Pamela Pabst

erste blinde Strafverteidigerin Deutschlands From Wikipedia, the free encyclopedia

Pamela Pabst (* 29. Oktober 1978 in Berlin)[1] ist eine deutsche Rechtsanwältin. Sie ist die erste von Geburt an blinde Strafverteidigerin Deutschlands. Ihr Leben war die Inspiration für die ARD-Fernsehserie Die Heiland – Wir sind Anwalt (2018).

Pamela Pabst (2025)

Leben

Pamela Pabst ist seit ihrer Geburt blind, mit einer Restsehkraft von 1 % auf dem linken Auge.[2] Sie ist die Tochter von Peter und Gisela Pabst. Ihre Mutter floh aus der DDR, ihr Vater wurde aus Schlesien vertrieben und wuchs in Emden auf. Ihr Großvater väterlicherseits war der Schauspieler und Operettensänger Günter Johannes Pabst.[3]

Sie besuchte die Rothenburggrundschule und später die Fichtenberg-Oberschule mit Integrationsschwerpunkt.[4] Während der Schulbesuch in der Grundschule gut funktionierte, berichtet sie von Mobbing-Erfahrungen während der Gymnasialzeit. Auch, weil sie aufgrund ihrer Sehbehinderung zusätzliche pädagogische Unterstützung erhielt, sei sie von Teilen der Schülerschaft abgelehnt und gequält worden.[4][5] Ein Besuch im Kriminalgericht im Jahr 1994 weckte ihr Interesse an der Rechtswissenschaft, wobei sie sich zunächst von den förmlichen und respektvollen Umgangsformen vor Gericht angesprochen fühlte, die einen Kontrast zu dem Verhalten ihrer Mitschüler bildeten.[4]

Während des Jurastudiums an der Freien Universität Berlin nutzte Pabst als Hilfsmittel digitale und auf Kassette gesprochene Gesetzestexte, Screenreader und Vorleseassistenten. Ihr Referendariat absolvierte sie im Bezirk des Kammergerichts.[6] Nach dem Zweiten Staatsexamen ließ sich Pamela Pabst 2007 als selbständige Strafverteidigerin und Opferanwältin in Berlin-Neukölln nieder. 2009 erhielt sie die Fachanwaltschaft für Strafrecht und gründete 2011 mit Bernhard von Elling eine Kanzlei in Berlin-Britz. Sie ist die erste von Geburt an blinde Strafverteidigerin Deutschlands.[2][7] Beruflich nutzt sie digitale Hilfsmittel und persönliche Assistenz. Sie lebt und arbeitet in Berlin.

Seit 2013 ist die gebürtige Berlinerin ehrenamtlich als Richterin am Anwaltsgericht Berlin tätig und ist dort Beisitzerin in einer fünfköpfigen Kammer. Sie hat die Aufgabe, über berufsrechtliche Verstöße von Rechtsanwälten und -anwältinnen zu urteilen.[8]

Im Jahr 2014 veröffentlichte sie das biografische Buch Ich sehe das, was ihr nicht seht. Eine blinde Strafverteidigerin geht ihren Weg. Seit 2021 engagiert sie sich zudem für den Erhalt der plattdeutschen Sprache.[9]

Fernsehserie

Ab dem 4. September 2018 wurde im Ersten die sechsteilige erste Staffel der Fernsehserie Die Heiland – Wir sind Anwalt ausgestrahlt. Pamela Pabst war bei der Konzipierung der Serie das reale Vorbild für die Rolle der blinden Anwältin Romy Heiland, die in der ersten Staffel von Lisa Martinek gespielt wurde. Nachdem Martinek am 28. Juni 2019 verstorben war,[10] übernahm Christina Athenstädt ab der zweiten Staffel die Rolle der Protagonistin. Pabst berät sowohl die Hauptdarstellerin als auch deren Assistentin, die von Sina Reiß gespielt wird.

Veröffentlichungen

  • Pamela Pabst, Michaela Seul: Ich sehe das, was ihr nicht seht. Eine blinde Strafverteidigerin geht ihren Weg 2014, ISBN 978-3-446-24505-1
  • Das Königliche Untersuchungsgefängnis im Stadtteil Moabit. In: Das Neue Kriminalgericht in Moabit: Festschrift zum 100. Geburtstag, Alois Wosnitzka (Herausgeber), Berliner Wissenschaftsverlag, Berlin 2006, ISBN 3-8305-1176-0

Buchreihe

Die Buchreihe ist ebenfalls als Hörbuch erhältlich und wird von dem Berliner Radiomoderator Ingo Hoppe gelesen.[11]

Einzelnachweise

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