Paraska Plytka-Horyzwit
ukrainische Künstlerin, Fotografin, Schriftstellerin und Ethnografin
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Paraska Stepaniwna Plytka-Horyzwit (ukrainisch Параска Степанівна Плитка-Горицвіт; * 1. März 1927 in Bystrez, Oblast Iwano-Frankiwsk; † 16. April 1998 in Kryworiwnja) war eine ukrainische Huzulen-Künstlerin, Fotografin, Schriftstellerin, Ethnografin und Dialektologin.
Leben und Wirken

Paraska Plytka-Horyzwit wurde in der Familie des Schmiedes Stepan Plytka geboren. Ihre Mutter, Hanna, war eine geschickte Weberin und Stickerin.[1] Kurz nach ihrer Geburt ließ sich die Familie in Kryworiwnja nieder. Plytka-Horyzwit besuchte eine vierjährige Grundschule und wurde anschließend zu Hause von ihrem Vater unterrichtet, der ihr Polnisch und Deutsch beibrachte. Während der deutschen Besatzung Galiziens wurde die minderjährige Plytka-Horyzwit als Ostarbeiterin nach Deutschland verschleppt.[2] Zurück in Kryworiwnja schloss sie sich der ukrainischen Befreiungsbewegung gegen die sowjetische Okkupation an. Im Frühjahr 1945 wurde sie vom NKWD verhaftet und zusammen mit Tausenden anderen ukrainischen Frauen zunächst nach Sibirien und dann nach Kasachstan deportiert. Wegen ihrer Unterstützung der Ukrainischen Aufstandsarmee wurde sie zu zehn Jahren Straflager verurteilt.[3] Die menschenunwürdigen Haftbedingungen im Gulag-Lager führten zu schweren Gesundheitsschäden, sodass sie zeitweise auf Gehhilfen angewiesen war.
Nach Stalins Tod wurde die 27-jährige Plytka-Horyzwit aus der Haft entlassen und durfte heimkehren. Zunächst beteiligte sie sich aktiv am gesellschaftlichen Leben in Kryworiwnja, arbeitete in der Forstwirtschaft, gründete einen Chor, beschäftigte sich mit Folklore, Literatur, Malerei und Fotografie. Nach und nach zog sie sich zurück und konzentrierte sich vollständig auf ihre künstlerische Tätigkeit.
Plytka-Horyzwit verfasste Prosa, Gedichte, Tagebücher und ethnografische Aufzeichnungen, meist im huzulischen Dialekt. In den 1950er Jahren begann sie sich für Indien, das kurz zuvor unabhängig geworden war, und für Antikolonialismus zu interessieren. Ihr Abenteuerroman „Indische Glut“ (Індійські заграви) erzählt von der Reise zweier Huzulen-Frauen in ein Land, das sie nur aus den Nachrichten und Büchern kannten.[4] Das schriftstellerische Werk von Plytka-Horyzwit, zusammengefasst unter dem Titel „Geschenk an die Heimat“, umfasst 46 große handgeschriebene und maschinengeschriebene Bücher mit jeweils 500 Seiten sowie Dutzende kleiner Bücher mit ihren Illustrationen und selbstgemachten Einbänden. Ihre Interessen umfassten Philosophie, Theologie, Politik, Astronomie und die Kultur Indiens; sie unterhielt schriftliche Korrespondenz mit zahlreichen Intellektuellen.[5]
Sie schuf Gemälde, Ikonen und grafische Arbeiten im Stil der naiven Kunst, häufig mit religiösen Motiven, Darstellungen des Dorflebens und huzulischer Landschaften. In ihren Bildern sind unter anderem Mahatma Gandhi, Schota Rustaweli, Lessja Ukrajinka, Iwan Franko, Taras Schewtschenko, Wassyl Stefanyk und Oksana Petrussenko dargestellt. Ihre Zeichnungsserie Schewtschenko in den Karpaten wird im Museum von Kaniw aufbewahrt. Die Serie Das Schicksal einer Huzulenin thematisiert das Leben einer Frau in den Karpaten. Das Fotoarchiv von Plytka-Horyzwit umfasst etwa 4000 Aufnahmen. Drei Jahrzehnte lang dokumentierte die leidenschaftliche Fotografin das Alltagsleben, religiöse Feste, Rituale und Porträts der Huzulen.[6] Neben Malerei und Fotografie schuf die Künstlerin auch Papierausschnitte.[7]
Paraska Plytka-Horyzwit starb am 16. April 1998 und wurde auf dem Dorffriedhof in Kryworiwnja beigesetzt.[8]
Museum in Kryworiwnja
Die Eröffnung des Museums von Plytka-Horyzwit war ursprünglich für den 1. März 2022, den 95. Geburtstag der Künstlerin, geplant. Aufgrund der russischen Invasion in der Ukraine wurde das Museum jedoch erst im Dezember eröffnet.[9]