Paul Buschmann
belgischer Drucker und Kunsthistoriker
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Leben
Buschmann war ein Sohn und das einzige Kind des gleichnamigen Paul Buschmann (1. Januar 1846 – 20. November 1909)[1] und dessen Frau Henriëtte Maria Joanna Cornelia (geborene van Beers; 31. Oktober 1855 – 24. Februar 1941). Er entstammte einer Künstlerfamilie, die sich als Drucker, Schriftsteller und Verleger betätigten. Sein Großvater Joseph Ernest Buschmann hatte 1842 die Druckerei „J. E. Buschmann“ gegründet. Er war mütterlicherseits ein Enkel des Dichters Jan van Beers (1821–1888). Er besuchte gemeinsam mit Jan van der Ven (1876–1925) das Artheneum in Antwerpen und widmete sich anschließend der Kunst des Buchdrucks. Schon bald wurde Max Rooses (1839–1914) auf Buschmann aufmerksam und legte ihm ein Studium der Kunstgeschichte nahe, da er bereits mehrere Beiträge zu den alten und modernen Meistern in der Zeitschrift De Vlaamsche School veröffentlicht hatte. Er folgte dem Rat von Rooses und schrieb sich am Höheren Institut für Kunstgeschichte und Archäologie in Brüssel ein. Vier Jahre später promovierte er sich mit einer Dissertation über Jacob Jordaens. Seine Studie erschien 1905 in zwei Bänden anlässlich der Ausstellung der Werke des Meisters in Antwerpen. Trotz seiner wissenschaftlichen Ausbildung blieb er in der elterlichen Druckerei und schrieb weiterhin Beiträge für die Zeitschrift De Vlaamsche School und begann damit diese zu überarbeiten und zu verbessern. 1902 hatte sich die Zeitschrift durch ihn in eine streng wissenschaftliche und anspruchsvolle Publikation mit dem Titel Onze Kunst gewandelt, von der Buschmann auch eine Ausgabe in französischer Sprache L’Art Flammande et Hollandaise (später La Revue D’Art) herausgab. Buschmann veröffentlichte Buchbesprechungen, kleinere Kunstkritiken und Studien zur alten und modernen Kunst. Als sein Vater im November 1909 starb, wurde Buschmann Mitgeschäftsführer der Druckerei und übernahm die bisher vom Vater ausgeführte künstlerische Leitung während sein Onkel Gustave Buschmann (1847–1935) kaufmännischer Leiter blieb. Zugleich bewarb er sich 1909 auf den Lehrstuhl für Kunstgeschichte am Höheren Kunstinstitut in Antwerpen. Nach 1911 zog er sich aus der Geschäftsführung und nach und nach aus dem Unternehmen zurück und sein Cousin Gustav Joseph Buschmann (1881–1961) übernahm die künstlerische Leitung der Druckerei.
Nach dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs und der Bombardierung Antwerpens in der Nacht vom 24. auf den 25. August 1914 floh er mit seiner Frau und seiner Schwiegermutter über die Niederlande zunächst in eine Pension in Margate in England und wohnte ab Februar 1915 in London. Im Exil gab er vier Bände der Zeitschrift Onze Kunst von dort aus heraus. Buschmann besuchte in dieser Zeit die englischen Museen, um die dortigen Malereien zu studieren und veröffentlichte anschließend unter anderem einen Beitrag zu den Werken von Anthonis van Dyck und Peter Paul Rubens im Ashmolean Museum in Oxford. Als Max Rooses das Plantin-Moretus-Museum verließ, hatte Buschmann angeboten die Nachfolge für ihn anzutreten, doch die Stelle wurde anderweitig vergeben. Am 7. Januar 1919 kehrte Buschmann mit seiner Frau nach Belgien zurück und wurde am 11. Juli 1921 Chefkurator des Königlichen Museums der Schönen Künste.[2] Bei Reinigungs- und Aufräumarbeiten in der Bibliothek des stark beschädigten Museums zog er sich eine Infektion zu, die ihn in den letzten Lebensjahren plagte. Er starb kurz nach seinem 47. Geburtstag.[3] Buschmann war seit 1914 korrespondierendes Mitglied der Académie Royale d’Archéologie de Belgique,[4] war Sekretär der Gesellschaft zur Förderung der Schönen Künste und wirkte auch an der Biographie Nationale de Belgique und dem Allgemeinen Lexikon der bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart mit.
Familie
Buschmann lebte mehrere Jahre in einer Beziehung mit der 17 Jahre älteren Journalistin und Schriftstellerin Alida Wynanda (auch Winander oder Wijnander) Sanders van Loo (15. März 1860 – 1939), mit der er bis 1908 Reisen in Europa unternommen hatte. Die freundschaftliche Beziehung endete, als er an ihrem 51. Geburtstag eine jüngere heiratete.[5]
Buschmann war seit dem 15. März 1911 mit Elza oder Elsa (geborene Van Rijswijck; 16. Juli 1888 – 4. September 1969)[6] verheiratet, einer Tochter des Antwerpener Bürgermeisters Jan Cornelius van Rijswijck (14. Februar 1853 – 23. September 1906) und dessen Frau Alfonsine Joanna Adolphina (geborene Biemans; † 4. August 1918).
- Jan Buschmann (10. April 1922 – 1977)
Buschmanns Grabstelle befindet sich auf dem Schoonselhof in Antwerpen.[7]
Schriften (Auswahl)
- Le role de la gravure en taille-douce, depuis les derniers perfectionnements de la photographic. In: Mémoires de l’Académie royale de Belgique. Band 52, Nr. 5. Brüssel 1895, S. 1–26 (französisch, persee.fr).
- Van ’t prinsesje Ballade. In: De Vlaamse School. Nieuwe reeks. 8. Jahrgang, 1895, S. 165–166 (dbnl.org).
- De Kristuskop uit het drieluik van Quinten Matsijs in het Antwerps Muzeum. In: De Vlaamse School. Nieuwe reeks. 11. Jahrgang, 1898, S. 133–139 (dbnl.org)
- Over leven en werken van Antoon van Dijck. In: De Vlaamse School. Nieuwe reeks. 12. Jahrgang, 1899, S. 246–285 (dbnl.org).
- Anton van Dyck och utställningen i Antwerpen af hans arbeten. In: Ord och Bild. 9. Jahrgang 1900, S. 156–167 (schwedisch, runeberg.org).
- Jacob Jordaens Eene studie ; Aanleiding van de teentoonstelling zijner werken ingericht te Antwerpen 1905. L. J. Veen, Amsterdam 1905 (niederländisch, archive.org).
- Jacques Jordaens et son oeuvre. G. van Oest & Cie, Brüssel 1905 (französisch, archive.org).
- Rubens en Van Dyck in het Ashmolean Museum te Oxford. In: Onze Kunst. 15. Jahrgang, Teil 29, 1916, S. 1–24, 41–51 (dbnl.org, dbnl.org).
Literatur
- Adriaan Jan Jozef (Ary) Delen: In Memoriam Dr. Paul Buschmann. In: Onze Kunst. Band 40, 20.–21. Jahrgang Juli–Dezember 1922. Antwerpen 1924, S. 57–64 (niederländisch, Textarchiv – Internet Archive, dbnl.org).
- Sylvia van Peteghem: Hoe staat het nu toch met Onze Kunst? In: Jaarboek Letterkundig Museum. Band 3, 1994, S. 11–20 (niederländisch, dbnl.org).
Weblinks
- Paul Buschmann (Jr.) 1877–1924 collectie.letterenhuis.be