PH-Lampe
Familie von Leuchten entwickelt vom dänischen Designer, Architekten und Autor Poul Henningsen
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PH-Lampe bezeichnet eine vom dänischen Designer, Architekten und Autor Poul Henningsen entwickelte Familie von Leuchten, deren mehrschaliges Schirmsystem blendfreies, reflektiertes Licht erzeugt.[1] Sie entstand in den 1920er-Jahren im Kontext der Zusammenarbeit Henningsens mit dem Unternehmen Louis Poulsen und gilt als Ikone des skandinavischen Lichtdesigns und der dänischen Moderne.[2]

Gestaltung und Technik
Kennzeichnend für PH-Lampen ist ein System konzentrischer, gebogener Schirme, welche die Lichtquelle abschirmen und zur Vermeidung von Blendung und harter Schatten das Licht diffus, meist nach unten, reflektieren.[1] Henningsen verstand die Leuchten als Antwort auf das grelle, blau wirkende frühe elektrische Licht und setzte zur Korrektur des Spektrums auch farbige Reflexionsflächen ein.[1] Die PH-Leuchten sind achsensymmetrisch konzipiert; Varianten existieren in Opalglas und Metall, und das Schirmsystem wurde zum prägenden Bestandteil zahlreicher Modelle.[1]
Geschichte

Henningsens Zusammenarbeit mit dem Louis-Poulsen-Leiter Sophus Kaastrup-Olsen begann im Jahr 1924 und führte 1925 zur Vorstellung des modularen Mehrschirmsystems auf der Pariser Weltausstellung, wo es mit einer Goldmedaille ausgezeichnet wurde.[1] 1926 gewann eine seiner Leuchten die Ausschreibung zur Beleuchtung der neu errichteten Veranstaltungshalle Forum in Frederiksberg; die daraus entwickelte Dreischirmlampe wurde zum Prototyp des Systems.[1] Zur Eröffnung hingen 120 PH-Lampen im Forum; nach letzten Anpassungen lancierte Henningsen im Juni 1926 die endgültige Dreischirmlampe in Opalglas.[3] Noch im selben Jahr wurden in Dänemark über 12.000 Exemplare verkauft, und die Serienfertigung erfolgte bald darauf auch durch die Deutsche PH-Lampengesellschaft in Karlsruhe.[3] Die Designerin Rigmor Andersen arbeitete von 1927 bis 1929 für Henningsen und trug zu dem feinen, ausgewogenen Design bei, das die heute klassischen PH-Lampen auszeichnete.[4] In den folgenden Jahrzehnten entstand ein breites Spektrum an Typen und Größen für private und öffentliche Räume, wobei das Schirmsystem kontinuierlich verfeinert wurde.[2]
Modelle

Zu den bekanntesten Varianten zählt die 1958 vorgestellte Pendelleuchte PH 5, die Henningsens Dreischirmsystem zu vollständig blendfreiem, weich verteiltem Licht weiterentwickelt.[5] Ebenfalls 1958 entstand die skulpturale PH-Artischocke (dänisch: Koglen – ‚Zapfen‘) für das Restaurant Langelinie Pavillons in Kopenhagen, deren 72 übereinander angeordnete Blätter das Licht aus jedem Blickwinkel abgeschirmt widerspiegeln.[6] Das Portfolio wird fortlaufend aktualisiert, etwa durch neue Farbausführungen der PH 5, die 2022 in vier zusätzlichen Farbwelten vorgestellt wurden.[7] Zugleich werden klassische Typen technisch adaptiert, etwa als tragbare, kabellose PH 2/1 auf Basis der kleinformatigen Tischleuchte.[8]
Fertigung und Vertrieb

Die PH-Leuchten werden bis heute von Louis Poulsen gefertigt und weltweit vertrieben.[9] Zeitgenössische Kooperationen halten die Reihe im Diskurs, darunter eine 2023 vorgestellte Zusammenarbeit mit Fendi Casa, die ausgewählte PH-Modelle in neuen Oberflächen neu auflegte.[10] Zum 60-jährigen Jubiläum der PH-Artischocke brachte Louis Poulsen 2018 zudem eine limitierte Messing-Edition heraus.[11]
Rezeption und Bedeutung
Die PH-Lampe gilt als Meilenstein des skandinavischen Lichtdesigns und wurde früh in bedeutenden Projekten und Sammlungen eingesetzt.[2] In Dänemark ist sie zu einem nationalen Symbol geworden, das seit 1926 in öffentlichen Gebäuden wie auch in privaten Interieurs verbreitet ist und bis in die Gegenwart breite Popularität genießt.[3]