PO 5300

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Die normalspurigen Tenderlokomotiven der Reihe PO 5300 der französischen Compagnie du chemin de fer de Paris à Orléans (PO) waren von der Schweizer Lokomotivfabrik SLM entworfene Mikado-Tenderlokomotiven. Sie wurden ab 1914 in insgesamt 190 Exemplaren von verschiedenen Lokomotivfabriken hergestellt und in verschiedenen Depots in Frankreich eingesetzt. 1938 wurden sie von der SNCF übernommen und trugen dort die Bezeichnung 141 TA. Die Lokomotiven bewährten sich auf Rampenstrecken im gemischten Dienst sowie im Vorortverkehr über Jahre. Sie waren bis 1970 im Einsatz. Die Lokomotive 141 TA 452 wird im Eisenbahnmuseum Mülhausen der Öffentlichkeit präsentiert.

Schnelle Fakten
PO 5300
Erhaltene 141 TA
Erhaltene 141 TA
Erhaltene 141 TA
Nummerierung: PO 5301–5490
SNCF 4-141 TA
Anzahl: 190
Hersteller: SLM
Fabriknummern 2187–2206, 2373–2392
Fives-Lille, Batignolles-Châtillon, NBL, Schneider
Baujahr(e): 1911–1922
Ausmusterung: bis 1970
Bauart: 1'D1' h2t
Spurweite: 1435 mm (Normalspur)
Länge über Puffer: 13.450 mm
Fester Achsstand: 1500 mm
Gesamtachsstand: 9700 mm
Treibraddurchmesser: 1400 mm
Laufraddurchmesser: 860 mm
Leermasse: 73,2 t
Dienstmasse: 92,7 t
Reibungsmasse: 67,4 t
Radsatzfahrmasse: 17 t
Höchstgeschwindigkeit: 70 km/h
Indizierte Leistung: 1100 PS/1225 PS*
Anfahrzugkraft: 170/184,6 kN*
Kesselüberdruck: 12/13 bar*
Rostfläche: 2,74 m²
Verdampfungsheizfläche: 200,39/166 m²*
Überhitzerfläche: 37,07/41 m²*
Steuerungsart: Walschaerts
Zylinderanzahl: 2
Zylinderdurchmesser: 600 mm
Kolbenhub: 650 mm
Bremse: indirekte Bremse Bauart Westinghouse
Handbremse
Wasservorrat: 10 m³
Brennstoffvorrat: 5,5 t
* Nummern 5381–5410
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Entstehungsgeschichte

Betriebsaufnahme eines Exemplars

Vorbild für die PO 5300 waren die Lokomotiven der Reihe Ec 4/6 der Thunerseebahn aus den Jahren 1909 und 1910.[1] Auf Basis dieser Konstruktion fertigte die Schweizerische Lokomotiv- und Maschinenfabrik (SLM) für die Compagnie du chemin de fer de Paris à Orléans (PO) 40 Lokomotiven mit den Fabriknummern 2187–2206 und 2373–2392. Die anderen Lokomotiven wurden von den französischen Firmen Fives-Lille, Batignolles-Châtillon und Schneider hergestellt, auch die britische North British Locomotive Company lieferte 30 Lokomotiven. Es wurden insgesamt 190 Lokomotiven hergestellt.

Die ersten Lokomotiven wurden in den Depots von Clermont-Rabanesse, Ussel und Aurillac beheimatet. Sie bespannten dort besonders auf den Rampenstrecken alle Züge. Die Lokomotiven wurden auf Grund ihrer Zugkraft und durch die unkomplizierte Wartung im Betrieb geschätzt. Sie fuhren vor allem auf den Gebirgsstrecken der PO im Zentralmassiv, bis 1938 aber auch auf der Ligne de Sceaux, einer Vorortstrecke im Süden von Paris. Auf einer Steigung von 25 ‰ konnten sie einen Güterzug mit einer Last von 285 t mit einer Geschwindigkeit von 20 km/h ziehen, 1000-t-Züge konnten mit 60 km/h auf einer Neigung von 4 ‰ befördert werden und in der Ebene 1500-t-Züge mit 70 km/h befördert werden.

Zwischen 1924 und 1929 wurden 38 Lokomotiven nach Marokko verkauft.[2] Die anderen wurden 1938 von der SNCF übernommen und als 141 TA bezeichnet, wobei als Ordnungsnummern die letzten drei Ziffern der PO-Nummern übernommen wurden. Sie wurden im Personen- und Schnellzugdienst verwendet und beförderten unter anderem Schnellzüge von Bordeaux nach Clermont-Ferrand zwischen Brive-la-Gaillarde und Clermont-Ferrand. Dabei wurden Schnellzüge mit fünf Wagen auf einer Steigung von 25 ‰ mit 40 km/h gezogen. Während des Zweiten Weltkrieges waren die Lokomotiven bevorzugt im Hinterland eingesetzt. Lediglich die Lokomotive 141 TA 315 wurde bis zum Kriegsende ausgemustert.

Die Lokomotiven waren beim Personal durch ihre einfache Bedienung und Leistungsfähigkeit geschätzt und für den Betrieb in beiden Richtungen gleichermaßen gut geeignet. Im Betriebsdienst erhielten sie aufgrund ihres an ein Ruderbootheck erinnernden Kohlenkasten den Spitznamen „Cul de bateau“ (deutsch: Bootsheck).[2]

Die verstärkte Indienststellung von leistungsfähigen Diesellokomotiven wie den SNCF A1AA1A 68000 oder SNCF BB 67000 führten in den 1960er Jahren zur Ausmusterung der verbliebenen Maschinen. In Aurillac wurden im Jahr 1969 die letzten Lokomotiven abgestellt, als letzte Lokomotive die 141 TA 452 am 30. Mai 1970 ausgemustert.[2] Diese Lokomotive ist im Eisenbahnmuseum Mülhausen erhalten geblieben.

Konstruktion

Herstellerinformation von SLM

Die Lokomotiven besaßen ein spezielles Laufwerk mit der zweiten Achse als Treibachse. Da die erste und letzte Achse mit der angrenzenden Laufachse in einem Zara-Gestell mit einer Seitenverschiebbarkeit von 80 mm vereinigt waren, besaßen die Maschinen einen festen Achsstand von 1500 mm und eine gute Kurvenläufigkeit.[3]

Die Lokomotiven besaßen einen Belpaire-Stehkessel mit Überhitzer und brachten in der Ursprungsform eine Leistung von 800 kW. Die Kessel der PO-Nummern 5381–5410 waren mit höherem Dampfdruck und vergrößertem Überhitzer ausgerüstet. Das brachte eine Erhöhung der Leistung auf 900 kW und eine höhere Zugkraft.[3] Die Kessel waren mit Dampf- und Speisedom ausgerüstet und hatten ursprünglich ein Blasrohr nach PO-Form, dieses wurde ab 1926 durch eine Kylchap-Saugzuganlage ersetzt. Die späteren Lieferserien erhielten Vorwärmer, teilweise des Typs ACFI, teilweise der Bauart Worthington. Eine Anzahl von Lokomotiven sind mit einer Spurkranzschmierung versehen worden.[4]

Der Antrieb geschah über ein einfaches Zweizylinder-Triebwerk, die Schieber waren als Kolbenschieber ausgeführt, der Kreuzkopf wurde zweischienig auf der Gleitbahn geführt. Die Fahrzeugsteuerung war vom System Walschaerts.

Die Lokomotiven besaßen für den Dienst im Zentralmassiv ein allseits geschlossenes Führerhaus, eine indirekte Bremse Bauart Westinghouse und eine Handbremse. Alle Treibachsen waren einseitig von vorn abgebremst. Hatten sie anfangs eine Petroleumbeleuchtung,[5] waren sie später mit der in Frankreich üblichen elektrischen Beleuchtung als Automobilscheinwerfer zu sehen.[6]

Siehe auch

Literatur

Einzelnachweise

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