P-Seminar
Teil der gymnasialen Oberstufe in Bayern
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Das P-Seminar (Projekt-Seminar zur beruflichen Orientierung) ist Teil der gymnasialen Oberstufe des neunjährigen Gymnasiums in Bayern und eine Weiterentwicklung des P-Seminars des bayerischen achtjährigen Gymnasiums von 2009 bis 2024.[1][2][3]
Es baut in Jahrgangsstufe 11 auf das Modul zur beruflichen Orientierung (9. Klasse) auf und soll individuelle und eigenverantwortliche Tendenzen fördern, die die Schülerinnen und Schüler bei ihrer Studien- und Berufswahl unterstützen. Die Schüler arbeiten dabei ein Jahr lang an einem Projekt, das gemeinsam mit außerschulischen Partnern umgesetzt wird.[1] Daran schließt sich in den Jahrgangsstufen 12 und 13 das Aufbaumodul zur beruflichen Orientierung an, mit dem Ziel der Vorbereitung auf die Anforderungen von Hochschule und Berufswelt.[2] Die Schüler sollen im Rahmen des P-Seminars Erfahrungen in den Bereichen Methodenkompetenz, Sozialkompetenz, Selbstkompetenz und Fachkompetenz sammeln.[4]
Besonderheiten bei der Wahl
Bei der Wahl des P-Seminars sind einige Besonderheiten zu beachten:[2]
- Moderne Fremdsprachen setzen die entsprechenden Kenntnisse der gewählten Sprache voraus. Einzelvereinbarungen bei Schülern mit einer spätbeginnenden Fremdsprache in Jahrgangsstufe 11 können erfolgen, der Kurs selbst darf nicht als Leitfach verwendet werden.
- Katholische oder evangelische Religion darf von den Schülern unabhängig von ihrer Glaubensrichtung, Religionszugehörigkeit oder der Teilnahme am Religions- bzw. Ethikunterricht gewählt werden.
- Informatik, spät beginnende Informatik und Wirtschaftsinformatik dürfen von allen belegt werden, die in Jahrgangsstufe 11 den entsprechenden Fachunterricht besuchen.
- Schülerinnen und Schüler des Sozialwissenschaftlichen Gymnasiums können ein P‑Seminar mit Leitfach Sozialpraktische Grundbildung belegen. Für Personen anderer Zweige kann das Seminar geöffnet werden.
Dokumentation und Zertifikat
Die Dokumentation und das Zertifikat erfolgen nach festgelegten Regeln.[2]
- Für die erbrachten individuellen Beiträge und Dokumentation zur Vertiefung ist ein Portfolio verpflichtend, das die Schülerin bzw. der Schüler anlegt. Es kann bei Beratungs-, Entscheidungs- und unter Umständen bei Bewerbungsprozessen herangezogen werden.
- Alle Teilnehmenden erhalten ein Zertifikat mit gesetzlich vorgeschriebenen Pflichtangaben, das keine berufserschwerende Bemerkungen enthalten darf.
Bewertung des P-Seminars
In Absprache mit anderen Lehrkräften zur Verhinderung von Schülerbelastungen sollen maximal 2 kleine Leistungsnachweise (ab Jahrgangsstufe 11 bis Ende 12/1) gefordert werden. Beim Projekt können mündliche, schriftliche und praktische Leistungen bewertet werden. Ende 12/1 wird einmalig eine maximale Gesamtpunktzahl von bis zu 30 Punkten zuerkannt, was die doppelte Punktzahl von 15 erreichbaren Punkten pro Einzelfach in der Notenskala der bayerischen Oberstufe entspricht.[5] Dies beeinflusst bei 900 möglichen Punkten Gesamtpunktzahl die Durchschnittsnote auf der Zehntelkommastelle (Ausnahme: 1,0 ab 823 Gesamtpunkten bleibt 1,0).[6]
Beispiele für P-Seminarthemen
Die folgenden Beispiele wurden aus der Liste eines bayerischen Gymnasiums ausgewählt, das mögliche Themen als Liste zusammengestellt hat.[7]
- Biologie: Bewusstsein schaffen für gesunde Ernährung
- Chemie: Bierbrauen, das Hip-Bier
- Deutsch: Literarischer Abend
- Französisch: Chocolat - produit aux milles visages
- Geographie: Eine musikalische Weltreise
- Latein: Lateinische Spuren in der Region
- Mathematik: Erstellung eines Live Escape Games
- Physik: Schauexperimente für ein Bühnenstück
- Religion: Escolinha Esperanca (Hilfsprojekt Lateinamerika)
- Sozialkunde: Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage
- Sport: Alpenüberquerung ohne Motor
- Wirtschaft: Grundlagenforschung und Analysen zur Gründung eines Unternehmens
P-Seminar-Preis
Der P-Seminar-Preis wird vom Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus gemeinsam mit der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw), dem Bildungswerk der Bayerischen Wirtschaft (bbw) sowie der Eberhard von Kuenheim Stiftung der BMW AG vergeben. Jedes Schuljahr werden die besten Projekte verschiedener Fächer schulübergreifend ausgewählt und prämiert.[8]
2025 wurden neben 27 Regionalsiegern vier Landessieger ausgezeichnet:[9][10]
- Gymnasium bei St. Anna (Augsburg) mit „3D-Druck trifft Scrum – Ideen zum Leben erwecken!“ (Leitfach: Mathematik)
- Allgäu-Gymnasium Kempten mit „Stolpersteine digital“ (Leitfach: Geschichte)
- Albert-Einstein-Gymnasium München mit „Seifenherstellung – wir kreieren unsere AEG-Seife“ (Leitfach: Chemie)
- Willibald-Gluck-Gymnasium Neumarkt mit „Mobile Robotik“ (Leitfach: Physik)
Siehe auch
- Wissenschaftspropädeutisches Seminar (W-Seminar)
Literatur
- Anja Langmajer et al. Zukunft / P-Seminar zur beruflichen Orientierung, C.C.Buchner Verlag: Bamberg 2024, ISBN 978-3-661-29040-9