Palagnedra

Dorf und ehemalige Gemeinde im Centovalli im Kanton Tessin, Schweiz From Wikipedia, the free encyclopedia

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Palagnedra
Wappen von Palagnedra
Staat: Schweiz Schweiz
Kanton: Kanton Tessin Tessin (TI)
Bezirk: Bezirk Locarnow
Kreis: Kreis Melezza
Gemeinde: Centovallii2
Postleitzahl: 6657
Koordinaten: 692204 / 112098
Höhe: 657 m ü. M.
Fläche: 16,74 km²
Einwohner: 123 (31. Dezember 2008)
Einwohnerdichte: 7 Einw. pro km²
Website: centovalli.swiss
Karte
Palagnedra (Schweiz)
Palagnedra (Schweiz)
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Gemeindestand vor der Fusion am 24. Oktober 2009

Palagnèdra [palaˈñɛːdra] (im lombardischen Taldialekt [palaˈɲɛdra parˈɲɛdri][1]) ist ein Ortsteil der Tessiner Gemeinde Centovalli. Bis 2009 bildete er eine eigenständige politische Gemeinde.

Geographie

Das Dorf liegt auf einer Terrasse am Südhang des Centovalli, kurz vor der schweizerisch-italienischen Grenze. Zur ehemaligen Gemeinde gehörten die Weiler Bordei, Moneto und Cresto-Monadello.

In der Nähe der Ortschaft liegt der Stausee Lago di Palagnedra. Der Damm wurde 1952 fertiggestellt und ist 72 m hoch. Der See entstand durch die Stauung des Flusses Melezza.

Geschichte und Wirtschaft

Das Dorf wurde erstmals 1236 schriftlich erwähnt, eine weitere frühe Nennung erfolgte 1379 als Pallagnidrio. Der Ort war im Hochmittelalter das administrative und kirchliche Zentrum des Centovalli, und die Kirche San Michele war die Mutterkirche des Tales. 1864 wurde Palagnedra eine eigene politische Gemeinde.

Ab dem ausgehenden Mittelalter bildete die saisonale Auswanderung ein wichtiges Standbein der Wirtschaft: Aus Palagnedra zogen viele Bürger in die Toskana, um ab dem 16. Jahrhundert vor allem als Lastenträger und ab dem 19. Jahrhundert auch als Garköche Geld zu verdienen. Etliche stattliche Häuser im Dorf zeugen noch heute vom einstigen Wohlstand. Bis in die 1950er-Jahre spielte dank der Grenznähe auch der Schmuggel eine wichtige Rolle.

Im Weiler Bordei wurde nach 1970 das «Basislager» der therapeutischen Stiftung Terra Vecchia errichtet. Diese hatte damals das Ziel, den gleichnamigen, zwischenzeitlich verfallenen Ort wieder aufzubauen.

Am 25. Oktober 2009 fusionierte Palagnedra mit den Gemeinden Borgnone und Intragna zur neuen Gemeinde Centovalli. Palagnedra und Rasa bilden aber zusammen nach wie vor eine eigenständige Bürgergemeinde.[2]

Noch 2005 gehörten über ein Drittel aller Arbeitsplätze dem Primärsektor an.

Bevölkerung

Palagnedra: Einwohnerzahlen von 1683 bis 2008
Jahr  Einwohner
1683
 
462
1719
 
337
1769
 
189
1799
 
175
1808
 
198
1824
 
616
1850
 
337
1860
 
367
1870
 
253
1880
 
253
1888
 
300
1900
 
267
1910
 
243
1920
 
261
1930
 
266
1941
 
271
1950
 
298
1960
 
198
1970
 
129
1980
 
123
1990
 
105
1991
 
108
1992
 
100
1993
 
114
1994
 
109
1995
 
110
1996
 
113
1997
 
112
1998
 
107
1999
 
110
2000
 
109
2001
 
111
2002
 
111
2003
 
118
2004
 
119
2005
 
119
2006
 
113
2007
 
120
2008
 
123
Quelle(n): bis 1980 Bundesamt für Statistik[3][4] ab 1990: Bilanz der ständigen Wohnbevölkerung der Schweiz nach Bezirken und Gemeinden 1991–2024[5]

1824: inkl. Borgnone und Rasa, 1850/1860: inkl. Rasa

Antonio da Tradate: Fresken im Chor der Kirche San Michele. Palagnedra

Sehenswürdigkeiten

Die Dorfbilder der Fraktionen Palagnedra[6] und Bordei[7] sind im Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz (ISOS) als schützenswertes Ortsbild der Schweiz von nationaler Bedeutung eingestuft.

  • Pfarrkirche San Michele mit dem besterhaltenen spätgotischen Freskenzyklus von Antonio da Tradate[8], gemalt in den 1490er-Jahren und restauriert 1964–1965[9][10]
  • Oratorium Santi Giacomo e Filippo im Ortsteil Moneto
  • mehrere herrschaftliche Bürgerhäuser zeugen vom Wohlstand, den die ausgewanderten Palagnedresen aus der Toskana in ihr Dorf heimbrachten, darunter:[11]
    • Casa Mazzi mit dem Wappen der Medici am schmiedeeisernen Balkon, erbaut Mitte des 18. Jahrhunderts für Petronio Mazzi, einen hohen Beamten des Grossherzogs Gian Gastone de’ Medici
    • Casa P. Mazzi, verziert mit der Florentiner Gotik nachempfundenen Sgraffito-Malereien, 1907 von Handwerkern aus Florenz gefertigt.
  • Der Ponte romano, eine 36 m lange und 26 m hohe Bogenbrücke, wurde 1578 erbaut; in der Mitte ein der Muttergottes und Johann Nepomuk gewidmeter Bildstock.[12]

Bilder

Persönlichkeiten

  • Taddeo Mazzi (* um 1600 in Palagnedra; † in Florenz ?), Maler aus Palagnedra, tätig in der Kirche der Olivetaner in Florenz sowie in den Gewölben der Kapelle der Sieben heiligen Gründer des Servitenordens in der Kirche von Montesenario, Selbstporträt an der Galleria degli Uffizi[13][14]
  • Lorenzo Cresci (* um 1570 in Palagnedra; † nach 1602 ebenda?), Kunstmaler, ursprünglich aus Palagnedra stammend, malte 1602 eine Verkündigung für die Kirche San Michele ebenda sowie eine Kopie des Gemäldes in der Florentiner Kirche Santissima Annunziata[15]
  • Giacomo Damosti (* um 1715 in Palagnedra; † nach 1750 in Ascona?), Maler aus Palagnedra, war um 1750 in der Gegend von Locarno tätig, Autor eines Altarbildes für die Kirche der Heiligen Fabiano und Sebastiano in Ascona[16]

Literatur

  • Romano Broggini: La „Terra“ di Palagnedra. In: Bollettino della Società Storica Locarnese. Nr. 2, Tipografia Pedrazzini, Locarno 1999, S. 40–42.
  • Virgilio Gilardoni: Il Romanico. Arte e monumenti della Lombardia prealpina. Istituto grafico Casagrande, Bellinzona 1967, S. 232, 472–474.
  • Rodolfo Huber: Palagnedra. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 3. November 2023.
  • Kunstführer durch die Schweiz. Band 2. Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte. Vollständig neu bearbeitete Ausgabe, Bern 2005, ISBN 3-906131-96-3, S. 634 f.
  • Simona Martinoli u. a.: Palagnedra. In: Guida d’arte della Svizzera italiana. Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK. Edizioni Casagrande, Bellinzona 2007, S. 212, 217–220, 385.
  • Johann Rudolf Rahn: I monumenti artistici del medio evo nel Cantone Ticino. Tipo-Litografia di Carlo Salvioni, Bellinzona 1894, S. 246–249.
  • Agostino Robertini, Silvano Toppi, Gian Piero Pedrazzi: Palagnedra. In: Il Comune. Edizioni Giornale del Popolo, Lugano 1974, S. 253–270.
  • Elfi Rüsch: I monumenti d’arte e di storia del Canton Ticino. Distretto di Locarno IV: La Verzasca, il Pedemonte, le Centovalli e l’Onsernone (= Die Kunstdenkmäler der Schweiz. Band 123). Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte. SKG, Bern 2013, ISBN 978-3-03797-084-3, S. 244–264.
  • Celestino Trezzini: Palagnedra. In: Historisch-Biographisches Lexikon der Schweiz. Band 5: Maillard – Saint Didier. Attinger, Neuenburg 1929, S. 371 (Digitalisat).
  • Daniel Vischer, Giulio Trucco: The remodelling of the spillway of Palagnedra = Reconstruction de l’évacuateur de crue de Palagnedra. Versuchsanstalt für Wasserbau, Hydrologie und Glaziologie, Zürich 1985.

Einzelnachweise

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