Pankhurst Centre

Museum im Vereinigten Königreich From Wikipedia, the free encyclopedia

Das Pankhurst Centre im Stadtteil Chorlton-on-Medlock von Manchester im Vereinigten Königreich ist ein Museum zum Leben und Wirken von Emmeline Pankhurst und der Suffragetten-Bewegung und ein Frauenzentrum. Außerdem ist es Anlaufstelle für Überlebende und Betroffene von häuslicher Gewalt.[1]

Pankhurst Centre, Nelson Street 60–62

Das Museum

Das Pankhurst Centre befindet sich im Gebäude Nelson Street 60–62 auf dem Gelände des Manchester Foundation Trust. Eröffnet wurde das Museum am 10. Oktober 1987[1] durch Barbara Castle und Emmeline Pankhursts Urenkelin Helen Pankhurst.[2] In der Doppelhaushälfte 62 wohnte Emmeline Pankhurst mit ihren Kindern und gründete dort für ausschließlich weibliche Mitglieder die politische Frauenbewegung und führende militante Organisation Women’s Social and Political Union (WSPU), die sich für Frauenrechte in Großbritannien einsetzte. Ihre Töchter Christabel, Sylvia und Adela gehörten ebenfalls der Organisation an.[3]

Das Museum wird von Ehrenamtlichen betrieben und erhält keine öffentlichen Gelder, sondern finanziert sich aus Spenden.[2] Es informiert in drei Räumen über die Geschichte des Kampfes der Frauen um das Wahlrecht, das Leben von Emmeline Pankhurst und die Geschichte der Suffragetten.[3] Im ehemaligen Wohnhaus der Familie stellt es Fotografien, Erinnerungsstücke zur Suffragettenbewegung und die zeitgenössischen Möbel und Einrichtungsgegenstände aus, darunter den restaurierten Salon von Emmeline Pankhurst.[2][4] Neben Führungen und Vorträgen bietet es Begehungen für Grundschulen bis zu höheren Schulklassen und Sonderschulen an.[5]

Das Frauenzentrum

Vorderseite Nelson Street 60

Seit 2014 befindet sich im Pankhurst Centre auch die Wohltätigkeitsorganisation Manchester Women’s Aid im Haus Nummer 60.[6] Diese für beide Seiten vorteilhafte Vereinbarung sicherte dem Museum finanzielle Stabilität, und die Wohltätigkeitsorganisation erhielt Räumlichkeiten.[2] Manchester Women’s Aid ist eine Anlaufstelle für Frauen und Kinder, die von häuslicher und sexueller Gewalt betroffen sind, und bietet vielfältige Unterstützungsangebote.[1][7]

Im Frauenzentrum finden zahlreiche Frauenprojekte, Aktivitäten und Veranstaltungen von Frauen für Frauen statt.[3] Dazu gehören etwa Kurse im Bereich Kunst und Handwerk, Webdesign, Selbstverteidigung, Tai Chi und gesunde Lebensweise.[8] Im September 2018 wurde durch die Gartenarchitektin Jane Leigh ein mit Hilfe einer Crowdfunding-Kampagne finanzierter Garten angelegt, der einen ruhigen, therapeutischen Ort für die von der Manchester Women’s Aid betreuten Frauen und Kinder bieten soll.[9] Der Garten nimmt gestalterisch auf die Suffragetten Bezug. Die Gestaltung und Struktur des Gartens orientiert sich an edwardianischen Knotengärten:

„Weiße, violette und grüne Pflanzen – viele davon mit Frauennamen – greifen die Farben der Suffragettenbewegung auf, während rote Akzente die Härten, persönlichen Opfer und den Verlust von Menschenleben symbolisieren, die viele im Kampf für Gleichberechtigung erlitten haben. Eine schmiedeeiserne Suffragettenfigur bildet das Herzstück des Gartens, und Zitate der Bewegung sind überall im Garten verteilt.“[9]

Geschichte der Häuser

Um 1794 erwarb der Kaufmann George Royle Chappell ein Grundstück in der Nelson Street, ließ das „Nelson House“ genannte große Haupthaus und vor 1832 daran angrenzend zwei Doppelhaushälften für die erwachsenen Töchter bauen. Nach seinem Tod im Jahr 1860 kaufte Henry Anthony Bennett Nelson House und die beiden Doppelhaushälften, bewohnte das Haupthaus und vermietete die beiden Villen. Mit dem Bau weiterer Häuser in der Nelson Street wurde eine Hausnummerierung eingeführt. 1861 trugen die Villen die Hausnummern 44 und 46. Bis 1871 wurden die Häuser in 60 und 62 umnummeriert. Das Nelson House erhielt statt der ursprünglichen Hausnummer 1 die Nummer 64 und wurde ab den 1870er Jahren ebenfalls vermietet. Nach Henry Bennetts Tod 1883 wurden Nelson House und die Doppelvillen weiterhin von verschiedenen Mietern bewohnt oder genutzt, u a. von der Tanzschule Webster, zu deren Schülerinnen die Töchter von Emmeline und Richard Pankhurst gehörten.[1]

Wohnhaus von Emmeline Pankhurst

Linke Seitenansicht Haus Nelson Street 62

Nach dem Tod ihres Mannes im Jahr 1898 zog Emmeline Pankhurst, die für sich und ihre vier Kinder Christabel, Sylvia, Adela und Harry ein Heim mit einer günstigeren Miete als ihr Haus in der Daisy Bank Road suchte, in das fünfzimmerige Doppelhaus in der Nelson Street 62 ein, das sie von den Erben Henry Bennetts mietete. Mit ihnen wohnten dort noch die Köchin Ellen Coyle und das Dienstmädchen Mary Leaver. Im Zensus von 1901 waren zwei von Emmelines Brüdern und einer ihrer Neffen ebenfalls unter dieser Adresse verzeichnet.[10] Emmeline Pankhurst war ab 1894 Armenpflegerin, arbeitete ab 1898 als Standesbeamtin in ihrem eigenen Haus und ermöglichte so Arbeiterinnen, außerhalb der üblichen Arbeitszeiten Geburten und Sterbefälle registrieren zu lassen. Am 10. Oktober 1903 gründete sie mit Freundinnen in ihrem Haus die Women’s Social and Political Union (WSPU), die sich für das Frauenwahlrecht einsetzen sollte. Die Nelson Street 62 war in den ersten Jahren Hauptquartier, bis Emmeline Pankhurst 1907 zu ihren Töchtern nach London zog und den Hauptsitz der WSPU dorthin verlegte.[1]

Weitere Nutzung

Nelson Street 60 und 62 (2007)

Die Nelson Street 60 und 62 wurden von 1911 bis Ende der 1960er Jahre von einer Vielzahl von Mietern bewohnt. Gleichzeitig verfolgte die örtliche Gesundheitsbehörde Pläne, das Gebäude für eine Erweiterung des Krankenhausgeländes abzureißen. Nach Auszug der letzten Mieter verfielen die Doppelhäuser allmählich, auch wenn sie von Aktivisten, darunter studentische Anarchisten und Feministinnen, besetzt wurden, um sie zu erhalten. Im Juni 1974 wurden die Doppelhäuser nach einer Kampagne zur Anerkennung ihrer historischen Bedeutung als „Bauwerke von nationaler Bedeutung und speziellem Interesse“ (Grade II) mit dem Eintrag in die Statutory List of Buildings of Special Architectural or Historic Interest unter Denkmalschutz gestellt. Die Gesundheitsbehörde beantragte im Dezember 1974 trotz der Unterschutzstellung die Genehmigung zum Abriss der Gebäude.[1]

1977 genehmigte der Stadtrat die Umnutzung von einem Wohnhaus zu einem Gemeindezentrum. Daraufhin wurden eine Spendenkampagne für eine Stiftung zum Schutz des Gebäudes und Petitionen gegen den Abriss gestartet. 1981 wurden die Abrisspläne endgültig aufgegeben. Der Pankhurst Trust pachtete gegen eine symbolische Abgabe das Gebäude von der Gesundheitsbehörde, danach vom Krankenhausträger. Nach der denkmalrechtlichen Genehmigung wurde das Gebäude unter Mitarbeit zahlreicher Frauen von Grund auf neu aufgebaut und zu einem Museum mit Besprechungsräumen und Büros gestaltet.[1]

Commons: Pankhurst Centre – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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