P-Toluolsulfonsäuremethylester

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p-Toluolsulfonsäuremethylester (Methyltosylat) ist als Methylester der p-Toluolsulfonsäure das einfachste Tosylat, das als Methylierungsmittel und Katalysator für Alkydharze[3] sowie als Initiator für die Polymerisation von substituierten Oxazolinen zu Poly(2-oxazoline)n[5] Verwendung findet.

Schnelle Fakten Strukturformel, Allgemeines ...
Strukturformel
Strukturformel von p-Toluolsulfonsäuremethylester
Allgemeines
Name p-Toluolsulfonsäuremethylester
Andere Namen
  • Methyl p-Toluolsulfonat
  • Methyltosylat
  • 4-Methylbenzolsulfonsäuremethylester
Summenformel C8H10O3S
Kurzbeschreibung

farbloser[1] bis schwach gelber[2] Feststoff

Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer 80-48-8
EG-Nummer 201-283-5
ECHA-InfoCard 100.001.167
PubChem 6645
ChemSpider 6393
Wikidata Q25616437
Eigenschaften
Molare Masse 186,23 g·mol−1
Aggregatzustand

fest

Dichte

1,234 g·cm−3 bei 20 °C[3]

Schmelzpunkt
Siedepunkt
Dampfdruck

1 hPa bei 20 °C[1]

Löslichkeit

nahezu unlöslich in Wasser,[3] wenig löslich in Petrolether und Diethylether, löslich in Ethanol, Benzol und Chloroform[4]

Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung[1]
Gefahrensymbol Gefahrensymbol

Gefahr

H- und P-Sätze H: 302314317
P: 280305+351+338310[1]
Toxikologische Daten
Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen (0°C, 1000 hPa).
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Vorkommen und Darstellung

Die Reaktion von para-Toluolsulfonsäurechlorid mit Methanol in Gegenwart von Pyridin zur Neutralisation des entstehenden Chlorwasserstoffs liefert p-Toluolsulfonsäuremethylester in 70%iger Ausbeute.[6]

Methyltosylat aus p-Tosylchlorid
Methyltosylat aus p-Tosylchlorid

Mit festem Kaliumcarbonat als Säurefänger wird Methyltosylat in 96%iger Ausbeute erhalten.[7]

p-Toluolsulfonsäure reagiert mit Trimethylorthoformiat bei Raumtemperatur nach 14 Stunden bzw. unter Rückfluss für 30 Minuten in 99%iger Ausbeute zum p-Toluolsulfonsäuremethylester.[8]

Methyltosylat mit Orthoformiat
Methyltosylat mit Orthoformiat

In Gegenwart von Fe3+-haltigem Montmorillonit reagiert auch p-Toluolsulfonsäure mit Methanol in 84%iger Ausbeute zum Sulfonsäureester.[9]

Statt des festen Katalysators Montmorillonit kann auch das feste Silicachlorid (aus Silicagel und Thionylchlorid[10][11]) für diese Veresterung verwendet werden.[12]

Eigenschaften

p-Toluolsulfonsäuremethylester ist ein farbloser bis schwach gelber kristalliner Feststoff, der in Wasser unlöslich, in einigen organischen Lösungsmitteln löslich ist.[4]

Anwendungen

p-Toluolsulfonsäuremethylester ist wie andere Tosylate (R-O-SO2-Phenyl-CH3) ein reaktives Methylierungsmittel und überträgt Methylgruppen auf nucleophile Verbindungen wie z. B. Alkohole, Phenole, Amine oder Thiole.[6]

Methyltosylat-Reaktion mit Nucleophil
Methyltosylat-Reaktion mit Nucleophil

Ein Beispiel für die Alkylierung einer basischen Stickstoffverbindung mit Methyltosylat ist die Methylierung von 3,6-Bis(acetylamino)acridin zum 3,6-Bis(acetylamino)-10-methylacridiniumtosylat, aus dem mittels Chlorwasserstoff das Antiseptikum Acriflaviniumchlorid erhalten wird.[13]

Synthese von Acriflaviniumchlorid
Synthese von Acriflaviniumchlorid

Ein weiteres Beispiel ist die Methylierung von 2-Methylbenzthiazol zum entsprechenden N-Methylammoniumtosylat, das nach Austausch des Tosylat-Anions gegen das Tetrafluoroborat-Anion und Umsetzung mit dem Königschen Salz zu einem blauen Cyanin-Farbstoff reagiert.[14]

Synthese eines blauen Polymethinfarbstoffs mit Methyltosylat
Synthese eines blauen Polymethinfarbstoffs mit Methyltosylat

p-Toluolsulfonsäuremethylester wird zur Darstellung von quaternisierten Alkylketendimeren (AKD)-Derivaten (langkettigen Alkylamidoaminen) eingesetzt, die als Hydrophobierungsmittel für Papier oder zur Knitterfreiausrüstung von Textilien eingesetzt werden.[15]

Quartäres Alkylamidoamin aus AKD mit Methyltosylat
Quartäres Alkylamidoamin aus AKD mit Methyltosylat

Unter dem Aspekt der Atomökonomie als auch der Ökonomie ist Methyltosylat trotz höherer Reaktivität den billigeren Methylierungsmitteln Methylchlorid und Dimethylsulfat für Quaternisierungsreaktionen meist unterlegen.

In jüngerer Zeit hat Methyltosylat Anwendung als Initiator zur Polymerisation von 2-Alkyloxazolinen, wie z. B. 2-Ethyl-2-oxazolin gefunden,

Start der POx-Polymerisation mit Methyltosylat
Start der POx-Polymerisation mit Methyltosylat

die insbesondere wegen ihrer hohen Biokompatibilität als vielfältig einsetzbare Materialien für biomedizinische Anwendungen diskutiert werden.[16]

Einzelnachweise

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