Overbeck Sisters

amerikanische Töpferinnen und Unternehmerinnen From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Overbeck SistersMargaret Overbeck (* 3. Juli 1863; † 13. August 1911), Hannah Borger Overbeck (* 14. März 1870; † 28. August 1931), Elizabeth Gray Overbeck (* 21. Oktober 1875; † 1. Dezember 1936) und Mary Frances Overbeck (* 28. Januar 1878; † 20. März 1955) – waren Künstlerinnen und Töpferinnen in Cambridge City, Indiana.[1] Sie waren Vertreterinnen der Arts-and-Crafts-Bewegung. Die Overbeck-Schwestern gründeten 1911 die Overbeck Pottery und führten sie als selbstständige Unternehmerinnen. Mit dem Tod der letzten Schwester Mary Frances im Jahr 1955 wurde die Firma geschlossen.[2][1]

Die Overbeck-Schwestern Hannah, Elizabeth und Mary Frances (Anfang der 1920er Jahre)

Geschichte

Die Overbeck-Schwestern wuchsen in einer künstlerisch und handwerklich begabten Familie in Cambridge City, Indiana, auf. Dank der handwerklichen Fähigkeiten ihres Vaters John Arehart Overpeck/Overbeck (1828–1904), der Tischler war, und ihrer Mutter Sarah Ann, geb. Borger (1840–1906), die unter anderem Quilten, Keramik und Holzbearbeitung beherrschte, fühlten sich die vier Overbeck-Schwestern Margaret, Hannah, Elizabeth und Mary Frances zu einer Karriere im Handwerk hingezogen. Die älteste Schwester Margaret überzeugte ihre Schwestern, im Familienhaus eine Töpferei zu gründen. Das zweistöckige Haus wurde zu einer Töpferwerkstatt umgebaut, komplett mit einem Brennofen in einem nahegelegenen Gebäude. Die Overbeck-Schwestern übernahmen sämtliche Aufgaben innerhalb ihres Betriebes selbst und erreichten damit wirtschaftliche Selbstständigkeit sowie künstlerische Unabhängigkeit.[3]

Margaret

Margaret Overbeck

Margaret, die älteste Schwester, besuchte von 1892 bis 1893 die Cincinnati Art Academy. Anschließend unterrichtete sie am Sayre Institute in Lexington, Kentucky, sowie am Megguier Seminary in Boonville, Missouri. Außerdem gab sie ihren jüngeren Schwestern Hannah und Mary Frances ersten Kunstunterricht, bevor diese Kunstschulen besuchten. Von 1899 bis 1911 unterrichtete sie Zeichnen, Aquarellmalerei und Porzellanmalerei an der DePauw University in Greencastle, Indiana. Im August 1907 erlitt sie bei einem Autounfall in Chicago schwere Kopfverletzungen. Während ihrer Genesung zu Hause organisierte und unterrichtete sie Kurse im nur 15 Meilen entfernten Richmond. Drei Jahre später arbeitete sie als Dekorateurin bei Zanesville Art Pottery, kehrte nach dem Brand der Töpferei jedoch nach Cambridge City zurück. Margaret erlebte die Entwicklung der Familienkeramik nicht mehr, denn sie starb im August 1911 an den Folgen der Verletzungen aus dem Autounfall von 1907.[3]

Hannah

Um ihre Fähigkeiten im Zeichnen und Aquarellieren zu optimieren, besuchte Hannah die Cincinnati Art Academy und die Indiana State University. Das Magazin Ceramic Studio für Porzellanmaler veröffentlichte ihre Zeichnungen. Auch sie unterrichtete Kunst, bevor sie aus gesundheitlichen Gründen nach Hause zurückkehrte. Obwohl sie aufgrund einer schweren Nervenentzündung bettlägerig war, entwarf sie weiterhin Muster.[3]

Elizabeth

Elizabeth, die Töpferin der Gruppe, studierte in ihren frühen Jahren bei Margaret und später am College of Ceramics in New York bei dem Keramiker Charles Binns. Als Lehrerin und Dozentin stellte sie vielfach aus. Sie wurde in das American Arts Annual und in das Who’s Who in American Art aufgenommen. Zudem erhielt sie die höchste Auszeichnung für Keramikerinnen, als sie zur Fellow der American Ceramic Society ernannt wurde.[3]

Mary Frances

Mary Frances besuchte die Cincinnati Art Academy, die Indiana State University und die Columbia University. Nach einer Zeit als Lehrkraft schloss sie sich ihren Schwestern in der Töpferei an. Als talentierte Designerin zeichnete sie sich in einer Vielzahl von Bereichen der bildenden Kunst aus. Neben Vasen, Töpferwaren und Figuren entwarf und fertigte sie auch Exlibris, Skulpturen sowie Öl- und Aquarellgemälde. Auch sie wird im American Arts Annual sowie im Who’s Who in American Art aufgeführt.[3]

Overbeck Pottery

Die Overbeck Pottery wurde im Jahr 1911 gegründet und war bis 1955 in Betrieb. Kurz vor der Eröffnung änderten die Schwestern ihren Familiennamen von Overpeck in Overbeck, da sie als Kinder wegen ihres Namens ständig gehänselt worden waren.[2] Sie entschieden sich für den deutschen Namen ihrer Vorfahren, „von Overbeck“. Die Töpferei befand sich im Familienhaus der Schwestern in der 520 East Church Street in Cambridge City, Indiana. Der Keller wurde für Kurse und als Arbeitsraum genutzt. Er beherbergte eine Töpferscheibe, einen Feuchtigkeitsschrank sowie einen Lagerraum für Glasuren und Werkzeuge. Das Atelier befand sich im Erdgeschoss. In einem kleinen, separaten Gebäude im Hinterhof stand der Brennofen.[2]

Elizabeth, die gerade ihr Studium abgeschlossen hatte, übernahm die Leitung der Firma, während Hannah, eine versierte Aquarellmalerin, für das Design und die Dekoration der Töpferwaren verantwortlich war. Mary Frances, eine weitere Absolventin der Columbia University und Schülerin von Arthur W. Dow, unterstützte Hannah bei der Dekoration und der Herstellung von Glasuren. Elizabeth beaufsichtigte die technische Produktion und das Mischen von Ton, der aus Tennessee, Delaware und Pennsylvania geliefert wurde, und arbeitete an der Töpferscheibe. Die Werke der Aquarellmalerin Hannah wurden ausführlich in Keramics Studio vorgestellt – derselben Publikation, zu der auch ihre Schwester Margaret beitrug. Mary Frances, die Jüngste, war die treibende Kraft hinter den späteren kleinen Figuren, die Overbeck Pottery herstellte. Die frühen Arbeiten waren vorwiegend funktional und umfassten Vasen, Schalen, Teeservices, Kerzenhalter und Fliesen. Für Tassen, Untertassen und Becher kamen gelegentlich Gussformen zum Einsatz, ansonsten arbeiteten die Schwestern überwiegend frei an der Scheibe oder im Handaufbau.[1] In späteren Jahren nutzte Mary Frances einige Formen zur Herstellung von Figuren, die sie weiterhin individuell von Hand dekorierte. Besonders bekannt waren sie für ihre subtilen Farbtöne in matter Glasur sowie für brillantes Türkis und Heliotrop in heller Glasur. Die Glasurrezepte wurden nie preisgegeben. Es wird vermutet, dass sich die Rezepte im Besitz der Familie ihres Neffen befinden.

Ihre Werke wurden auf bedeutenden Ausstellungen wie der Panama-Pacific International Exposition 1915 in San Francisco oder der Century of Progress 1933 präsentiert. Zudem waren sie in Museen wie dem Museum of Fine Arts Boston, dem Los Angeles County Museum of Art sowie in Pariser Ausstellungen vertreten. Die Overbeck Sisters gelten als Beispiele für Frauen, die in einer von Geschlechterrollen geprägten Zeit wirtschaftlich unabhängig und künstlerisch erfolgreich waren.[3]

Werke (Auswahl)

Literatur

  • Ellen Paul Denker: Creating a Life: The Overbeck Sisters and Their Cambridge City Pottery. Traces of Indiana and Midwestern History 17, Nr. 2 (Frühjahr 2005), S. 22–32.
  • Kathleen R. Postle: The Chronicle of the Overbeck Pottery. Indianapolis: Indiana Historical Society, 1978.
  • American art pottery. Cooper-Hewitt Museum, the Smithsonian Institution’s National Museum of Design; Distributed by University of Washington Press, New York, Seattle, 1987.
  • Paul Evans: Art pottery of the United States : an encyclopedia of producers and their marks. Charles Scribner’s Sons, New York, 1974.

Einzelnachweise

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