Ozzie Rodriguez
US-amerikanischer Dramatiker, Schauspieler, Regisseur, visueller Künstler und Archivar
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Oswald „Ozzie“ Rodriguez Jr. (* 20. Februar 1944 in New York City, New York; † 24. Juli 2025 ebenda) war ein US-amerikanischer Schauspieler, Dramatiker, Theaterregisseur, bildender Künstler und Archivar. Von 1987 bis zu seinem Tod im Jahr 2025 war er Leiter des Archivs am La MaMa Experimental Theatre Club und gilt als einer der wichtigsten Bewahrer der Geschichte des Off-Off-Broadway und der internationalen experimentellen Theaterbewegung.[1]
Leben
Rodriguez wurde 1944 als Oswald Rodriguez Jr.in der Bronx von New York City geboren. Er war der Sohn puerto‑ricanischer Eltern und wuchs in einer Großfamilie in einem Mehrgenerationenhaushalt auf. Seine Großeltern besaßen einen Lebensmittelladen und ein Kurzwarengeschäft. Seine erste große Leidenschaft waren die Musicalfilme aus Hollywood der 1940er-Jahre, die seine Eltern liebten und mit ihm sahen. Er besuchte die High School of Performing Arts in New York City und spielte 1963 erstmals am Off-Broadway an der Seite von Frank Langella in The Immoralist. Nachdem er bei einem Vorsprechen für eine Broadway-Produktion unangemessen abgelehnt worden war, arbeitete er zunächst im Postraum von Knopf Publishing und später bei Harper & Row im Bereich Produktion und Herstellung von Lehrbüchern.[2][3][4][5]
Ab 1967 war er schließlich am La MaMa tätig, als er kurzfristig eine Rolle für die Regisseurin Nelly Vivas übernahm. Anschließend spielte er in neuen Werken von Sam Shepard, Shūji Terayama und Lanford Wilson. Im Jahr 1972 wurde er Hausregisseur des La MaMa unter Ellen Steward und arbeitete mit Künstlern wie Anna Deavere Smith, Ron Perlman, Keith David und Rhodessa Jones zusammen. Außerhalb des La MaMa war er Gründer bzw. künstlerischer Leiter zweier experimenteller Theatergruppen: des North Shore Community Arts Center in Great Neck, New York, und des Sol/Sun Experimental Theatre (Madre Del Sol ETC) in San Antonio, Texas, die von 1980 bis 1984 existierte. Daneben arbeitete er mit der Great Jones Repertory Company, der El Condor Drama Group, dem Theatre Department des Hunter College sowie TWITAS (Third World Institute of Theater Arts & Sciences) zusammen.[5][6][7]
Von 1987 bis zu seinem Tod im Jahr 2025 war er Leiter des Archivs (englisch Director of Archives) am La MaMa Experimental Theatre Club. In dieser Funktion spielte er eine entscheidende Rolle bei der Bewahrung und Vermittlung der Geschichte des Off‑Off‑Broadway und des Aufstiegs der experimentellen Theaterbewegung – sowohl in New York als auch weltweit. Off‑Off‑Broadway bezeichnet eine freie, unabhängige Theaterszene in New York, die noch experimenteller, kleiner und unkonventioneller ist als der Off-Broadway. Es ist die Ebene, auf der viele radikale, avantgardistische und niedrig budgetierte Produktionen entstehen: oft in Kellern, Lofts, Kirchenräumen oder improvisierten Spielstätten.[7]
Für seine Arbeit als Archivar für das La-MaMa-Archiv und den Erhalt der Geschichte des Off-Off-Broadway erhielt er 1995 einen „Special Obie Award“ – eine Auszeichnung für seine organisatorischen und konservatorischen Leistungen. Seine Führungen durch das Archiv waren berühmt für ihre leidenschaftliche Erzählweise, die das Material zeitlich mit größeren kulturellen und politischen Zusammenhängen verband.[8] Zu seinen kuratorischen Leistungen gehörte zudem La MaMa in Print: The Paper Trail, eine vierteilige Ausstellung in den Galerien der Cooper Union.[9]
Als zweisprachiger Dramatiker erhielt er zudem Anerkennung für seine Beiträge zur hispanischen Kultur, darunter den „Distinguished Contributions to Hispanic Culture Award“ für sein Stück Madre Del Sol / Mother Of The Sun.[10]
2018 gab er im Rahmen der Fernsehserie Theater Talk ein Interview. Er starb im Alter von 81 Jahren an den Folgen einer Krebserkrankung. Er wurde von seinen Geschwistern Shirley, Rainee und Robert überlebt; sein Bruder Dennis starb vor ihm.[1][9]
Auszeichnungen
- 1995: Special Obie Award[8]
- Distinguished Contributions to Hispanic Culture Award
Filmografie (Auswahl)
- 2018: Theater Talk (Fernsehserie)
Theater (Auswahl)
Schauspieler
- 1963–1964: The Immoralist
- 1969: The Big Charlotte
- 1969: The Americans
- 1970: Shango
- 1970: La Marie Vision
- 1970: Carnival/The Photographer
- 1971: The Maids
- 1971: Melodrama Play
- 1974: For the Benefit of Harry
- 1974: Jilsa
- 1975: Spring Rites
- 1987: Wall of Miracles
- 1988: The Monk and the Hangman’s Daughter
Regisseur
- 1971: The Maids (zweiter Regisseur)
- 1972: The Beauty and the Beast
- 1973: The Phantom Ruin (sowie Adaption)
- 1973: Obituary of Dreams
- 1974: The Night Before Thinking
- 1974: Reflections on a Shattered Mirror
- 1974: Quincas (sowie Adaption)
- 1975: The Maids (La MaMa, Great Neck; vier Auszeichnungen der New York State Theatre Festival Association)
- 1976: Children of the 3rd Eye (sowie Adaption)
- 1976: Sidekicks and Chapel Street Lights
- 1978: Slow Poison/Small Fires
- 1978: Brothers and Sisters
- 1979: Mis Recuerdos de Antaño
- 1980: I Can’t Hear the Birds Singing
- 1981: Madre del Sol/Mother of the Sun
- 1981: Homeboys
- 1981: Density 1.33
- 1981: Kolidescopic
- 1981: The Secret Christmas
- 1981: Carmen
- 1987: Lust and the Unicorn (sowie Adaption)
- 1987: Top Girls
- 1995: Sister Songs
- 2010: When Clowns Play Hamlet
- 2010: Variations
Schriftsteller (Playwright)
- 1976: Alma, the Ghost of Spring Street
- 1987: Wall of Miracles
Produktionsleiter
- 1985: Mythos Oedipus in Greece
- 1988: Another Phaedra via Hercules
- 1988: The Monk and the Hangman’s Daughter
- 1989: Mythos Oedipus and Dionysus Filius Dei
- 1993: Tancredi and Erminia
- 1998: The Trojan Women
- 1999: Fragments of a Greek Trilogy
- 2001: Seven Against Thebes
- 2003: Carmilla (Koordination; Film and Video)
- 2006: The Raven (Biennale von Venedig)
Weblinks
- Ozzie Rodriguez bei IMDb