Verhandlungen kam.[10] In den 1980er-Jahren gab es in Tanarine eine Grundschule mit zwei Lehrern, die die Nomadenkinder unterrichteten, wenn sie sich in Tanarine aufhielten, was oft nur während zwei Monaten im Jahr der Fall war.[6]

2023 zählte man in Tanarine etwa 20 Häuser in fester Bauweise und etwa 50 traditionelle Zeriba (Schilfhütten) mit Einfriedung, sowie einen Brunnen mit Waschbecken und eine Schulanlage mit Fußballfeld mit Belag. Elektrischer Strom war nun vorhanden.[11] - Seit der Jahrhundertwende hat sich im Südwesten von Tanarine, auf der anderen Seite des Erg Samene, eine weitere kleine Siedlung entwickelt, deren Name nicht bekannt ist.[12]

Tierhaltung

In der Gemeinde Illizi, zu der auch der Oued Samen gehört, verzeichnete 2020 das Veterinäramt 146 Kamelhalter mit total 10.431 Kamelen. Wenn man die geeigneten Weidegebiete der Gemeinde in Betracht zieht, so befindet sich wohl ein ziemlicher Anteil davon im Oued Samene und im Oued Irarraren nördlich davon. In einer Studie von 2021 wurde die Kamelhaltung in der benachbarten Gemeinde Bordj Omar Driss untersucht. Man kann vermuten, dass die Verhältnisse dort nicht wesentlich verschieden sind. Ein Großteil der Kamelhalter sind Züchter. Sie halten die Tiere bis zum Beginn der Mast in ihrer Herde. Die zweite Gruppe sind Züchter, die ihre (und zugekaufte) Tiere mästen für die Fleischproduktion. Ein Großteil der Kamelhalter geht noch weiteren Beschäftigungen nach, sei es als Gemeindeangestellter, Händler oder Halter von Kleinvieh (Schafen und Ziegen). Letzteres trifft wohl besonders auch auf den Oued Samene zu. Bei der Lebensweise wurde festgestellt, dass etwa drei Viertel der Kamelhalter sesshaft sind und ihre Herden Hirten anvertrauen. Die andern (vor allem Züchter) sind Halbnomaden, die mit ihren Herden nomadisieren, während der Rest der Familie in einer Siedlung wohnt.[13]

Geschichte

Das Tal war schon in der Jungsteinzeit besiedelt. Im ganzen Bereich des Tals, sogar auf dem südlichen Plateau, gibt es zahlreiche Hügelgräber, vor allem Rundgräber, aber auch einzelne Schlüssellochgräber.[14] Im benachbarten Gebiet des Fadnoun wurden letztere untersucht und datiert. Diese Bestattungen stammen aus dem späteren 4. und frühen 3. Jahrtausend vor Chr., sind also etwa 5000 Jahre alt.[15]

2003 kam es im Frühling im Gebiet des Tassili n'Ajjer zu einer Geiselnahme von 32 europäischen Touristen durch die Salafisten-Gruppe GSPC. 15 der Geiseln wurden in ein vorbereitetes Versteck im Tamelrik, im Südteil des Oued Samene, dirigiert. Während des Sommers starb dort eine deutsche Geisel an den Strapazen, und die andern wurden nach Mali verschleppt. Nach 177 Tagen Geiselhaft kamen sie endlich frei.[16]

Anmerkungen

  1. Re: Oued Samene - befahrbar oder nicht? , abgerufen im Dezember 2002, nicht mehr vorhanden. Gerhard Göttler schrieb dort am 27. November 2002 über diese Passage unter anderem: Einem uneinsichtigen Reisegefährten folgend habe ich mich bis Umkehr noch kaum 200 m über die Steinblöcke gequält - und musste für dieses Kamelverhalten dann mit dreizehn (13!) Federblattbrüchen auf der restlichen Reise büßen.
  2. Die Veränderung der totalen Wassermenge (inklusive Grundwasser) in einem bestimmten Gebiet lässt sich durch satellitengestützte Messungen des Erdgravitationsfeldes bestimmen. Siehe Global Watersheds (Dazu sollte der Bericht über das betreffende Gebiet konsultiert werden.) Abgerufen am 30. Juli 2025
Commons: Oued Samene – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Siehe auch

Einzelnachweise

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