Passionsspielhaus Erl
Theater in Erl
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Das Passionsspielhaus Erl ist ein Konzerthaus in der Tiroler Gemeinde Erl, Österreich. Hier werden die Passionsspiele Erl aufgeführt. Das Haus wurde 1956 bis 1959 anstelle des 1933 abgebrannten Passionsspielhauses als eines der ersten öffentlichen Kulturbauten in Tirol nach dem Zweiten Weltkrieg errichtet und 1996/1997 erweitert. Es wurde von Robert Schuller entworfen und 1985 unter Denkmalschutz gestellt.

Lage

Im Unterinntal, nördlich von Kufstein und nahe der Grenze zu Deutschland liegt das Passionsspielhaus südlich des Dorfes Erl im Ortsteil Mühlgraben. Es wurde am Fuß der Niederndorfer Berge[1] in unverbauter, weithin sichtbarer Lage angeordnet. Das Haus hat die Adresse Mühlgraben 56 und liegt auf ca. 500 Meter Höhe. Südlich daneben liegt das Festspielhaus Erl.
Geschichte
Seit 1613 wird in Erl die Passionsgeschichte aufgeführt. Schon Mitte des 16. Jahrhunderts fanden die ersten nachgewiesenen Spiele in einem Spieltennen, der „Comedihittn“ im Ortsteil Scheiben statt. Das Kellergewölbe dieses Baus ist heute noch erhalten. Danach spielte man in verschiedenen Häusern nahe der Blauen Quelle, auf dem Dachboden des Postwirts oder neben dem Trockenbach am Mühlgraben im sogenannten Amphitheater.[2] Der Gastwirt Domenikus Weinzierl ließ 1850 ein Gebäude für Aufführungen errichten. Mängel des Gebäudes bei einer steigenden Anzahl der Besucher machten einen Neubau notwendig.[3] Von 1909 bis 1911 wurde in Erl ein Passionsspielhaus errichtet, das 1500[4] Plätze aufwies. Es befand sich im Ortsteil Weidau.[5] Der Bau war schlicht und die Grundfläche betrug 18 Meter mal 50 Meter. Das Gebäude war bis zu 17 Meter hoch.[4] Dieser einfache Bau wurde durch eine Brandstiftung[6] im Jahr 1933 zerstört.[5] Zu einer schnellen Wiedererrichtung kam es nicht und in der Zeit des Nationalsozialismus waren die Passionsspiele verboten.[7] 1946 wurde der Passionsspielverein wieder gegründet.[3] Erst in den Jahren 1956 bis 1959 errichtete man das Passionsspielhaus als eines der ersten öffentlichen Kulturbauten in Tirol nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. In den Jahren 1996 und 1997 wurde eine Erweiterung vorgenommen. Es wurden Büro- und Kassenräume und ein Foyer geschaffen. Der Hauptbau wurde saniert. Danach wurde der Komplex auch für Opernaufführungen genutzt.[8] 2012 wurde dann ein eigenes Festspielhaus in Erl eröffnet, das sich dunkel und kantig vom hellen, runden Passionsspielhaus abhebt.
Beschreibung

Das Haus wurde als Stahlbeton-Skelettbau mit Ausfachung in Betonhohlsteinen errichtet. Danach erhielt das Gebäude einen weißen Verputz. Der Bauplatz ist ein sanft steigendes Wiesengelände. Diese natürliche Steigung nutzte der Architekt, um die ansteigenden Zuschauerränge in den Hang zu bauen. Das Volumen des Baus besteht aus einer weit ausgreifenden Schnecke, die ihre Außenwirkung durch die klare, aufstrebende Struktur und die weißen Fassadenflächen erzielt. Diese weiße Schnecke schwebt über der nach außen offenen Vorhalle. Die Halle wird vom südlichen Vorplatz erreicht und durch die ausladenden Pfeiler und mächtigen Unterzüge unter der Sichtbetondecke gestützt. Der hohe Teil der Fassade über der Halle wird durch ein enges Raster von 34 kleinen Fensteröffnungen strukturiert. Die Fenster sind in 7 Reihen übereinander versetzt angeordnet und bestehen in jeder Reihe abwechselnd aus vier oder sechs Fenstern. An der nördlichen Längsseite des Baus befinden sich die Bühnenrampe und drei große Zugänge zum Zuschauerraum. Auch die Geschossverteilung wurde dem ansteigenden Gelände angepasst. Der Zuschauerraum und die Bühne werden über zwei symmetrisch angelegte Treppen seitlich der Bühne erschlossen. Bei der Innengestaltung des Theatersaals wurden Sichtbeton und Holz verwendet.[8] Der Schnürboden ist ebenfalls sichtbar, da eine ehemals geplante Betonzwischendecke nicht realisiert wurde.[7] Im westlichen Bereich des Gebäudes befindet sich eine halbkreisförmige Bühne mit einer Breite von 25 Metern für bis zu 500 Akteure des Passionsspiels. Es gab ursprünglich keinen Orchestergraben.[9] Östlich an die Bühne grenzte ansteigend der Zuschauerraum mit mehr als 1.500 Plätzen.[8] Das Auditorium ist das größte reine Parterretheater Österreichs.[10] Die sichtbare Dachtragkonstruktion besteht aus hölzernen Fachwerkbindern. Der Bau verfügt über eine außergewöhnlich gute Akustik.[8]
Seit der Sanierung 1997 gibt es einen Buffetbereich und 2003 wurde ein Kunstraum und ein Veranstaltungsraum für 150 Personen angebaut. 2006 bis 2007 wurden die Sanitäranlagen für die Zuschauer erneuert. Es wurden auch eine Art Orchestergraben mit Hebebühne und ein Unterbau für die Hauptbühne errichtet. Der Zuschauerraum bekam eine induktive Höranlage und einen neuen Fußboden. Auch der Bereich der Beleuchtungsstege, die Außenanlage, der Kellerraum unter der Rampe für den Esel, ein Kiosk und die haustechnischen Anlagen wurden erneuert, die Garderoben und das Treppenhaus saniert.[9]
Die neueren Anbauten umschließen den Vorplatz. Sie wurden in den Hang hinein gesetzt und erhielten begrünte Dächer, so dass sie mit der Landschaft verschmelzen und die Wirkung ursprünglichen Baus aus dem Jahr 1959 erhalten bleibt.
Die Orgel von Orgelbau M. Walcker-Mayer stammt aus dem Jahr 1960. Die Orgel mit naturfarbenen Kupferpfeifen fügt sich harmonisch in die Innengestaltung des Hauses ein.[3][11]
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Denkmalschutz
Das Passionsspielhaus wurde im Februar 1985 unter der Inventar-Nr. 2909 als unbewegliches Denkmal in das Kunstkataster aufgenommen.[8]
Literatur
- Friedrich Achleitner: Österreichische Architektur im 20. Jahrhundert. Bd. 1: Oberösterreich, Salzburg, Tirol, Vorarlberg, Residenz Verlag, Salzburg-Wien 1980, ISBN 978-3-7017-0248-0 S. 300.
- Dehio-Handbuch. Die Kunstdenkmäler Österreichs. Topographisches Denkmälerinventar. Herausgegeben vom Institut für österreichische Kunstforschung des Bundesdenkmalamtes Tirol. Bearbeitet von Gert Ammann, Erich Egg, Johanna Felmayer, Josef Franckenstein, Wolfram Helke, Horst R. Huber, Herta Öttl, Meinrad Pizzinini. Mit Beiträgen von Martin Bitschnau, Lois Ebner, Hans Gschnitzer, Gerhard Kaltenhauser, Helmut Krajicek, Elisabeth Scheicher, Hannsjörg Ubl, Liselotte Zemmer-Plank. Verlag Anton Schroll & Co., Wien 1980, ISBN 3-7031-0488-0, S. 242.
- Horst Bliem, Horst Parson, Jörg Streli (Hrsg.): Autochthone Architektur in Tirol: individuelle Figuren der Tiroler Baukunst im kollektiven Rahmen der Alpinen Landschaftsrezeption = Architecture in Tyrol : individual figures of Tyrolean architecture in the collective framework of the reception of the Alpine landscape, Hall/Tirol 1992, S. 106 ff.
- Paul Naredi-Rainer, Lukas Maderspacher: Kunst in Tirol, Bd. 2: Vom Barock bis zur Gegenwart, Tyrolia, Innsbruck-Wien 2007, ISBN 978-3-7022-2775-3 S. 624 ff.