Pascalis Romanus
Autor
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Pascalis Romanus ist ein Autor des 12. Jahrhunderts, der vor allem für seine lateinischen Übersetzungen griechischer Texte über Theologie, Traumdeutung und verwandte Themen bekannt ist. Als Italiener, der in Konstantinopel arbeitete, diente er als lateinischer Dolmetscher für Kaiser Manuel I. Komnenos.[1]
Traumdeutung (Oneirocritica)
Pascalis stellte 1165 das Liber thesauri occulti, ein lateinisches Buch über Traumdeutung, zusammen, scheint es aber nicht selbst vollendet zu haben. Das zweite Buch und der erste Teil des dritten Buchs wurden aus dem Oneirocriticon des Achmet und der Abhandlung des Artemidor_von_Daldis übersetzt oder adaptiert. Es handelt sich dabei um die frühesten bekannten lateinischen Übersetzungen Artemidors.[2] Im ersten Teil des Werkes greift Pascalis auch auf Aristoteles zurück und zitiert aus dem von ihm so genannten liber de naturis animalium, s. Historia_animalium.[3]
Pascalis verwendet das Traumklassifizierungssystem des Macrobius:
- somnium, ein Traum, der gedeutet werden muss
- visio, eine Vision, die wahr wird
- oraculum, ein wahrsagerischer Traum, der durch eine Autorität vermittelt wird
- insomnium, ein trügerischer und irreführender Traum, der durch ein körperliches Gebrechen verursacht wird
- visum, ein Alptraum mit Kontakt zu übernatürlichen Kräften[4]
Pascalis unterscheidet die drei wahrhaftigen Traumarten nach dem Grad, in dem die Seele Freiheit vom Körper erlangt, und nach der Art des Traums: Im somnium nimmt die Seele die Zukunft auf allegorische Weise wahr, in der visio auf historische Weise, und im oraculum auf prophetische Weise. Die Zukunft kann direkt enthüllt werden, aber oft vermitteln Träume ihre Aussagen auf verhüllte und allegorische Weise. Pascalis zitiert u. a. aus dem Alten Testament aus den Büchern Ecclesiastes (Kohelet) und Ecclesiasticus (Jesus Sirach):
In einer Vielzahl von Träumen gibt es Eitelkeit und viel Gerede [Eccclesiastes 5:7]; Träume und eitle Hoffnungen führen viele Menschen in die Irre [Ecclesiasticus 34:7].
Nach Pascalis sei Traumdeutung nicht generell zu meiden, sondern der symbolisch ausgedrückte Wahrheitsgehalt von Träumen zu erforschen.
Weitere Übersetzungen
Im Jahr 1169 übersetzte Pascalis die Kyraniden, ein Text mit magisch-medizinischem Inhalt, der sich auf Hermes Trismegistos beruft.
Weitere lateinische Übersetzungen aus dem Griechischen von Pascalis sind die Ystoria Beate Virginis Marie des Priesters und Mönchs Epiphanios (8./9. Jh.) und die Disputatio contra Judaeos, die Anastasios Sinaites zugeschrieben wird (nicht ohne chronologische Probleme).[5]
Textausgaben
- Delatte, Louis (1942). Textes latins et vieux français relatifs aux Cyranides. Paris: Droz. https://donum.uliege.be/bitstream/2268.1/13775/1/PHL_093_Textes.pdf
- Collin-Roset, S. "Le Liber thesauri occulti de Pascalis Romanus (Un traité d'interprétation des songes du XIIe siècle)". Archives d'histoire doctrinale et littéraire du Moyen Age 30 (1963) 111–198.
Ausgewählte Bibliographie
- The Occult Sciences in Byzantium. Edited by Paul Magdalino and Maria Mavroudi. Geneva: La Pomme d'or, 2006. Eingeschränkte Vorschau online.
- Thomas Ricklin, Der Traum der Philosophie im 12. Jahrhundert. Traumtheorien zwischen Constantinus Africanus and Aristoteles. Leiden/Boston/Köln 1998, v. a. S. 247–270.