Ovonramwen
Herrscher (Oba) des Königreichs Benin
From Wikipedia, the free encyclopedia
Ovonramwen, vollständiger Titel Oba Ovonramwen Nogbaisi (* ca. 1857; † Januar 1914 in Calabar; Pseudonym: Overami) war von ab etwa 1888 Oba und damit Herrscher und spirituelles Oberhaupt des Königreich Benin. Er wurde nach einer britischen Strafexpedition nach Benin 1897 abgesetzt und ins Exil verbannt.

Leben
Ovonramwen wurde um 1857 als ältester Sohn von Ọba Adolo geboren. Bei seiner Thronbesteigung im Jahr 1888 nahm er den Thronnamen Ovọnramwẹn Nọgbaisi an, einer Kombination aus Ovọnramwẹn für „aufgehende Sonne“ und Nọgbaisi für „sich über alles ausbreitend“.[1][2]
Britische Expedition
Den Obas des Königreich Benin gelang es bis Ende des 19. Jahrhunderts ihre Unabhängigkeit gegenüber den Kolonialmächten zu bewahren, aus der die Obas ein Handelsmonopol ausübten, was den Britischen Kolonialverwaltungen ein Dorn im Auge war. Das Gebiet war wegen seiner reichen Naturressourcen wie Palmöl, Kautschuk und Elfenbein bei einer einflussreichen Gruppe von Investoren begehrt.[3] Darüber hinaus spielte der Sklavenhandel eine entscheidende Rolle beim Aufstieg Benins, der unter Oba Ovonramwen einen Höhepunkt erreichte.[4] Da sich das Königreich Benin weitgehend der britischen Kontrolle entzog, drängten Persönlichkeiten wie der Vizekonsul des Niger Coast Protectorate James Robert Phillips und der Vizekonsul des Oil Rivers Protectorate Kapitän Henry Lionel Galway verstärkt auf die Annexion des Benin-Reiches und die Absetzung des Ọbas, um den direkten Zugriff auf die Ressourcen zu erlangen.
Im November 1896 beschloss James Robert Phillips, mit Ovonramwen über das zwischen den Briten und dem Oba geschlossenen Handelsabkommen zu verhandeln, welches von dem Oba jedoch nicht eingehalten wurde. Er beantragte bei seinen Vorgesetzten in London ein entsprechendes Mandat, doch nach Ausbleiben einer Antwort, beschloss Phillips eigenmächtig, ohne Mandat Ende Dezember 1896 die Expedition zu starten. Die britische Delegation, zu der acht weitere britische Vertreter und Hunderte afrikanischer Träger und Arbeiter gehörten, brach im Januar 1897 vom Niger Coast Protectorate mit dem vorgeblichen Ziel auf, mit dem Oba von Benin in Verhandlungen treten zu wollen. Die Kommandeure des Obas betrachteten diese Expedition jedoch als Versuch Ovonramwen zu stürzen und griffen die Delegation an. Als diese sich Benin City näherte, lockten sie sie in einen Hinterhalt und töteten bis auf zwei alle Teilnehmer.[5]
Zur Vergeltung wurde eine Strafexpedition gegen das Königreich Benin unter der Führung von Sir Harry Rawson entsandt, mit dem Auftrag Oba Ovonramwen hinzurichten. Die Stadt Benin und ihre Befestigungsanlagen wurden zerstört und die Kunstschätze wie die Benin-Bronzen aus dem Königspalast geraubt. Oba Ovonramwen gelang die Flucht und versteckte sich im Urwald, um seiner Hinrichtung zu entgehen. Am 5. August 1897 kehrte er schließlich mit einer sieben- bis achthundertköpfigen Gefolgschaft in die Stadt zurück, um sich zu ergeben und mit Generalkonsul Ralph Moor um eine Begnadigung zu verhandeln.[6] Als Gegenleistung bot er Moor 200 Fässer Öl im Wert von damals 1500 Pfund Sterling und die Preisgabe des Versteckes seiner 500 Elefantenstoßzähne, im Wert von mehr als zwei Millionen Pfund an. Dieses Angebot schlug Moor jedoch aus, da das Versteck zwischenzeitlich von seinen Leuten ausgehoben wurde.[5]
Exil
Ovonramwen wurde begnadigt, musste versprechen sich zum Christentum zu bekennen[7] und wurde zusammen mit zwei seiner Frauen, Königin Egbe und Königin Aighobahi samt Familie, ins Exil nach Calabar verbannt, wo er vom Häuptling Etinyin Essien Etim Offiong in Essien Town aufgenommen und beherbergt wurde. Um die Jahreswende 1914 starb Ovonramwen in seinem Exil.[8] Seine Nachfolge als legitimer Erbe trat sein ältester Sohn, Prinz Aguobasimwin, als Oba Eweka II. an. Ovọnramwẹn wurde auf dem Gelände des Königspalasts in Benin City beigesetzt.
- Oba Ovonramwen mit Familie im Exil 1912
- Oba Ovonramwen auf den Weg ins Exil, Bronzeskulptur im Museum für Schwarze Zivilisationen in Dakar
Bewertung
Der schwedische Literaturhistoriker Sven Lindqvist bewertet Phillips Expedition als britische Invasionsstreitmacht deren Zweck darin bestand, den Oba zu stürzen. Sie war mit im Gepäck versteckten Waffen und als Träger getarnten Soldaten ausgerüstet. Unter dem Vorwand verhandeln zu wollen beabsichtigte Phillips, Zugang zum Palast des Obas zu erhalten. Ovonramwens Boten sollen mehrere Warnungen ausgesprochen haben, die territoriale Souveränität Benins nicht zu verletzen, und gaben an, Ovonramwen könne Phillips aufgrund zeremonieller Pflichten nicht empfangen. Trotz weiterer Warnungen sandte Phillips seinen Stock an den Oba als absichtliche Beleidigung, die einen Konflikt provozieren und schließlich den Vorwand für die britische Annexion liefern sollte.[9]
Siehe auch
Weblinks
- Ovonramwen, Königreich Benin, Oba Personeneintrag auf Proveana Datenbank Provenienzforschung
- Fotografie: Oba Ovonramwen in Ketten auf dem Weg nach Calabar auf Weltmuseum Wien