Narrenturm
ehemalige psychiatrische Klinik, heute Museum
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Der Narrenturm im 9. Wiener Gemeindebezirk Alsergrund ist ein fünfstöckiger Ringbau, der von 1783 bis 1784 unter Kaiser Joseph II. errichtet wurde. Bis 1869 war das Gebäude als öffentliche psychiatrische Anstalt in Verwendung. Nach wechselnder Nachnutzung beherbergt es seit 1971 die Pathologisch-anatomische Sammlung, die 2012 in das Naturhistorische Museum eingegliedert wurde.

Gebäude
Bezeichnung
Die allgemeinen zeitgenössischen Bezeichnungen für das Gebäude lauteten im 18. und frühen 19. Jahrhundert „Irrenhaus“[1] und „Tollhaus“[2]. Doch schon der mutmaßlich ausführende Baumeister Joseph Gerl bezeichnete es in seinen Lageplänen nicht nur als „Das Narren Haus“, sondern auch spezifisch als „Der neue Narrenthurn“.[3] Auch der früh verwendete Begriff „Irrenturm“[4][5] spielte auf seine Höhe an und setzte sich als Bezeichnung im internen Sprachgebrauch der Anstalt durch.[6] Hingegen ist im allgemeinen Sprachgebrauch und Volksmund seit jeher überwiegend der Begriff Narrenthurm bzw. Narrenturm in Gebrauch.[7]
Von der ungewöhnlichen Rundform und dem Bauherrn leitete sich in Wien die scherzhafte Bezeichnung „Kaiser Josephs Gugelhupf“ ab,[4] die ab 1848 nachweisbar ist.[8] Daraufhin wurde der „Guglhupf“ in Wien sogar generell zur volkstümlichen Bezeichnung für eine psychiatrische Anstalt.[9]
Entstehung in der Wiener Gesundheitsreform 1784

Der Narrenturm, der als „architektonische Besonderheit“[10] gilt, wurde von Kaiser Joseph II. im Zuge einer Neuordnung des Wiener Gesundheitssystems angeordnet und finanziert. Joseph II. ließ die bisher bestehenden öffentlich und dezentral geführten Wiener Krankenhäuser schließen und zentralisierte das Krankenhauswesen am Standort des bestehenden Großarmenhauses in der Alser Straße,[11] dessen Klienten gegen fortlaufende Geldzahlungen entlassen wurden. Das derart konzipierte Allgemeine Krankenhaus sollte neben mehreren Krankenabteilungen und einer Gebärabteilung auch eine psychiatrische Abteilung unter einem Direktorat vereinigen.[12.1]
Die Bauarbeiten begannen im Jahr 1783,[13] nachdem die vorher am Gelände stehenden Gebäude des „Contumazhofs“ abgerissen worden waren.[14.1] Zeitgleich mit dem Narrenturm wurde das anliegende Militärspital mit dem Josephinum errichtet.[15]
Gebäudenutzung

Die Erstbelegung des Narrenturms erfolgte am 2. April 1784 mit der Übersetzung von psychisch kranken Patienten aus den zum damaligen Zeitpunkt noch bestehenden Trakten des Contumazhofes.[14.2] Die weitere Belegung des von ihm „Irrenhaus“ genannten Gebäudes hatte Joseph II. selbst in einer detaillierten Anordnung geregelt. Vom 10. bis zum 19. April 1784 wurden 109 psychisch Kranke, die bisher in anderen Wiener Spitälern untergebracht gewesen waren, in den Turm transferiert.[16] Am 20. April 1784 erfolgte erstmals die Überstellung von psychisch kranken Militärangehörigen aus Pest in das Erdgeschoß des Turms. In Folge bildete jedes Stockwerk eine eigene, nach Geschlechtern getrennte Abteilung jeweils für ruhige, unruhige oder unreine Patienten.[17]
Der Turm wurde bis 1869 zur Unterbringung von psychisch Kranken verwendet. Ab diesem Jahr[18][19] bis 1993[20] wurde er als Dienstunterkunft für Krankenhauspersonal, Lager und Werkstätte genutzt.[21] Ein 1902 geplanter Abriss[22] des Narrenturms wurde nicht vollzogen.
Seit 1971 beherbergt der Turm die 1796 durch den damaligen Krankenhausdirektor Johann Peter Frank begründete Pathologisch-anatomische Sammlung Wien, die seit 2012 in die wissenschaftliche Anstalt Naturhistorisches Museum Wien (nhm) eingegliedert ist.[23][24]
Architektenfrage
Nicht abschließend geklärt werden konnte bisher, von wem der architektonische Entwurf des Narrenturms stammt. In der Literatur liegen dazu widersprüchliche Angaben vor. Lange wurde Hofarchitekt Isidore Canevale als Hauptverantwortlicher angenommen, da er den Gesamtplan für das Allgemeine Krankenhaus und das Josephinum entwarf.[25][26] Als Entwerfer in Frage kam auch Joseph Gerl, doch war dieser wohl nur der ausführende Baumeister und Bauunternehmer,[13] der auch den Umbau des benachbarten Großarmenhauses bewerkstelligte.[27][28] Der Medizinhistoriker Dieter Jetter schrieb die Pläne dem Arzt und ersten Direktor der neuen Gründung Josef von Quarin zu.[29]
Vor dem Hintergrund der ungesicherten Architektenfrage hat die schon 1790 vom kaiserlichen Leibarzt Giovanni Alessandro Brambilla veröffentlichte Nachricht Gewicht, dass Kaiser Joseph II. selbst diesen ungewöhnlichen Bau entwarf.[5] Joseph II. beteiligte sich auch an der Planung anderer von ihm angeordneter Bauwerke, die durch das Hofbauamt unter Isidor Canevale ausgeführt wurden.[30.1]
Bautypologie und Theorien zur Baugestaltung

Der Narrenturm ist ein Beispiel für den seltenen Bautyp eines Ringbaus. Die architektonischen Vorbilder des originellen Bauentwurfs sind bisher nicht näher erforscht. Autoren des 20. Jahrhunderts brachten unter anderen Festungs- und Gefängnisbauten wie die Pariser Bastille (14. Jahrhundert) oder das Castell de Belver (14. Jahrhundert) auf Mallorca sowie Kranken- und Zuchthäuser wie das Rasphuis in Gent (ab 1773), das Hôtel-Dieu in Lyon (1637–1764) oder das Pariser Hotel des Invalides (1670–1676) mit dem Narrenturm in Verbindung.[31][32] Zu solchen anderen europäischen Ringbauten, als deren gemeinsames Vorbild teilweise die römische Engelsburg diskutiert wird,[33] liegen in der bisherigen Literatur zum Narrenturm keine Vergleiche vor.
Der dänische Reiseschriftsteller Adolph Schack von Staffeldt deutete die Architektur des runden Narrenturms 1796 als „ein Symbol der Tollen“ nach der Redensart „tourner la tête“.[34.1] In ähnlicher Hinsicht wurde in der Literatur auch darauf hingewiesen, dass ein Turm in der abendländischen Kultur aufgrund des Turmbaus zu Babel symbolisch für Verwirrung stünde. Dieser Denkschule nach wurde der Turm als „Kunstbau“ aufgefasst, wobei dessen Nutzbarkeit sogar hinter seinem idealen Erscheinungsbild zurücktrat.[12.2][35][36]
Giovanni Allesandro Brambilla vertrat bereits 1790 die Auffassung, dass der Narrenturm nach einem medizinisch-therapeutischen Gestaltungsgrundsatz entworfen worden sei. Brambilla schilderte die Fallgeschichte eines melancholischen Wundarztes, der dadurch geheilt wurde, dass er aus einem Massen-Krankensaal in ein Einzelzimmer verlegt worden sei. Joseph II. habe daraufhin die Vereinzelung von psychisch Kranken als heilendes Prinzip erkannt und im Narrenturm baulich umgesetzt.[5.1] Der Medizinhistoriker Dieter Jetter spekulierte 1961, dass der Narrenturm absichtlich zur Maximierung von Zugwinden wie ein Schornstein gestaltet worden sei, um krankmachende „Miasmen“ von den Patienten abzuziehen.[29.1] Der Autor Alfred Stohl führte 2000 den Entwurf auf esoterisch-kosmisch-numerologische Prinzipien zurück, die von Joseph II. im Bau eingeschrieben worden seien, um heilend auf die Kranken einzuwirken.[37] So sei etwa die Anzahl von 28 Zellen je Geschoß auf den Mondkalender zurückzuführen als bauliche Versinnbildlichung der früheren Bezeichnung „Mondsüchtige“ für psychisch Kranke.[37.1]
Hinsichtlich des achteckigen Dachreiters werden in der baugeschichtlichen Forschung Ähnlichkeiten zu einigen anderen Wiener Privatbauten Josephs II., wie dem Lusthaus im Prater (1781–1783), der bauähnlichen, aber heute nicht mehr bestehenden Josephsruhe am Laaer Berg (1786)[38] sowie der Kleinen Gloriette im Schlosspark Schönbrunn (ca. 1775), beschrieben. Vermutet wird, dass das wiederholt anzutreffende Gestaltungselement von achteckigen Türmchen oder Räumen eine sprachliche Verbindung zum ersten römischen Kaiser Octavian war und als ein „architektonisches Icon“[30.2] Josephs II. zu verstehen sei.
Baubeschreibung
Der Narrenturm steht nördlich des (Alten) Allgemeinen Krankenhauses (AKH) in einem Hofwinkel westlich des alten „Militär-Haupt-Spitals“ (Josephinum); die Postanschrift lautet Spitalgasse 2. Eigentümer ist die Universität Wien. Der Baugrund ist uraltes Siedlungsgebiet: 2017 kam bei Bauarbeiten im westlichen Innenhof ein römerzeitliches Brandgrab zutage.[39] Das ursprünglich frei und auf einer eigens künstlich aufgeschütteten Erhebung stehende Gebäude wirkt heute durch das östlich benachbarte, 1862 eröffnete Pathologische Institut mit dessen Hörsaal-Anbau von 1882[40] (Spitalgasse 4, seit 2000: Zentrum für Hirnforschung) im sogenannten AKH-Hof 6 relativ eng eingebaut.
Funktional gehörte der Narrenturm zum Bereich des (Alten) Allgemeinen Krankenhauses, architektonisch ist er jedoch mit dem Haupteingang auf das im Nordosten anschließende, gleichzeitig entstandene „Militär-Haupt-Spital“ ausgerichtet.[41]
Der Narrenturm ist bautypologisch kein Turm, sondern ein fünfstöckiger, unterkellerter Ringbau mit einem Durchmesser von etwa 40 Metern (21 Wiener Klaftern)[42] und rund 16,40 m (8½ Wiener Klafter) Traufhöhe. Der kreisrunde Zellenring hat eine Tiefe von gut 7,60 m (4 Klaftern). Den eigentlich runden Innenhof zerteilt in Querrichtung der „Sehne“[43.1] genannte Mitteltrakt der Wärter in zwei Teilhöfe.
Die Fassaden des Ziegelmauerwerks sind außen – über einem hohen glatten Sockel – mit einer von Gurtgesimsen unterbrochenen Putzquaderung überzogen; hingegen sind die Fassaden der beiden Innenhöfe schlicht und glatt verputzt. Zwei moderne Quellen berichten, dass über dem Turmportal unter Josephs Nachfolger Leopold II. die lateinische Inschrift Custodiae mente captorum („Zur Verwahrung der Irren“) angebracht worden sei.[44][12] In zeitgenössischen Quellen ist diese Inschrift aber nur für die 1790 eröffnete Prager Irrenanstalt verbürgt.[45][46.1]
Eine historische Bauaufnahme des Gebäudeschnitts zeigt im Innern des Gebäudes auffällige Unterschiede der einzelnen Geschoße. So ist der Ringbau vom Keller über das Erdgeschoß nach oben bis einschließlich des dritten Obergeschoßes vollständig gewölbt, davon abweichend weist das vierte Obergeschoß Flachdecken auf. Auch sind die Räume im Erdgeschoß deutlich höher. Aufgrund der unterschiedlichen Deckenhöhen ermöglichten die knapp unter dem Gewölbescheitel angebrachten Fenster des Erdgeschoßes nur eingeschränkte Sicht nach außen, während die tiefer liegenden Obergeschoßfenster das Hinausblicken zuließen. Ebenfalls abweichend konstruiert ist der mittlere Sehnentrakt, dessen Flachdecken zur Zierde offenbar ehemals Vouten aufwiesen.[47]
Ursprünglich besaß der Ringbau des Narrenturms insgesamt 139 Zellen (zunächst „Behälter“[43.2] oder „Behältnisse“[48] genannt) zur Unterbringung der Patienten: in jedem Stockwerk 28 Zellen, im Erdgeschoß wegen des Eingangs nur 27 Zellen. Im Mittel waren 200 bis 250 Insassen untergebracht.[43.3] Jede gewölbte Zelle nahm zwei Insassen auf, war knapp 11 Quadratmeter groß (284 cm = 9 Wiener Schuh hoch, 347 cm = 11 Schuh lang, 316 cm = 10 Schuh breit) und hatte an der Außenwand ein vergittertes schießschartenartiges Fenster. Der Boden der Zellen bestand aus Dielen oder Mergelsteinpflaster und war zur Tür hin abschüssig, sodass Wasser und Urin abfließen konnten. Jede Kammer war doppelt versperrt – außen mit einer dicken Holztür, die ein Sichtfenster hatte, innen mit einem Eisengitter.[43.2] In den Wänden und Böden gab es eiserne Ringe, an denen tobende Insassen mit Ketten „geschlossen“ werden konnten.[43.1]
Der Narrenturm-Forscher Daniel Vitecek schätzt den Narrenturm als „experimentelles Bauwerk“[43.2] ein, an dem neue, noch nicht ausgereifte Sanitär- und Heiztechniken ausprobiert wurden. So hatte jede Zelle zwar einen Abtritt mit Rohrverbindung zum Alserbach, aber keine Wasserspülung, was zum Verstopfen und Einfrieren der Fallrohre führte.[49] Auch die über Schächte aus dem Keller beschickte Warmluftheizung funktionierte nicht. Beides wurde bald durch dauerhafte Provisorien ersetzt.[43.2] Der Narrenturm besaß ursprünglich keinen Brunnen; Wasser musste aus dem benachbarten Allgemeinen Krankenhaus und dem Alserbach herbeigetragen werden.[43.2] Auf der Innenseite des Zellenrings dient ein umlaufender, ebenfalls gewölbter Gang zur Erschließung, der zugleich einen in den runden Innenhof quergestellten Mitteltrakt mit dem daran angebauten Treppenhaus anbindet.[50] In diesem Trakt war das Wachpersonal untergebracht, das dadurch „mit eingesperrt [war], denn auch ihm blieb nur der knappe Blick in die winzigen Innenhofsegmente gewährt“.[51] Insgesamt stellte die Grundrissorganisation des Rundbaus „mit seinen zirkulären Fluren das Gegenteil eines panoptischen Systems dar […] – mehr als fünf Türen sind gleichzeitig nicht zu überblicken“.[51] Ein weiterer Entwurfsmangel war, dass der Umlaufgang nur durch die Wärterwohnungen betreten werden konnte und dass die Insassen auch nur durch diese in die beiden kleinen Innenhöfe gelangen konnten. Dadurch war immerhin eine strenge Bewachung der Insassen gewährleistet.[43.2]
- Historische Pläne
- Ansicht: „Aufris des neuerbauten Narren Hauses im Jahr 1783 in Wien“ (Originaltitel[52])
- „Grundris unter der Erde. / Grundris zu ebener Erde. / Neuerbautes Narren haus / im Jahr 1783. / in Wien“ (Originaltitel[53])
- Untergeschoß mit Heizungsschächten und Abwasserkanälen (Joseph Gerl, 1784)
- Erdgeschoß (Joseph Gerl, 1784)
- Obergeschoß (Joseph Gerl, 1784)
- Grundriss eines Obergeschoßes (Bauaufnahme von Robert Smirke, 1804)
- Längsschnitt durch Ringbau und Mitteltrakt (Bauaufnahme, vor 1875)
Die Rundarchitektur zielte nicht nur auf die Abschirmung nach außen ab. Die damals als „Irre“ Bezeichneten sollten offenbar auch von den behandelnden Ärzten und Wärtern im Mitteltrakt ferngehalten werden. Aus diesem Grund gab es anfangs für die Insassen keinerlei Gemeinschaftsräume und Werkstätten.
Eine besondere Rolle in der Architektur des Narrenturms nahm schon in der Literatur des späten 18. Jahrhunderts der (spätestens in den 1930er Jahren[54] abgerissene) Dachreiter als Bekrönung des Mitteltrakts ein. Frühe Abbildungen und zwei Architekturmodelle zeigen ihn noch über das Dach des Außenrunds aufragend. Es handelte sich um ein achteckiges hölzernes Türmchen mit vier oder acht Fenstern. Das darin befindliche Zimmerchen war vom Dachboden aus erreichbar. Kaiser Joseph II. soll anfangs seine Krankenhaus-Inspektionen mehrmals in der Woche mit einem Besuch dieses Zimmers beendet haben, wie der dänische Dichter Adolph Wilhelm Schack von Staffeldt rückblickend 1796 in seinem Wien-Reisetagebuch notierte.[43.4][55] Was der Kaiser dort tat, ist nicht überliefert und war daher verschiedentlich Gegenstand von Spekulationen.[56]
Noch heute sind im Narrenturm-Innenhof Halterungen von zwei Erdungsleitungen zu sehen. Das Architekturmodell des Narrenturms, vermutlich für die Wiener Jubiläumsausstellung von 1898 angefertigt, hat am Dachfirst vier Fangruten, die über einen umlaufenden Leitungskranz mit den beiden vertikalen Erdungsleitungen verbunden sind. Falls diese Anlage bereits 1784 zeitgleich mit dem Turm entstand, handelt es sich um einen der ersten Blitzableiter Wiens.[43.5][57] Die Vermutung, dass aus diesem System abgeleitete elektrische Ladungen zur Heilbehandlung der Irren eingesetzt wurden,[58] ist ohne historische Belege und angesichts der damals schon seit Jahrzehnten erprobten Elektrisiermaschine und Leidener Flasche wenig wahrscheinlich.
Bauliche Veränderungen
Während der unterdessen weit über zweihundertjährigen Nutzungszeit wurde der Narrenturm wiederholt baulich verändert. Heute nur mehr in Überresten ist eine 1796[43] um das Gebäude herum errichtete hohe Einfriedungsmauer vorhanden. Sie ermöglichte einerseits den eingesperrten Insassen erstmals einen Ausgang und unterband andererseits das „Narrenschauen“ durch Schaulustige.[43.6]
„Da aber die meisten in dem Irrenturme befindlichen Wahnwitzigen aus Mangel eines schicklichen Platzes nie aus diesem ungesunden Gebäude gelassen werden konnten und sich auf Sonn- und Feiertage eine Menge müßiger, fürwitziger Personen um jenen Turm versammelte, die daselbst verhafteten Personen durch Zurufen störte, oft reizte, auch manchmal denselben schneidende und andere schädliche Werkzeuge zu steckte, so wurde jetzt auf meinen Rat hin durch eine Mauer aller willkürlicher Zutritt versperrt, zugleich aber zu beiden Seiten des Irrenturms ein Rasenplatz mit Bäumen besetzt und den unglücklichen Verrückten zu einiger Bewegung in freier Luft und zu ihrer Ergötzung angewiesen.“ (Johann Peter Frank, 1801)[59]

1827 wurde der Turm mit einer Warmluftheizung nach Paul Traugott Meißner nachgerüstet, die aber ebenfalls ungenügend funktionierte.[6.1] Nach einem um 1898 entstandenen Architekturmodell des Narrenturms wurden vermutlich zum Zwecke des Wärmeaustausches vergitterte Mauerdurchbrüche über den Zellentüren angelegt.[54] Nach der Einschätzung von Primararzt Viszánik aus dem Jahr 1845 waren dies die einzigen größeren baulichen Veränderungen am Turm, die bis dahin durchgeführt worden waren. Viszánik selbst ließ dann in den 1840er-Jahren schrittweise die Gittertüren und Eisenringe aus dem Turm entfernen, um dem Gebäude ein krankenhausartigeres Inneres zu verleihen.[43.7] Ebenfalls unter seinem Primariat wurden um 1845 sieben Zellen im vierten Obergeschoß zu zwei „Sälen“ zusammengelegt, die als Werkstatts-, Veranstaltungs- und Schulräume für die Patienten dienten.[43.8]
Nach 1853 wurde der Turm unter der medizinischen Leitung von Joseph Riedel für die Aufnahme von palliativen psychisch Kranken (sogenannten „Unheilbaren“) umgerüstet. In den vier Obergeschoßen des Turms wurden jeweils zwei Trennmauern eingezogen und so innerhalb eines Stockwerks jeweils eine zwölf Zellen umfassende Abteilung für ruhige und unruhige Patienten geschaffen. Ab 1857 verfügte der Turm auch über eine Wasserleitung und über eine Badeanstalt im Erdgeschoß.[43.9]

Nachdem der Turm 1869 für die Nutzung als psychiatrische Anstalt aufgegeben worden war, wurden die größten Veränderungen durchgeführt. Am auffälligsten für das äußere Erscheinungsbild des Turms war die in mehreren Bauschritten erfolgte Verlängerung der Zellenfenster[61] der Obergeschoße nach unten von drei auf fünf Quaderlagen Höhe, als die Kammern und Zellen zu Dienstzimmern umgebaut wurden. Im Erdgeschoß wurden die Zellenfenster vermutlich ebenfalls nach 1869 wegen der größeren Raumhöhe durch größere Wohnhausfenster ersetzt.[60] Als einziges verblieb das siebte Fenster rechts des Eingangs in Originalgröße.[62] (Die dazugehörige Zelle wird in der heutigen Ausstellung als „Raum 1“ bezeichnet und widmet sich der Psychiatriegeschichte des Narrenturms.[63])
Der achteckige Dachreiter des Sehnengebäudes wurde nach Vergleich zeitgenössischer Fotografien zwischen 1908[64] und 1922[65] abgerissen.
Vermutlich bereits zu seiner Nutzungszeit als psychiatrische Anstalt, auf jeden Fall aber vor 1875, wurde die Außenfassade der zwei untersten Stockwerke glatt verputzt, angeblich „um das Erklettern der Fassade durch Schaulustige zu verhindern.“[66]
Fassadengestaltung und Denkmalpflege

Die gänzlich mit einer Putzquaderung versehene äußere Fassade des aus Ziegelmauerwerk errichteten Narrenturms verleiht dem Gebäude einen „Festungscharakter“.[68] Dabei ist das heutige Erscheinungsbild (Stand Dezember 2025) des Baudenkmals das Ergebnis einer vom Bundesdenkmalamt begleiteten Generalsanierung mit umfassender Fassadeninstandsetzung. Architekt der 2012[69] begonnenen und 2020 abgeschlossenen[70] Generalsanierung war Thomas Kratschmer.[71][72] Denkmalpflegerisches Ziel soll es gewesen sein, die Fassaden „wie bauzeitlich intendiert“[70] wieder herzustellen. Jedoch zeigen Vergleiche früher Abbildungen mit Fotos kurz vor Baubeginn, dass man einen denkmalpflegerischen Kompromiss realisierte: Die nachträglichen Fensterverlängerungen der Obergeschoße wurden bei der Fassadeninstandsetzung 2020 aus Nutzungsgründen beibehalten.[70] Dahingegen verkleinerte man im Erdgeschoß die nachträglich zu Wohnfenstern vergrößerten Fenster in Breite und Höhe wieder auf die ursprünglichen Abmessungen. Ergebnis dieser Vorgehensweise sind heute unterschiedlich hohe Fenster. Eine besondere denkmalpflegerische Behandlung erfuhr 2020 die vollständig erneuerte Putzquaderung. Sie wurde in den unteren beiden Geschoßen abweichend flacher ausgeführt, um an die dort zwischenzeitlich glatte Verputzung zu erinnern.[66]
- Fassaden, Außenansichten
- Gesamtansicht mit zwischenzeitlich vergrößerten Erdgeschoßfenstern (2005)
- Fassadenausschnitt (2016)
- Eingang (2010)
- Innenhof vor der Fassadensanierung (2012)
- Innenhof (2023)
- Blick aus dem Dachfenster in den Innenhof (2025)
- Gebäudeinneres
- Inneres des vor einem vermeintlichen Abriss ausgeräumten Narrenturms (1902).
- Zellengang mit Zellentüren (2025)
- Zellentür mit moderner Türklinke und vermeintlichem Originalsichtfenster
- Sichtfenster von außen im geschlossenen Zustand
- „Die Thür ist aus dicken Brettern verfertigt, und hat in der oberen Hälfte ein kleines Fenster mit einem leichten Gitter, welches noch durch Thürchen von starken Eisenblech und eine darüber gelegte eiserne Klamme verschlossen wird.“ (Beschreibung 1845[6.2])
Nutzung als Wiener Irrenanstalt
1784 bis 1853
Ab seiner Eröffnung am 2. April 1784 diente der Narrenturm als öffentliches psychiatrisches Zentralkrankenhaus für das Erzherzogtum Österreich unter der Enns (Niederösterreich) mitsamt der Stadt Wien. Organisatorisch war er eine Teilanstalt des Wiener Allgemeinen Krankenhauses, welches durch die Zusammenlegung aller kleineren Wiener Spitäler im Zuge der josephininischen Gesundheitsreform entstand.[6][73][15] Gemeinsam mit dem 1792 angeschlossenen, heute nicht mehr bestehenden Lazarettgebäude[14] (heutiger Standort Arne-Karlsson-Park) bildete der Narrenturm bis 1853 die erste Generation der öffentlichen Wiener Irrenanstalt, die über etwa 450 Krankenbetten verfügte.[43.10][74]
Medizinisch geleitet wurde die Anstalt zunächst durch wechselnde Primarärzte der internen Krankenhausabteilungen des Allgemeinen Krankenhauses.[75] Bekannte Primarärzte aus den frühen Jahren waren u. a. Franz Nord,[76] in älteren Quellen auch North geschrieben, unter dessen Leitung die Irrenanstalt wissenschaftlich eng mit dem Begründer der Phrenologie Franz Joseph Gall zusammenarbeitete,[77] welcher mindestens 26 Patientenschädel in seine Privatsammlung aufnahm.[78] Der spätere Primararzt Bruno Görgen eröffnete nach seiner Zeit als Anstaltsarzt 1819 die erste Privatirrenstalt Österreichs, in der er fortschrittliche Behandlungsmethoden anwandte.[79]
1817 wurde die Wiener Irrenanstalt einer Neuorganisation unterzogen. Sie bekam ein eigenes Primariat zugesprochen, wodurch sie innerhalb des Allgemeinen Krankenhauses aufgewertet wurde.[76] Aufgrund der wiederkehrenden Überfüllung der Anstalt wurde 1817 im damaligen Versorgungshaus Ybbs an der Donau eine Zweigstelle für etwa 450 unheilbar psychisch Kranke aus der Wiener Irrenanstalt geschaffen,[80] aus der sich später das unabhängige und bis heute bestehende psychiatrische Krankenhaus Ybbs an der Donau formte.
Da der Narrenturm bereits wenige Jahre nach seiner Eröffnung als medizinisch veraltet galt, wurden ab den 1820er Jahren durch die AKH-Direktion unter Johann Nepomuk von Raimann Pläne für einen Neubau der Wiener Irrenanstalt erstellt. Zu diesem Zweck wurde durch die Direktion das bisher unbebaute Bründlfeld neben dem Wiener Allgemeinen Krankenhaus aufgekauft. Aufgrund Geldmangels konnte aber kein Neubau realisiert werden.[81] Nachdem die Wiener Irrenanstalt in der deutschsprachigen Presse wegen des Fortbestehens des Narrenturms unter heftige Kritik geriet,[43.11] wurde in den 1840er-Jahren der Planungsprozess zu einem Neubau wieder intensiviert, wobei u. a. die Psychiater Michael Viszanik, Josef Riedel und Carl Spurzheim als Programmgeber beteiligt wurden.[82] Das neue Hauptgebäude der Wiener Irrenanstalt Am Bründlfeld wurde ab 1848 gebaut und konnte am 1. August 1853 offiziell eröffnet werden.[83]
1853 bis 1869
Die ursprüngliche Planung für die nunmehr vom Allgemeinen Krankenhaus unabhängig gewordene Wiener Irrenanstalt sah die Schließung des Narrenturms vor. Da das neue Gebäude Am Bründlfeld aber nur für etwa 500 Patienten geplant worden war und die Irrenanstalt aufgrund des Zuwachses der Wiener Bevölkerung durch Zuzug unter vermehrtem Aufnahmedruck stand, musste ihr neuer Direktor Josef Riedel den Narrenturm zur Patientenunterbringung bestehen lassen.[43.12]
Nach dem Vorbild des im gesamten deutschsprachigen Raum üblich gewordenen Psychiatrietyps der relativ-verbundenen Heil- und Pflegeanstalten wurde das Gebäude Am Bründlfeld zur Heilanstalt und der Narrenturm zur Pflegeanstalt der Wiener Irrenanstalt erklärt. In dieser Zeit wurden in dem nur teilweise modernisierten Narrenturm hauptsächlich palliative psychiatrische Patienten bis zu ihrem Tod betreut. Mit ihren beiden Gebäuden verfügte die zweite Generation der Wiener Irrenanstalt bis 1869 über etwa 750 Krankenbetten.[84] Die Fortführung des Narrenturms als psychiatrisches Krankenhaus wurde öffentlich als Scheitern der Wiener Psychiatrie angesehen.[43.13]
1865 ging im Zuge einer Gebietsreform der bisher zentralstaatlich geführte Irrenfonds, dem die Finanzierung sämtlicher Irrenanstalten im Kaisertum Österreich oblag, mitsamt den Irrenanstalten in den Besitz der jeweiligen Kronländer des Kaisertums Österreichs über. Die neu formierte niederösterreichische Landesregierung beschloss 1866 die Schließung des psychiatrischen Krankenhauses im Narrenturm. Zu diesem Zweck wurde das Gebäude Am Bründlfeld zu einer relativ-verbundenen Heil- und Pflegeanstalt umgewidmet[85] und eine weitere psychiatrische Filialabteilung für unheilbar psychisch Kranke im Krankenhaus Klosterneuburg geschaffen, die ab 1870 als eigenständige Irren-Siechen-Anstalt Klosterneuburg (Geriatriezentrum Klosterneuburg) eröffnet wurde. Am 4. Juni 1869 wurde der Narrenturm für die Patientenunterbringung geschlossen.[43.14]
Patienten und medizinische Behandlung
„Niemand darf es läugnen, daß der Eintritt in eine Irrenanstalt einen wirklichen Verlust der Freiheit voraussetze, eine Gewaltthätigkeit, welche die Gesellschaft gegen eines ihrer Mitglieder nur im Interesse Aller, oder zum Wohl eines Bürgers, der ohne dieses Opfer seine Vernunft nicht erlangen kann, ausüben darf.“ (Michael von Viszánik, 1850[86.1])
Die Aufnahme von Patienten erfolgte, nachdem ein auswärtiger Mediziner oder Wundarzt ein Zeugnis über das Vorliegen einer psychischen Erkrankung vorlegte und eine Einweisung aussprach.[43.15] Zunächst wurden die Neuaufnahmen im Narrenturm untergebracht, ab 1807 sollten die Patienten „bey nicht gleich bemerktem oder zweifelhaftem Wahnsinn“ zunächst ins Lazarett zur „vorläufigen Untersuchung“ aufgenommen werden.[87] Da bei Einweisung durch Behörden oder Polizei nicht immer die rechtlich erforderlichen Dokumente vorlagen, wurde 1828 im Allgemeinen Krankenhaus eine von der Wiener Irrenanstalt unabhängige psychiatrische Zentralaufnahme geschaffen, in der alle Patienten zunächst außerhalb der Irrenanstalt psychiatrisch untersucht wurden, ohne die rechtlichen Nachteile zu erleiden, die mit der Aufnahme in die Irrenanstalt einhergingen.[43.16]
„Der Kranke wird bei seiner Ankunft in ein eigenes Beobachtungszimmer gebracht, welches nicht im Thurme, sondern in einem nächstgelegenen Flügel des Spitales sich befindet, aber in den Garten des Thurmes geht. Dort wird der Kranke gehörig beobachtet, und erst nach einem Konsilium, bestehend aus dem Spitalsdirektor und drei Primarärzten, wird über einen Zustand und die daraus folgende Aufnahme oder Entlassung verfügt.“[88.1]
Aus der psychiatrischen Zentralaufnahme im AKH wurde 1875 die „II. Wiener Psychiatrische Klinik“, die sich zur heutigen Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie weiterentwickelte.[43.17]
Die Behandlung der Patienten im Narrenturm war zunächst noch von den humoralpathologischen Verfahren der traditionellen europäischen Medizin geprägt.[43.18] In den späten 1830er-Jahren wurden die humoralpathologischen Verfahren zugunsten von Kaltwasserbehandlungen ausgeschlichen.[6.3] Die psychologische Therapie nach Johann Christian Reil wurde durch Beschäftigungs- und Kunsttherapie ab 1800 schrittweise etabliert. Im Verständnis, dass Patienten oft aus gesellschaftlichem „Noth und Elend“[86] zur Aufnahme kamen, galt die Einweisung ins geregelte Leben der Irrenanstalt nach der zeitgenössischen psychiatrischen Lehre als „erstes Hauptmittel“ zur Heilung.[86.2]

Dem Personal war es streng verboten, Patienten zu misshandeln. Die Kranken konnten aber nach ärztlicher Anordnung u. a. durch Nahrungsentzug diszipliniert werden.[86.3] Bis in die 1840er Jahre wurden die in den Turmkammern eingelassenen Eisenketten zur Fixierung verwendet, danach wurden nur noch die als gelindere Mittel geltenden Zwangsjacken und Bettgurte angewandt.[43.7] Gegen Anfang der 1860er-Jahre kam das Non-Restraint-System in Gebrauch, das auf die Anwendung körpernaher Beschränkungen verzichtete, aber zur Isolierung Weichzellen nutzte.[43.19] Das Non-Restraint-System konnte bis zuletzt aufgrund der baulichen Gegebenheiten im Narrenturm nicht umgesetzt werden.[90]
Die Zwangseinweisung der Patienten war der Regelfall. Wie im Allgemeinen Krankenhaus auch, gab es drei Bezahlklassen, wobei knapp 70 % der Patienten als arm eingestuft waren und unentgeltlich behandelt wurden.[43.20] Der Zusammensetzung des österreichischen Vielvölkerstaates entsprechend, kamen über 40 % der Patienten nicht aus Wien oder Niederösterreich,[43.21] was die Behandlung teilweise erschwerte.[79.1] Die Anstalt galt daher als eine „gross-österreichische“.[91]
Zwischen 1784 und 1869 wurden etwa 27.000 Aufnahmen in der Wiener Irrenanstalt verzeichnet.[92] Davon waren 53,5 % männlichen und 46,5 % weiblichen Geschlechts. Von den Patienten wurden ca. 42 % als geheilt und ca. 30 % als ungeheilt entlassen oder in andere Anstalten transferiert; ca. 28 % verstarben in der Anstalt.[43.22]
| Zeitraum | Vorstand |
|---|---|
| 1784 bis 1795 | wechselnde Primarärzte unter den AKH-Direktoren Quarin und Melly |
| 1795 bis 1805 | Primar Franz Nord |
| 1805 bis 1808 oder 1813 | Primar Bruno Görgen |
| 1808 oder 1813 bis 1826 | Primar Ignaz Eisl (Irrenanstalt ab 1817 eigenständiges Primariat innerhalb des AKHs) |
| 1826 bis 1831 | Primar Franz Xaver Ritter von Güntner |
| 1831 bis 1835 | Primar Karl Folwarczny sen. |
| 1835 bis 1839 | Primar Leopold Köstler |
| 1839 bis 1851 | Primar Michael von Viszánik |
| 1851 bis 1870 | Direktor Joseph Gottfried von Riedel (Irrenanstalt ab 1851 unabhängig vom AKH) |
Rezeption und medizinhistorische Bewertung
Die ungewöhnliche Bauform des Narrenturms, das kaiserliche Engagement und die psychisch Kranken interessierten sowohl Fachleute wie Schaulustige, als Forschungsgegenstand und als Sehenswürdigkeit – bis in die Gegenwart.[51] Zeitgenössische Bewertungen zum Narrenturm fielen zumeist negativ aus, wobei u. a. das ärztliche Personal der Irrenanstalt seine Ungeeignetheit als psychiatrisches Krankenhaus hervorhob. Der Turm wurde als ein „leider (…) unzweckmäßiges, ohne Noth in so bizarrer Form errichtetes Gebäude“, angesehen.[93] AKH-Direktor Johann Peter Frank nannte den Turm schon 1801 ein „ungesundes Gebäude“.[59] Primar Bruno Görgen, Vorstand der Irrenanstalt ab 1805, sah den Turm nach einem „höchst unglücklichen Plane“ ausgeführt.[79] Der Wiener Journalist Adolf Schmidl kritisierte nicht nur den ausgeführten Bau, sondern auch die hinter ihm stehende Reform des Wiener Gesundheitswesens: „Der eigentliche Thurm ist eine wahre Verkörperung des Josephinischen Zentralisationssystemes, und ein monumentaler Beweis wohin eine an sich vortreffliche Idee führt, wenn sie ohne Berücksichtigung der Verhältnisse ausgeführt wird und dann eben nichts darstellt als ein Extrem.“[88]

Die verantwortlichen Ärzte der Wiener Irrenanstalt beharrten allerdings darauf, trotz des unpassenden Turms eine den Standards der Zeit angepasste Einrichtung zu betreiben. Vor allem Primar Michael Viszànik verteidigte die Anstalt öffentlich gegen Kritik: „Kein im Gebiethe der Psychiatrie als zweckmäßig erkanntes Verfahren wird in dem hiesigen Irren-Asyle unbachtet [sic] gelassen, jede wahrhafte Verbesserung findet ihre Anwendung.“[94] „In unserer Anstalt herrscht, als leitende Seele derselben, die Humanität.“[76] Um den Ruf der Anstalt im In- und Ausland zu bessern, publizierte die Irrenanstalt ab den 1840er-Jahren regelmäßig Berichte über die Patientenbetreuung: „Die medicinische Behandlung ist sehr einfach, und wird aufs möglichste individualisierend eingeleitet; es wird demgemäss nicht die Melancholie, sondern der Melancholische, nicht die Tobsucht, sondern ein Tobsüchtiger behandelt.“[95]
Medizinhistorisch findet sich bereits im 19. Jahrhundert die Einschätzung, dass der Narrenturm „die erste Anstalt in Europa“ gewesen sei, „die vom Grunde aus ausschließlich“ zum Zwecke der „Aufnahme und Heilung“ psychisch Kranker erbaut worden sei.[6] Aus dieser und ähnlichen Quellen speisen sich superlative Äußerungen, wonach der Narrenturm „Europas erste psychiatrische Klinik“ gewesen sei,[96] wobei der Narrenturm dabei u. a. in narrative Konkurrenz zum faktisch älteren Londoner Bedlam-Hospital tritt.[97] In der modernen medizinhistorischen Literatur besteht darüber Einigkeit, dass der Narrenturm eine frühe moderne psychiatrische Einrichtung war,[98] es wird aber verstärkt auf medizinisch organisierte Vorläufereinrichtungen in Wien[43.24] und in Europa[99] hingewiesen.
Über die Bedeutung des Turmes für die Entwicklung der Psychiatrie gibt es verschiedene Deutungen. Laut dem Medizinhistoriker Martin Scheutz stünde der Narrenturm für eine „Architektur gewordene Überwachungsphantasie“ und sei „ein Manifest des beginnenden Ausschlusses der Geisteskranken aus der Gesellschaft [und] der Disziplinierung von Geisteskrankheit in ‚Irrenanstalten‘“.[100] Andere Sichtweisen begreifen den Turm allerdings in der genau entgegensetzten Rolle als „historisch bedeutenden Wendepunkt“ hin zur humanen Behandlung von psychisch Kranken. „Der größte Gewinn des Narrenturms war, dass die Irren einerseits sichtbar gemacht wurden, andererseits mit dem medizinischen Kontext verknüpft wurden. Sie waren als Patienten in einem Krankenhauskomplex untergebracht und wurden von Medizinern, wenn auch anfangs mit sehr untergeordneter Priorität, betreut. Die Entwicklung vom Einsperren / Wegsperren hin zur Therapie und Heilung wurde in Gang gesetzt.“[101]
Forschungsgeschichte
In neuerer Zeit haben sich vor allem zwei Forscher intensiv mit der Entstehungs- und Nutzungsgeschichte des Narrenturms beschäftigt. Im Jahr 2000 veröffentlichte der Hobbyhistoriker und frühere Museumsshop-Mitarbeiter im Narrenturm[102] Alfred Stohl im Böhlau Verlag seine Monographie mit dem Titel Der Narrenturm oder Die dunkle Seite der Wissenschaft,[103] die 2014 als Reprint neuaufgelegt wurde und auch als Digitalisat im Internet vorliegt. Stohls Interpretationen zum ursprünglichen Zweck des Narrenturms führen u. a. in die Welt der Alchemie und Numerologie, da er annimmt, „daß der Narrenturm hinsichtlich seiner architektonischen Gestaltung, der Zahl, Abmessung und Anordnung der kreisförmig angeordneten Zellen, der Anzahl der Stockwerke und des gesamten zylindrischen Baukörpers, ein okkultes, das heißt geheimes, nicht jedem offen erkennbares, Zahlensystem birgt.“[104] Als Initiator des komplex durchdachten Zahlensystems käme nur Kaiser Joseph II. selbst in Frage.[105] Stohls Buch wurde umgehend als „kühne Mixtur“ kritisiert.[106] Die zweite umfassende Monographie zum Narrenturm legte 2023 der promovierte Mediziner[107] und Literaturwissenschaftler[108] Daniel Vitecek im Springer Verlag unter dem Titel Der Wiener Narrenturm. Die Geschichte der niederösterreichischen Psychiatrie von 1784 bis 1870 vor. Viteceks im Vorwort mitgeteiltes Ziel war, „die Märchen und Legenden von dieser sagen-umworbenen Irrenanstalt wie eine falsche Haut abzuziehen“.[43.25] Zuletzt meint aber auch er den Beweis führen zu können, „dass es der römisch-deutsche Kaiser Joseph II. selbst war, der den Erstentwurf zum Bau lieferte und dem Gebäude dabei viele Merkmale seines Eigengeschmacks gab“.[43.26] Beide Forscher arbeiteten heraus, dass intellektuelle Entwurfskonzepte und betriebliche Irrenhaus-Wirklichkeit weit auseinanderklafften, so dass die Architektur des Wiener Narrenturms keine Nachfolger hatte und sich die Psychiatriegeschichte ganz anders weiterentwickelte.
Architekturmodell
Im Niederösterreichischen Landesmuseum St. Pölten existiert ein detailliertes Architekturmodell des Narrenturms.[54] Es entstand vermutlich für die Wiener Jubiläumsausstellung von 1898, wo es im Rahmen einer Rückschau auf die Geschichte der niederösterreichischen Psychiatrie gezeigt wurde.[89.1] Das Modell zeigt retrospektiv die Fassaden vor den Fenstervergrößerungen und bietet – in didaktischer Absicht – auf der teilweise geöffneten Rückseite Einblick in 12 Zellen, in denen die mutmaßlich spartanische Einrichtung zur Entstehungszeit nachgestellt ist, d. h. mit Strohlager, Wandringen zur Ankettung, Abortkasten und vergitterter Zellentür.
Auffällig detailliert zeigt das Modell den sonst kaum sichtbaren Mitteltrakt (Sehnengebäude) mit dem heute nicht mehr existenten Dachreiter. Dessen Turmhelm ist von einer vergoldeten Turmkugel bekrönt. Ein Modelldetail ist der Blitzableiter mit umlaufendem Drahtleitungskranz auf dem Dachfirst des Ringbaus und vier senkrecht in den Himmel ragenden Metallspitzen als Fangruten.[43.27] Die Erdungsleitung endet in einer rotgoldenen Kugel im Innenhof.
Trotz des hohen Detailgrads weist das Architekturmodell auch einige Unterschiede zum Narrenturm auf. So stellt es die laut Plänen ursprünglich achtfenstrige Laterne mit nur vier Fenstern dar; weiters weicht es in der Fassadendarstellung und im Fehlen von Schornsteinen vom Originalbau ab.
Eine 2005 erstellte Kopie des Modells im Niederösterreichischen Landesmuseum besitzt das Technische Museum Wien in seinem Depot.[109]
- Vorderansicht des Modells im Niederösterreichischen Landesmuseum
- Draufsicht mit Sehnengebäude und Dachreiter
- Rückansicht
- Einblick in die Zellen
- Blick von oben
Zeitgenössische Berichte
- 1796 gab der dänische Dichter Adolph Wilhelm Schack von Staffeldt seine Interpretation der Pläne Josephs II. entsprechend dem romantischen Zeitgeist wieder: „Diese Rotunda war der Thron seiner Liebe, von welchem sie ihre Tochter, die große Stadt unten, mit zärtlichen Blicken umfasste. Die Aussicht ist in der That schön. (…) Die Anstalt ward in meinem Gefühle zum Denkmale des Edlen, zum Tempel des Verklärten, in welchem das Lallen des Blödsinns ihm zum Lobgesange erschallt.“[34]
- Schon 1789, also wenige Jahre nach der Eröffnung, inspizierte Philipp Ludwig Hermann Roeder den Narrenturm, der unter deutschen Intellektuellen als eine Sehenswürdigkeit Wiens gehandelt wurde. Er hatte einen anderen Eindruck als Staffeldt: „Ein großer Theil der Unglücklichen, hier Eingesperrten, sind Soldaten. Viele sind nicht in die Behältnisse eingekerkert, sondern sitzen und laufen in den Gängen umher. Manche liegen an Ketten in ihren Kerkern, und sind an die Wände angeschlossen.“[110]
- Besonders drastisch war die Kritik in einem 1794 anonym erschienenen Reisebericht: „Neben dem Spital steht der Narrenthurm, ein fürchterliches Denkmal des menschlichen Elends. Er ist sehr groß, in die Runde gebaut und sieht aus wie eine Vestung. Kein Gefängnis kann eine abschreckendere Wirkung haben, wie dieser Thurm mit seinen dicken Mauern und kleinen vergitterten Fenstern rings umher. (…) In den Zimmern sind überall zwey Betten angebracht und leider! waren auch fast überall zwey Wahnsinnige darinnen. Die Erwärmung im Winter ist nicht die beste. In jedem Gange sind vier Oefen, wenn ich recht habe, von denen aus die Wärme in die umher liegenden offenen Zimmer wehen soll. Allein der Raum ist zu groß und die Zimmer liegen zu sehr ausser der Peripherie der Wärme, die sich ohnehin mehr in die Höhe als in die Weite zieht. Die hier verwahrten Unglücklichen müssen daher im Winter sehr viel von Kälte ausstehen und sich immerhin in den Betten halten. Zu Anfangs waren untenher grosse Oefen angelegt, von denen die Wärme in die oberen Stockwerke aufsteigen sollte: allein dieses Vorhaben entsprach der Erfolg nicht. Die Kaminen, die davon in die Zimmer geleitet waren, gaben zum Theil einen dicken Rauch, zum Theil aber eine widerwärtige Kalte Luft von sich. Das Ding muss wieder so eines von den zahlreichen papierenen Projecten gewesen seyn, woran die Wiener-Stubengelehrten sehr fruchtbar seyn sollen, die zwar im Aufsatze gut klingen, in der Ausführung aber nicht taugen. Der Anblick dieser Unglücklichen ist schauervoll. (…) Ich eilte von dem schrecklichen Gefängnisse weg. (…) Unter allen Anstalten Josephs ist gewiss noch keine im Plane so wohl als auch in der Ausführung so übel gerathen, wie diese; und das nur um der leidigen Vereinfachung willen, die den Monarchen mit seinen besten Absichten so oft irre geführt hat.“[111]
- Der deutsche Dichter Ernst Moritz Arndt, der 1798 fast zwei Monate in Wien weilte, besuchte und lobte wie Staffeldt den Narrenturm[112] sowie dessen damaligen medizinischen Leiter Dr. North, der „täglich den Turm besucht“. Außer ihm tat ein einziger Unterarzt im Turm Dienst – ein Indiz für die geringe Therapierung der etwa 300 Insassen. North gab Arndt einen Hinweis auf medizinische Experimente und auf eine unerklärliche medizinische Wirkung im Turm: „Denn D. North bemerkt, daß nach den Vesikatorien die Haare außerordentlich wachsen, und daß verschiedene, die glatzig hineinkommen, nach einigen derben Ziehpflastern krausköpfig wieder heimgingen.“[113]
- 1804 besuchte Christian von Eggers den Narrenturm eingehend und anerkennend, merkte aber in seinem Reisebericht kritisch an: „Überhaupt hört man ein wildes, dumpfes Getöse, wenn man dem Hause naht.“[46]
- Adolf Schmidl beschrieb im Jahr 1833 die Anstalt folgendermaßen: „Das Irrenhaus, in welchem unruhige und unheilbare Kranke verwahrt werden. Das Gebäude ist noch immer der alte, sehr unzweckmäßige runde Thurm, 140 Kammern enthaltend, von einem Garten umgeben; […] Der mittlere Stand der Kranken beträgt bei dreihundert.“[114]
- Schaulustige beschrieben noch 1853 die „dunklen, luftlosen“ Räume sowie „größte Unreinlichkeit, ein scheußlicher unerträglicher Gestank“. „Die vielen grausam gefesselten Irren (…) jammerten derart, daß einem das Herz brechen könnte.“[115]
Die Pathologisch-anatomische Sammlung

Das Museum des Pathologisch-anatomischen Institutes wurde 1796 unter Kaiser Franz II. gegründet. Seine aus 50.000 Objekten bestehende Sammlung, deren Bedeutung und Nutzbarkeit aus wissenschaftlicher Sicht stetig zunimmt,[116] befindet sich seit 1971 im Narrenturm.[21] Sie beinhaltet fast 2400 Moulagen, die als weltweit größte Sammlung dieser zum medizinischen Unterricht[117] bestimmten, naturgetreuen Nachbildungen akuter Krankheitsbilder gelten. Etwa 2000 Objekte wurden von Carl Henning und seinem Sohn Theodor geschaffen.[118] Am 1. Jänner 2012 wurden Museumsbetrieb und Sammlung in die wissenschaftliche Anstalt Naturhistorisches Museum Wien (nhm) eingegliedert.[23]
Siehe auch
Literatur
(chronologisch)
- John Howard: An Account of the foreign Prisons and Hospitals. In: An Account of Principal Lazarettos in Europe (…). William Eyres, Warrington 1789, S. 52 ff., hier S. 68: The Tower for Lunatics (archive.org).
- J. A. Schilling: Eine Visite im Irrenhause. In: Vom Fels zum Meer. Spemann’s Illustrirte Zeitschrift für das Deutsche Haus, Bd. 1, 1883/1884, S. 204–215 (Google Books).
- Wilhelm Lorenz: Der Wiener Irrenthurm. Ein Beitrag zur Geschichte des niederösterreichischen Irrenwesens. In: Psychiatrisch-Neurologische Wochenschrift, Jg. 4, 1902/1903, Nr. 24, S. 273–277 (Digitalisat auf archive.org, abgerufen am 9. November 2025).
- Franz Gräffer: Aus dem Wien des Kaiser Joseph. Paul Knepler, Wien 1919, S. 202.
- Gerhard Roth: Eine Reise in das Innere von Wien. Essays. Hrsg.: Uwe Wittstock (= Die Archive des Schweigens. Nr. 7). Fischer-Taschenbücher Nr. 11407, Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 1993, ISBN 3-596-11407-1, S. 110–130: Der Narrenturm.
- Ernst Hausner: Das pathologisch-anatomische Bundesmuseum im Narrenturm des alten Allgemeinen Krankenhauses in Wien. Edition Hausner, Wien 1998, ISBN 3-901141-27-8.
- Alfred Stohl: Der Narrenturm oder Die dunkle Seite der Wissenschaft. Böhlau Verlag, Wien / Köln / Weimar 2000, ISBN 3-205-99207-5.[119][102][106] (Digitalisat auf dokumen.pub, abgerufen am 6. November 2025) – Reprint 2014, ISBN 978-3-205-12739-0.
- Helmut Reinalter: Joseph II. Reformer auf dem Kaiserthron (= Beck’sche Reihe. 2735). Verlag C.H. Beck, München 2011, ISBN 978-3-406-62152-9.
- Herbert Posch: Narrenturm. In: Herbert Posch et al. (Hrsg.): Vom AKH zum Uni-Campus. LIT, Wien 2015, ISBN 3-643-50712-7, S. 84–87.
- Beatrix Patzak: Faszination und Ekel – Das Pathologisch-anatomische Bundesmuseum im Wiener Narrenturm. Stocker-Verlag, 2009, ISBN 978-3-85365-235-0.
- Johann Werfring: Nichts Menschliches sei Menschen fremd. In: Wiener Zeitung, 23. Februar 2017, Beilage „ProgrammPunkte“, S. 7 (Online auf tagblatt-wienerzeitung.at, aktualisiert am 20. März 2017, abgerufen am 2. November 2025).
- Jekaterina Medvecka: Architect on the Imperial Throne or Fools’ Tower by Joseph II. Diplomarbeit am Institut für Kunstgeschichte, Bauforschung und Denkmalpflege der TU Wien, Wien 2017 (Digitalisat auf repositum.tuwien.at, abgerufen am 2. November 2025; englisch; S. 3: deutsche Kurzfassung, S. 95: historische Grundrisse, S. 103: Luftaufnahme; S. 104 f.: Bau- und Nutzungsgeschichte).
- Daniel Vitecek: Der Wiener Narrenturm. Die Geschichte der niederösterreichischen Psychiatrie von 1784 bis 1870. Springer Fachmedien Wiesbaden, Wiesbaden 2023, ISBN 978-3-658-39049-5 (Ebook).[120][121][108]
Weblinks
- Pathologisch-anatomische Sammlung im Narrenturm, auf der Website des Naturhistorischen Museums Wien
- narrenturm.info (ehemals offizielle Website, im Internet Archive)
- Narrenturm, auf planet-vienna.com (mit historischen Grundrissen)
- Erdgeschoßgrundriss von 1783, auf beyondarts.at
- Eleonora Weixelbaumer: Der Gugelhupf von Wien. Bemerkungen zu einem historischen Modell des Wiener Narrenturms, auf services.door.donau-uni.ac.at
- Helmut Weihsmann: Der Wiener Narrenturm. Ein rationales Monument des Wahnsinns (1989), auf contextxxi.at
- Wolfgang Regal, Michael Nanut: Kaiser Josephs Gugelhupf (Altes Medizinisches Wien 29). Der Narrenturm: Das erste Spezialinstitut für Geisteskranke in Europa – auf Spurensuche im Alten Medizinischen Wien ( vom 27. September 2007 im Internet Archive). In: Ärzte Woche, 17. Jg., Nr. 14, 2003
- Versteinerte Angst – Der Wiener Narrenturm, auf derstandard.at (zum Film von Sabrina Adlbrecht, Erstsendung 15. März 2005)
- Totentanz – Anatomie eines Ortes, auf fernsehserien.de (zum Film von Nico Weber, Erstsendung 12. Dezember 2013)
- Brigitte Suchan: Im Narrenturm. tagblatt-wienerzeitung.at, 3. Juli 2009
- Narrenturm – Rekonstruktion der Türbeschläge – 2020, auf schmiede-steiner.at