Boeing P-8

Seefernaufklärungs- und U-Boot-Jagdflugzeug From Wikipedia, the free encyclopedia

Bei der Boeing P-8 Poseidon handelt es sich um ein Seefernaufklärungs- und U-Boot-Jagdflugzeug. Das zweistrahlige Flugzeug ist das Ergebnis des „Multimission-Maritime-Aircraft“-Programms (vorübergehend auch als „MMA“ bezeichnet) der US Navy und basiert auf dem Kurz- und Mittelstreckenflugzeug Boeing 737-800. Bei der Deutschen Marine ging die erste P-8 im November 2025 offiziell in Dienst. Sie ersetzt dort, wie auch bei der US Navy, die P-3-Orion-Flotte. Als erster Exportkunde verwendet Indien für die Maschine den Beinamen Neptune. Poseidon ist in der griechischen, Neptun in der römischen Mythologie der Gott des Meeres.

Schnelle Fakten Poseidon ...
Boeing P-8 Poseidon
TypSeeaufklärungs- und U-Boot-Jagdflugzeug
Entwurfsland

Vereinigte Staaten Vereinigte Staaten

Hersteller Boeing
Erstflug 25. April 2009
Indienststellung 29. November 2013
Produktionszeit

Seit 2011 in Serienproduktion

Stückzahl 150 (Stand: Juli 2022)[1]
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Geschichte

Entwicklung

Die Entwicklung der P-8 lässt sich bis Mitte der 1980er-Jahre zurückverfolgen. Damals suchte die US-Marine nach einem möglichen Nachfolger für die P-3 und begann, die Anforderungen an solch eine Maschine zu definieren. Die primäre Forderung war dabei die Senkung der Betriebskosten im Vergleich zur P-3. Diese litt unter einer vergleichsweise starken Materialermüdung, weshalb die neue Maschine über eine Flugzeugzelle mit einer hohen Lebenserwartung verfügen sollte. Des Weiteren wurden eine erhöhte Reichweite bzw. eine verlängerte Patrouillendauer sowie ein geringeres Gesamtgewicht gefordert. 1989 vergab dann die Marine einen Entwicklungsauftrag an Lockheed, der den Bau von zwei Prototypen umfasste. Diese als P-7 bezeichneten Maschinen wurden allerdings nie gebaut, da 1990 Lockheed der Auftrag wieder entzogen wurde, nachdem eine Kostenüberschreitung von 300 Millionen US-Dollar eingeräumt werden musste.

Nach dem Ende des Kalten Krieges und den daraus resultierenden Kürzungen im Verteidigungsbudget wurde die Suche nach einem Nachfolger für die P-3 zunächst aufgegeben. Die Lebensdauer der Flugzeugzelle wurde zunächst mit verschiedenen Modernisierungsprogrammen verlängert. Als sich andeutete, dass dies auf die Dauer ebenfalls sehr teuer würde, wurde im Jahre 2000 ein neues Entwicklungsprogramm begonnen – das Multimission Maritime Aircraft Program. Im Gegensatz zu den ursprünglichen Anforderungen wurde dabei auf die Gewichtsreduzierung verzichtet, da man bereit war, dies für höhere Reichweiten und Einsatzzeiten in Kauf zu nehmen. Des Weiteren wurden die Anforderungen im Bereich Avionik und Kommunikationssystem erhöht. Neu im Lastenheft war zudem die Forderung, dass die neuen Maschinen UAVs ohne zusätzliche bodengestützte Anlagen steuern können sollten.

Rollout der P-8A „Poseidon“, Reg. …954 (30. Juli 2009)

Zunächst nahmen nur Boeing und Lockheed Martin an dem neuen Wettbewerb teil. Lockheed schlug dabei die sogenannte Orion 21 vor, bei der es sich um eine komplett überarbeitete Version der alten Turboprop-P-3 handelte. Derweil ging Boeing einen anderen Weg und legte einen Vorschlag vor, der eine Modifizierung ihres 737-800ERX-Verkehrsflugzeugs vorsah. 2001 stieg BAE Systems mit der Nimrod MRA.4 in den laufenden Wettbewerb ein. Sie boten eine modernisierte Variante der alten Nimrod MR.Mk.2 von 1969 an, die bereits für die britische Marine neu entwickelt wurde. Allerdings zog sich BAE im Oktober 2002 aus dem Wettbewerb zurück, da man erkannt hatte, dass es politisch nicht möglich gewesen wäre, sich gegen die US-amerikanischen Konkurrenten durchzusetzen. Schließlich gewann am 14. Juni 2004 Boeing den Wettbewerb.[2]

Nachdem der US-Hersteller das 3,9 Mrd. US-Dollar schwere[2] MMA-Programm für sich entscheiden konnte, gab die US Navy am 8. Juli 2004 die ersten fünf Maschinen in Auftrag. Anfang August 2008 wurde die Montage des ersten Prototyps P-8A-T1 im Werk Renton abgeschlossen. Daraufhin wurde in Seattle mit der Instrumentierung sowie mit verschiedenen Bodentests begonnen.[3] Am 25. April 2009 absolvierte die erste P-8A ihren Erstflug,[4] so dass sie spätestens ab 2013 die Lockheed P-3 ablösen konnte. Abwurftests von Sonarbojen begannen im Oktober 2010 auf der NAS Patuxent River. Am 19. Juli 2011 startete die erste Vorserienmaschine aus dem sechs Flugzeuge umfassenden LRIP1-Vorserienvertrag in Renton zu ihrem Erstflug.[5] Insgesamt plant die US Navy, 108 Flugzeuge zu beschaffen,[6] wodurch sich die Kosten auf etwa 15 Milliarden US-Dollar belaufen. Neben Boeing sind als Zulieferer auch Raytheon, Northrop Grumman, Spirit AeroSystems, GE Aviation Systems, Marshall Aerospace, CFMI, BAE Systems und Marotta beteiligt. Aufgrund der Absage von Lockheed Martin, das „Aerial Common Sensor“-Projekt weiterzuentwickeln, benutzt Boeing nun ein Linux-System von Wind River Systems für die Aufklärungs- und Missionssysteme.[7]

Die P-8 wurde von den Test and Evaluation Squadrons VX-1 und VX-20 erprobt, die auf der Naval Air Station Patuxent River in Maryland stationiert sind. Am 3. Februar 2012 nahm erstmals eine P-8 an einer Übung der US-Marine teil, wobei insgesamt 34 Übungseinsätze im Rahmen von „Bold Alligator“ geflogen wurden.[8] Das Testprogramm der US Navy wurde Anfang April 2013 abgeschlossen.[9] Die P-8 wurde auf der Dubai Airshow 2013 erstmals auf einer internationalen Luftfahrtschau einem größeren Publikum vorgeführt.[10] Am 29. November 2013 erreichte die P-8 Poseidon ihre Initial Operating Capability (IOC).[11]

Produktion

Prototyp T(Test)-1 der P-8A „Poseidon“, Reg. …951 (April 2010)

Bis Juni 2019 wurden 116 „Poseidon“ ausgeliefert, davon 95 an die United States Navy (inklusive einer Bruchzelle sowie eines weiteren statischen Versuchsträgers), 11 an die Royal Australian Air Force sowie acht an die indische Marine.

Weitere Informationen MSN, LN ...
MSN[12] LN[13] BuNoBetreiberAuslieferungAnmerkungTest-Registrierung
343952722United States NavyDezember 2008Statische Zelle, mittlerweile zerlegt
343983069US NavyDezember 2009Statisch genutzt, nicht mehr in Betrieb
343942599167951August 2008N541BA
343962814167953Juni 2009N441BA
343972931167954September 2009N397DS
405943324167952Oktober 2010N327DS
405953426167955Januar 2011N328DS
405963522167956April 2011N391DS
408083612168428Juli 2011N392DS
408093792168429Dezember 2011N397DS
408103879168430März 2012N398DS
408113916168431April 2012N507DS
408123969168432Mai 2012N516DS
408134055168433August 2012N530DS
408144099168434September 2012N532DS
408154141168435Oktober 2012N533DS
408164219168436Dezember 2012N536DS
408174256168437Februar 2013N537DS
408184294168438März 2013N327DS
408194331168439April 2013N539DS
408204366168440Mai 2013N708DS
422504547168754November 2013N736DS
422514609168755Januar 2014N740DS
422524673168756Februar 2014N753DS
422534728168757März 2014N755DS
422544768168758April 2014N758DS
422554813168759Mai 2014N762DS
422564898168760Juli 2014N768DS
422574938168761August 2014N771DS
422584978168762September 2014N780DS
422595020168763Oktober 2014N781DS
422605098168764November 2014N783DS
441405138168848Dezember 2014N784DS
441415178168849Februar 2015N785DS
441425218168850N789DS
441435262168851März 2015N790DS
441445298168852April 2015N715DS
441455338168853Juni 2015N717DS
441465368168854N722DS
441475398168855Juli 2015N729DS
441485428168856N805DS
441495458168857August 2015N590DS
441505478168858September 2015N591DS
441515542168860Oktober 2015N593DS
441525510168859September 2015N592DS
449385567168996November 2015N595DS
449395623168998Dezember 2015N598DS
449405656168999Januar 2016N910DS
449415680169000N914DS
449425587168997November 2015N597DS
449435740169002März 2016N934DS
449445765169003N935DS
449455796169004April 2016N936DS
449465851169005Mai 2016N941DS
449475880169006Juni 2016N942DS
449485903169007Juli 2016N943DS
449495936169008N944DS
449506020169010September 2016N957DS
449515963169009August 2016N949DS
449525712169001Februar 2016N931DS
449536048169011Oktober 2016N958DS
622885823A47-001Royal Australian Air ForceMai 2016N940DS
622895993A47-002September 2016N956DS
622906076A47-003November 2016N959DS
622916104169324US NavyN960DS
622926132169325Dezember 2016N962DS
622936216A47-004Royal Australian Air ForceFebruar 2017N974DS
622946244169328US NavyMärz 2017N964DS
622956273169329N968DS
622966300169330April 2017N843DS
622976356169331Juni 2017N852DS
622986160169326Januar 2017N969DS
622996189169327Februar 2017N963DS
626986385169332Juni 2017N848DS
631796328A47-005Royal Australian Air ForceMai 2017N832DS
631806412169333US NavyJuli 2017N838DS
631816440169334August 2017N839DS
631826468A47-006Royal Australian Air ForceN849DS
631836492169335US NavySeptember 2017N854DS
631846532169336Oktober 2017N857DS
631856560169337N858DS
631866595169338November 2017N860DS
631876623A47-007Royal Australian Air ForceDezember 2017N862DS
631886658169339US NavyJanuar 2018N863DS
631896687169340N864DS
631906720169341Februar 2018N869DS
631916750A47-008Royal Australian Air ForceEingelagertN872DS
631926784169342US NavyMärz 2018N874DS
631936812169343April 2018N873DS
631946846169344N304DS
631956876169345Juni 2018N308DS
631966909169346N318DS
631976941169347N322DS
631986974169348Juli 2018N323DS
637587004169349August 2018N328DS
637597044169426N332DS
640737074169542September 2018N348DS
640747114169543Oktober 2018N347DS
640757144169544November 2018N360DS
640767184169545Dezember 2018N364DS
640777219169546N368DS
640787289169548Februar 2019N383DS
640797359169549März 2019N392DS
640807462169573Mai 2019N410DS
640837254169547Januar 2019N374DS
641657324A47-009Royal Australian Air ForceMärz 2019N391DS
641667392A47-010April 2019N397DS
641677427A47-011N398DS
406103702IN320Indische MarineSeptember 2011N393DS
406114014IN321Juli 2012N521DS
406124181IN322November 2012N535DS
406134399IN323Juni 2013N718DS
406144445IN324Juli 2013N720DS
406154481IN325September 2013N726DS
406164859IN326Juni 2014N763DS
406175058IN327November 2014N782DS
4…...
4…..Royal Air Force (UK)Ende Oktober 2019.
4…..bis Anfang 2022.
4…...
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4…...
Stand 27. Juni 2019[14] + Lieferung an UK
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Konstruktion

Erprobungsflug einer P-8A (links) über Patuxent River, rechts eine Lockheed P-3 Orion (April 2010)

Die P-8 Poseidon basiert auf der Zivilmaschine Boeing 737. Der von der Version 737-800 stammende Rumpf wurde verstärkt, um der erhöhten Beanspruchung Rechnung zu tragen und einen Waffenschacht integrieren zu können. Auch die umfangreichen Sensoranlagen, deren Antennenanlagen entlang der Rumpfunterseite sichtbar sind[15], sowie die Avionik machten diese Verstärkung notwendig. An den von der Boeing 737-900 stammenden Tragflächen können ebenfalls Waffen mitgeführt werden.[16]

Als wichtigstes Element der Überwachungsausrüstung gilt das synthetische Breitbandradar Raytheon AN/APY-10 (JETDS-Bezeichnung), eine Weiterentwicklung des AN/APS-137-Radars mit verringertem Energie- und Raumbedarf.

Versionen

  • P-8A: Basisversion für die US-Navy, dient auch für den Export.
  • P-8I: Exportversion der P-8A für die indische Marine, die einen Bedarf von 12 bis 16 Maschinen hat. Teile der Elektronik stammen dabei aus indischer Produktion. Ein weiterer Hauptunterschied zwischen der P-8A und P-8I ist, dass letztere ein zweites APY-10-Radar im Rumpfheck besitzt, das somit eine 360°-Rundumsicht bietet.
  • EP-8: Nicht realisierte SIGINT-Variante der P-8 als Ersatz für die veraltete Lockheed EP-3E Aries. Die US-Navy prüfte die Anschaffung von 19 bis 26 Maschinen im Rahmen des EP-X-Programms, brach dieses aber zugunsten einer unbemannten Plattform ab.[17]
  • P-8 AGS: Eine von Boeing 2010 angebotene „Airborne Ground Surveillance“ Version für die U.S. Air Force, als Ersatz für die E-8 Joint STAR, nachdem die E-10 MC2A gestrichen worden war. Der Entwurf, bei dem ein AESA-Radar im Rumpf und Sensorpods an den Tragflächen verbaut werden würde, gilt als Alternative zur Modernisierung der E-8-Flotte.[18]

Nutzer

P-8I der indischen Marine über dem Mount Rainier, „IN320“ (2012)
Australien Australien
14 P-8A „Poseidon“. Die Royal Australian Air Force plante zunächst, acht P-8A und sechs MQ-4C Triton zu leasen, um wie auch die U.S. Navy die P-8 im Netzwerk mit UAV einzusetzen.[19] Letztendlich wurden die Leasingpläne verworfen und im Februar 2014 bestellte Australien dann zunächst acht Poseidons für 3,6 Mrd. US-Dollar, wobei die Frage der UAVs offenblieb. Diese acht und vier 2016 nachbestellte Exemplare wurden zwischen November 2016 und Dezember 2019 ausgeliefert, um die AP-3C Orion bis 2023 zu ersetzen[20]. Das im Februar 2016 veröffentlichte Weißbuch sieht langfristig eine Flottenzielgröße von 15 Flugzeugen vor[21], inzwischen (Ende 2020) sind 14 bestellt[22].
Die australischen P-8A sind auf der RAAF Base Edinburgh stationiert, die Einsatzstaffel ist die 11. Squadron während die 292. Squadron der Ausbildung dient.
Deutschland Deutschland
8 P-8A bestellt. Die Bundeswehr hat acht P-8A bestellt, die vom Marinefliegergeschwader 3 „Graf Zeppelin“ betrieben werden sollen.[23] Sie dienen als Ersatz für acht P-3C Orion, die die Bundeswehr 2004 gebraucht gekauft hatte und die zum Zeitpunkt ihrer Indienststellung bereits über 20 Jahre alt waren.[24] Heimatbasis soll der Marinefliegerhorst Nordholz werden. Laut der 2024 abgeschlossenen Trinity-House-Verteidigungsvereinbarung sollen die deutschen P-8 zusätzlich auch regelmäßig von dem britischen P-8-Stützpunkt RAF Lossiemouth aus operieren. Der Stützpunkt in Schottland soll dabei zum einen als vorgeschobene Einsatzbasis für Überwachungsflüge über dem Nordatlantik fungieren, wo sich die für die NATO strategisch wichtige GIUK-Lücke befindet, zum anderen sollen Synergien in der Form gemeinsamer Ausbildung und Übungen ausgenutzt werden.[25]
Im März 2021 genehmigte das Außenministerium der Vereinigten Staaten eine deutsche Kauf-Anfrage über fünf Flugzeuge.[26] Für die Beschaffung, ihre Ausrüstung und die entsprechende Unterstützung durch die US-Streitkräfte beim Training hat der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestags am 23. Juni 2021 1,43 Milliarden Euro freigegeben.[27] Boeing hatte bereits Mitte Juni 2021 eine Absichtserklärung mit der ESG Elektroniksystem- und Logistik-GmbH und der Lufthansa Technik AG unterzeichnet, um bei der Systemintegration, dem Training sowie bei der Wartung und Überholung für die deutschen P-8A zu kooperieren.[28] Ende Juni 2021 wurde ein Kaufvertrag mit einem Volumen von rund 1,1 Milliarden Euro über fünf P-8A unterzeichnet.[29][30] Um die Auslieferung zu beschleunigen, wird das Geschäft im Rahmen der Foreign Military Sales abgewickelt; die Flugzeuge werden dafür zunächst von der US Navy gekauft, die entsprechende Bestellung wurde von Boeing am 28. September 2021 bestätigt.[31] Die erste Maschine soll voraussichtlich 2024 an die US Navy ausgeliefert werden, anschließend werden die von Deutschland bestellten Missionspakete eingebaut.[32] Durch das nach dem russischen Überfall auf die Ukraine 2022 eingerichtete Sondervermögen Bundeswehr in Höhe von einhundert Milliarden Euro sollten sieben weitere Flugzeuge finanziert werden.[33][34] Somit hätte die Deutsche Marine insgesamt zwölf Flugzeuge erhalten. Ende Oktober 2022 wurde bekannt, dass voraussichtlich nur drei zusätzliche Seefernaufklärer gekauft werden können. Am 17. November 2023 wurden die Gelder für die 3 Seefernaufklärer gebilligt.[23] Am 27. Februar 2025 veröffentlichte Boeing bei Instagram ein Video vom Jungfernflug der ersten P-8 für die Deutsche Marine.[35] Die Auslieferung der ersten Maschine (63+01) an die Bundeswehr erfolgte am 1. Oktober 2025.[36][37] Am 7. November 2025 wurde die Poseidon nach Nordholz überführt und ging bei der Deutschen Marine offiziell in Dienst.[38][39] Am 18. Dezember wurde die zweite Maschine (63+02) aus Seattle nach Nordholz überführt.[40] Nach Angaben von Marineinspekteur Jan Christian Kaack ist die Beschaffung von „bis zu vier“ weiteren Poseidon-Maschinen konkret geplant.[41]
Indien Indien
12 P-8I „Neptune“ in drei Tranchen bestellt und im Zulauf (6 weitere geplant[42]). Am 2. Januar 2009 entschied sich die indische Marine zur Beschaffung von acht P-8I-Maschinen, die ab dem 29. März 2017 die Tu-142 ersetzten.[43] Das Auftragsvolumen des P-8I-Exports betrug etwa 2,1 Mrd. US-Dollar, wobei der Stückpreis bei etwa 200 Mio. US-Dollar liegt. Boeing plant eine Minderheitsbeteiligung indischer Firmen mit einem Anteil von rund 30 %.[44] Die Bestellung wurde im Juli 2016 auf zwölf Maschinen erhöht. Der Erstflug fand am 28. September 2011 und die erste Übergabe am 20. Dezember 2012 beim Hersteller statt. Die erste P-8I traf am 15. Mai 2013 auf ihrer ersten Einsatzbasis in Indien ein. Die acht ursprünglichen Exemplare wurden bis 2015 ausgeliefert und die folgenden laufen inzwischen zu. Sechs weitere sind geplant.[45]
Die P-8I werden seit 2013 von der Indian Naval Air Squadron 312 (INAS 312), stationiert auf der Indian Naval Station Rajali (INS Rajali) in der Nähe Arakkonams und seit Ende 2021 zusätzlich von der INAS 316 auf INS Hansa bei Goa betrieben[46][47].
Kanada Kanada
14 (plus 2 Optionen), Auswahlentscheidung 2023. Kanada bekundete bereits im Projektstadium Interesse an der P-8. Auch hier wird die P-3-Flotte, die in der Version CP-140 Aurora mit der Elektronik der Lockheed S-3 genutzt wird, abgelöst werden. Ein „Letter of Request“ für bis zu 16 P-8A erging im März 2023 an die US-Regierung und im November des Jahres erfolgte die Auswahlentscheidung. Die Auslieferungen sind für 2026/27 geplant.[48]
Neuseeland Neuseeland
4 P-8A „Poseidon“.[49] Neuseeland hatte im Frühjahr 2017 Preise und Lieferzeiten bei der US-Regierung für vier P-8A angefragt[50] und die Bestellung dann im folgenden Sommer in Auftrag gegeben. Im August 2022 führte die erste der vier Maschinen der Royal New Zealand Air Force ihren Erstflug durch[51] und die Auslieferung begann Ende 2022.[52] Im Juli 2023 wurde die letzte Maschine geliefert.[53]
Im Unterschied zu ihren auf der RNZAF Base Auckland beheimateten P-3K2-Vorgängern sind die P-8A der 5. Squadron auf der RNZAF Base Ohakea stationiert.[54]
Norwegen Norwegen
5 P-8A „Poseidon“. Das Beschaffungsvorhaben für die Luftforsvaret wurde im November 2016 bekannt, und die Bestellung erfolgte im folgenden März.[55] Die Flugzeuge tragen die Namen „Vingtor“, „Viking“, „Ulabrand“, „Hugin“ und „Munin“.[56][57] Im August 2021 führte die erste der fünf Maschinen ihren Erstflug durch,[58] und bereits im Mai 2022 waren drei der fünf Exemplare auf ihrer neuen Heimatbasis eingetroffen.[59]
Die Maschinen, die von der 333. Skvadron betrieben werden, sind nicht wie ihre P-3-Vorgänger in Andøya, sondern in Evenes bei Narvik stationiert.
Singapur Singapur
4 P-8A „Poseidon“. Singapur kündigte im September 2025 an, als vierte Nation im Raum Asien-Pazifik die P-8 zu bestellen.[60]
Korea Sud Südkorea
6 P-8A „Poseidon“. Südkorea bestellte 2018 sechs der Flugzeuge, die nach ihrer Auslieferung zu Schulzwecken zunächst noch in den USA verblieben. Die Überführung aller Exemplare nach Südkorea erfolgte in zwei kurz aufeinanderfolgenden Wellen im Sommer 2024[61][62] und der Einsatzflugbetrieb wurde ein Jahr später aufgenommen.[63]
Der Betreiber ist die dem 6. Marinefliegergeschwader in Pohang unterstellte 61. Patrouillengruppe auf der Marinefliegerbasis Jeju.
Vereinigtes Konigreich Vereinigtes Königreich
9 Poseidon MRA.1 (P-8A). Im Rahmen der Veröffentlichung ihres neuen Weißbuchs gab die Regierung ihrer Majestät im November 2015 die geplante Beschaffung von neun P-8A für die Royal Air Force an, die Bestellung erfolgte im Juli 2016.[64] Der Erstflug des ersten Exemplars erfolgte drei Jahre später[65] und wenige Monate später Ende Oktober 2019 begann die Auslieferung für das anfängliche Crew Training auf der US-Naval Air Station Jacksonville.[66] Das erste Flugzeug traf Anfang Februar 2020 im schottischen Kinloss ein und Mitte Oktober 2020 erfolgte die Verlegung auf die endgültigen Basis RAF Lossiemouth, deren Start- und Landebahnen zuvor instand gesetzt worden waren. Die ersten sieben Exemplare wurden auf die Namen „Pride of Moray“, „City of Elgin“, „Terence Bulloch DSO DFC“, „Spirit of Reykjavik“,[67] „Fulmar“,[68] „Guernsey’s Reply“[69] und „William Barker VC“[70] getauft. Anfang 2022 waren alle Exemplare ausgeliefert.[71]
Die beiden Poseidon-Verbände sind die in RAF Lossiemouth liegenden 120. und 201. Squadron.[72]
Vereinigte Staaten Vereinigte Staaten
123 P-8A „Poseidon“ im Zulauf. Die US-amerikanische Marine plante zunächst die Anschaffung von insgesamt 114 P-8A, die in das neue Maritime Surveillance UAV-System integriert werden. Dieses soll ab 2010 die kontinuierliche Seeüberwachung ermöglichen. Dafür werden zusätzlich 68 UAVs vom Typ MQ-4C nötig, die dann von fünf Standorten aus operieren sollen: Hawaii, Diego Garcia, Jacksonville (Florida), Kadena Air Base (Japan) und Sigonella (Italien). Die MQ-4C (seinerzeit als RQ-4N bezeichnet) konnte sich nach einem dreijährigen Auswahlverfahren im August 2008 gegen die Konkurrenzmuster MQ-1C und MQ-9N durchsetzten. Die P-8A werden einen Großteil der operativen Einsatzleitung für die MQ-4C übernehmen.
Am 17. Juni 2009 gab die US-Navy bekannt, dass sie für 1,8 Mrd. US-Dollar neun weitere Maschinen anschaffen wolle, wodurch sich die gesamte Flottenstärke auf 123 Maschinen erhöht.[73]
Die Initial Operating Capability der Poseidon wurde im November 2013 auf der NAS Jacksonville in Florida erreicht, wo die erste Serienmaschine Anfang März 2012 eingetroffen war. Die Schulstaffel ist die Fleet Replacement Squadron VP-30, die auch für die P-3C- und MQ-4C-Ausbildung verantwortlich zeichnet. Die sechs „Ostküsten“-Einsatzstaffeln wurden zwischen Mitte 2012 und Mitte 2016 aufgestellt, bei ihnen handelt es sich in der Reihenfolge ihrer Aufstellung um die Patrol Squadrons VP-16, VP-5, VP-45, VP-8, VP-10 und VP-26.
Nach der erfolgten Umrüstung der Staffeln am Atlantik begann die Umrüstung der geplanten sechs „Westküsten“-Einsatzstaffeln auf der NAS Whidbey Island 2017. Die Umrüstung der Staffeln VP-4, VP-47, VP-9, VP-1, VP-46 und VP-40 erfolgte bis 2020.[74]
Im Kommando-Bereich des United States Pacific Commands werden die Misawa Air Base in Nord-Japan und die Kadena Air Base in Okinawa für mehrmonatige Rotationen von Staffeln aus den USA genutzt. Im Dezember 2013 kam es zu einer ersten Rotation der VP-45 aus Jacksonville.[75] Im Bereich der NATO gibt es insbesondere zeitweilige Verlegungen nach Keflavík. Andere Flugplätze wie RAF Lossiemouth oder NAS Sigonella werden ebenfalls genutzt.

Interessenten

Danemark Dänemark
Im Dezember 2025 genehmigte die US-Regierung die von Dänemark beabsichtigte Beschaffung von bis zu 3 P-8A Poseidon sowie dazugehöriger Ausrüstung. Der geschätzte Wert des Auftrages könnte sich auf 1,8 Milliarden US-Dollar (ca. 1,5 Milliarden Euro oder 11,4 Milliarden Dänische Kronen) belaufen. Die Genehmigung der US-Regierung folgt auf die Ankündigung des dänischen Verteidigungsministers Troels Lund Poulsen vom September 2025, P-8A Poseidon-Flugzeuge beschaffen zu wollen. Im Rahmen der Dänischen Verteidigungsplanung sollen die 3 Seefernaufklärungsflugzeugen die bereits im Juli 2025 bestellten 4 unbemannten Aufklärungssystemen vom Typ MQ-9B SkyGuardian von General Atomics Aeronautical Systems ergänzen. Die Wahl der P-8A Poseidon als bemannte Entsprechung zum SkyGardian scheint auch dadurch beeinflusst, dass Norwegen, Deutschland und das Vereinigte Königreich bereits Nutzer dieses Flugzeugs sind und die Entscheidung Dänemarks für dasselbe Flugzeug somit die Möglichkeit einer internationalen Zusammenarbeit in den Bereichen Ausbildung, Einsatz und Logistik eröffnet.[76]
Italien Italien
2004 bekundete Italien Interesse an der P-8 als Ersatz für die Breguet Atlantic. Die Pläne zur Anschaffung wurden allerdings 2008 aufgegeben und eine kostengünstigere Alternative auf ATR-72-Basis beschafft.

Zwischenfälle

  • 20. November 2023: Die P-8A mit der Bureau Number 169561 der Patrol Squadron VP-4 rollte bei der Landung auf der Marine Corps Base Hawaii über das Ende der Landebahn hinaus ins flache Meer. Die neun Besatzungsangehörigen blieben unverletzt.[77] Die US Navy gab 1,5 Millionen Euro für eine Bergungsaktion zwei Wochen später aus. Nach der Bergung stellte sich heraus, dass durch Kontakt mit Salzwasser massive Korrosionsschäden an der Struktur, den Triebwerken und der Elektronik entstanden waren. Daher wurde eine Instandsetzung verworfen und die Maschine verschrottet. Dies war der erste Totalverlust einer P-8.[78]

Technische Daten

Auf der NAF Atsugi in Japan stationierte P-8A der US-Navy
Indische P-8I mit Harpoon-Schiff-Abwehrraketen
Weitere Informationen Kenngröße, Daten ...
KenngrößeDaten
Besatzung2 Cockpitbesatzung, 7 Operatoren
Länge39,47 m
Spannweite37,64 m
Höhe12,83 m
Leermasse62.730 kg
max. Startmasse85.130 kg
Höchstgeschwindigkeit906 km/h
Marschgeschwindigkeit789 km/h
Dienstgipfelhöhe12.500 m
Einsatzradius2.200 km (bei 4 Std. Aufenthaltsdauer im Zielgebiet)
Antriebzwei CFM International CFM56-7B mit je 120 kN Schub
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Bewaffnung

Folgende Bewaffnungsoptionen sind für die P-8 geplant:

Kampfmittel von bis zu ca. 2.500 kg in einem 4,7 Meter langen internen Waffenschacht mittig im hinteren Rumpfabschnitt
Luft-Boden-Lenkflugkörper
Torpedos
Ungelenkte Bomben
  • 3–5 × unbekannter Wasserminen-Typ
Kampfmittel von bis zu ca. 2.000 kg an vier Außenlaststationen unter den beiden Tragflächen
Luft-Boden-Lenkflugkörper
  • 4 × Boeing AGM-84K „SLAM-ER ATA“
  • 4 × Boeing AGM-84L „Harpoon Block II“ – Seezielflugkörper

Avionik und Sensorik

Mehrzweck-Suchradar
  • Raytheon AN/APY-10
Elektronische Aufklärungs- und Abwehrmaßnahmen[2]
  • AN/AAR-54 – Raketenwarner
  • AN/AAQ-24 – System für Gegenmaßnahmen im infraroten Bereich
  • AN/ALE-47 – Abwurfsystem für Täuschkörper
  • AN/ALQ-213 – Management-System für sämtliche Abwehr-Subsysteme
  • AN/ALQ-240 – Empfang und Identifizierung von elektronischen Signalen in sämtlichen Frequenzbereichen

Einzelnachweise

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