Papyrus Oxyrhynchus 5101
Fragmente eines Manuskripts in Koinegriechisch der Septuaginta
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Papyrus Oxyrhynchus 5101 (auch P.Oxy.LXXVII 5101; LDAB 140272; Rahlfs 2227) umfasst mehrere Fragmente einer Papyrusrolle, die Texte der griechischen Fassung des Alten Testaments (Septuaginta) enthielt. Die Stücke wurden in Oxyrhynchos gefunden und enthalten Psalmen 26,9–14; 44,4–8; 47,13–15; 48,6–21; 49,2–16; 63,6–64,5 entsprechend der Nummerierung der Septuaginta in Koinegriechischer Fassung. Heute gehören die Fragmente zur Sammlung der Bodleian Art, Archaeology and Ancient World Library in der Bibliothek der University of Oxford.

Die Handschrift wird paläographisch auf die Zeit zwischen 50 v. Chr. und 150 n. Chr. datiert. Im Text wird zur Darstellung des Namens Gottes das Tetragrammaton (JHWH) in althebräischer Schrift verwendet.
Beschreibung
Die erhaltenen Fragmente stammen von einer Papyrusrolle und umfassen Teile mehrerer Kolumnen. Der Text ist in griechischer Majuskelschrift geschrieben. Da die Handschrift nur fragmentarisch erhalten ist, lassen sich der ursprüngliche Umfang der Rolle und Einzelheiten der Schreiberpraxis nicht sicher bestimmen.[1]
Tetragramm
P. Oxy. 5101 enthält mehrere Vorkommen des Tetragramms JHWH in althebräischer beziehungsweise paläo-hebräischer Schrift. Daneben kommt auch die griechische Gottesbezeichnung θεός („Gott“) vor.[2] Die Verwendung des hebräischen Gottesnamens innerhalb eines griechischen Bibeltextes ist für die Erforschung der Septuaginta und der jüdischen Gottesnamenpraxis von Bedeutung.
In der Forschung wird diskutiert, ob das Tetragramm ursprünglich zusammen mit dem griechischen Text geschrieben wurde oder ob zunächst Leerstellen gelassen wurden, in die der Gottesname später eingetragen wurde. Meyer hält die erhaltenen Fragmente für zu lückenhaft, um den Schreibvorgang sicher zu rekonstruieren.[2]
Textkritische Bedeutung
Textkritisch ist P. Oxy. 5101 von Interesse, weil die Handschrift einerseits als früher Zeuge des griechischen Psaltertextes gilt, andererseits aber das Tetragramm in paläo-hebräischer Schrift enthält. In der Septuaginta-Forschung wurde die Verwendung des hebräischen Tetragramms in griechischen Bibelhandschriften häufig als Hinweis auf eine spätere Revision in Richtung eines hebräischen Textes gedeutet.
Albert Pietersma und Jannes Smith betrachten den Papyrus zwar als wichtigen Zeugen des altgriechischen Psalters, sehen das paläo-hebräische Tetragramm jedoch als sekundäres, archaisierendes Merkmal.[3] Anthony R. Meyer bewertet die Evidenz vorsichtiger: Da P. Oxy. 5101 ansonsten keinen klar revisionellen Charakter zeigt, hält er die Gleichsetzung „hebräisches Tetragramm = spätere Revision“ für problematisch.[2]
Ein besonders diskutierter Fall ist Ps 64,2 nach Septuaginta-Zählung. Dort liest der masoretische Text אלהים („Gott“) und die übliche griechische Septuaginta-Überlieferung ὁ θεός („Gott“), während P. Oxy. 5101 das Tetragramm bietet. Smith deutet diese Lesart als sekundär.[3] Meyer weist dagegen darauf hin, dass der Abschnitt zum sogenannten elohistischen Psalter gehört und daher auch die Lesart אלהים beziehungsweise θεός eine spätere Ersetzung eines älteren Tetragramms darstellen könnte.[2]
Fund- und Publikationsgeschichte
Der Papyrus wurde in Band 77 der Reihe The Oxyrhynchus Papyri von Daniela Colomo und W. B. Henry veröffentlicht.[1] In der Rahlfs-Zählung der griechischen Septuaginta-Handschriften trägt er die Nummer 2227.
Literatur
- Daniela Colomo; W. B. Henry: 5101. LXX, Psalms xxvi 9–14, xliv 4–8, xlvii 13–15, xlviii 6–21, xlix 2–16, lxiii 6–lxiv 5. In: A. Benaissa (Hrsg.): The Oxyrhynchus Papyri. Bd. 77. Egypt Exploration Society, London 2011, S. 1–11.
- Anthony R. Meyer: The Divine Name in Early Judaism: Use and Non-Use in Aramaic, Hebrew, and Greek. Ph.D. diss., McMaster University, Hamilton 2017.
- Anthony R. Meyer: Naming God in Early Judaism: Aramaic, Hebrew, and Greek. Brill, Leiden 2022.
- Jannes Smith: The Text-Critical Significance of Oxyrhynchus Papyrus 5101 (Ra 2227) for the Old Greek Psalter. In: Journal of Septuagint and Cognate Studies 45, 2012, S. 7–22.
- Michael P. Theophilos: Recently Discovered Greek Papyri and Parchment of the Psalter from the Oxford Oxyrhynchus Manuscripts: Implications for Scribal Practice and Textual Transmission. In: Paradosis 2, 2015.