Paul Jonas (Maschinenbauingenieur)
deutscher Maschinenbauingenieur
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Paul Heinrich Jonas (* 15. Oktober 1904 in Eberswalde; † 30. Januar 2010 in Rostock) war ein deutscher Ingenieur und Hochschullehrer. Er war in der Pionierphase der deutschen Strahltriebwerksentwicklung tätig und wirkte später als ordentlicher Professor für Strömungsmaschinen an der Universität Rostock.
Leben und Wirken
Paul Jonas wuchs in Eberswalde auf, wo er 1923 das Abitur ablegte. Von 1925 bis 1935 studierte er Allgemeinen Maschinenbau an der Technischen Hochschule Danzig und schloss das Studium als Diplom-Ingenieur ab.[1]
Nach einer kurzen Tätigkeit als Konstrukteur bei Daimler-Benz in Berlin-Marienfelde wechselte Jonas 1937 zu den Brandenburgischen Motorenwerken nach Berlin-Spandau (später BMW-Flugmotorenwerk). Dort war er während des Zweiten Weltkriegs als Ingenieur im Entwicklungsteam für frühe deutsche Strahltriebwerke (wie das BMW 003) beschäftigt.[1]
Nach Kriegsende arbeitete Jonas ab 1946 als Konstrukteur und Leiter von Konstruktionsbüros im Bereich des Schwermaschinenbaus der sowjetischen Besatzungszone bzw. der frühen DDR. In dieser Zeit war er unter anderem beim VEB Kranbau Eberswalde tätig, wo er an der konstruktiven Weiterentwicklung von Turmdrehkranen mitwirkte, sowie ab 1951 bei den Klement-Gottwald-Werken in Schwerin.[1]
Ab 1954 war Jonas maßgeblich am Aufbau der neuen Fachrichtung Schiffsmaschinenbau an der Universität Rostock beteiligt. 1955 übernahm er die kommissarische Leitung des Instituts für Strömungsmaschinen. Er wurde 1957 zum Dozenten und 1962 zum Professor mit Lehrauftrag ernannt. Im Jahr 1969 erhielt er den Ruf als ordentlicher Professor für Strömungsmaschinen an der Technischen Fakultät der Universität Rostock, wo er bis zu seiner Emeritierung 1970 lehrte.[1]
Forschungsgebiete und Innovationen
Das Lehr- und Forschungsgebiet von Paul Jonas umfasste die Strömungsmechanik und Thermodynamik von Dampf- und Gasturbinen, Pumpen und Verdichtern sowie radialen Strömungsmaschinen. Dabei widmete er sich hochinnovativen Projekten der Nachkriegszeit:
- Nukleare Schiffsantriebe: Ende der 1950er Jahre erforschte er im Zuge des aufkommenden Atomzeitalters die technischen Möglichkeiten, zivile Frachtschiffe mit Kernkraftantrieben auszustatten.[2]
- Gasturbinenentwicklung: Er arbeitete intensiv an der Weiterentwicklung von Kleingasturbinen und erforschte Spezialprobleme wie die partiell gekühlte Gegenlaufstufe als Hochtemperaturteil für Gasturbinen, was zu mehreren Erfindungen und Patentanmeldungen (DDR-Wirtschaftspatente) führte.[3]
- Alternative Energien und Dampfprozesse: In seinen späteren Forschungsjahren beschäftigte er sich zudem mit theoretischen Entwürfen, Kreisprozessen für Wellenkraftwerke sowie fortschrittlichen Konzepten zur Steigerung von Dampftemperaturen.[4]
Jonas verstarb im Jahr 2010 im Alter von 105 Jahren in Rostock.
Schriften (Auswahl)
- Technische Möglichkeiten des nuklearen Schiffsantriebes. In: Schiffbautechnik. Berlin 7 (1957) 11, S. 627–637.
- Entwicklungsprobleme und Konstruktionsformen der modernen Schiffsdampfturbine. In: Schiffbautechnik. 9 (1959) 1, S. 4–10 und 2, S. 81–86.
- Beitrag zum Busemannschen Berechnungsverfahren der Kennlinien radialer Laufräder. In: Wissenschaftliche Zeitschrift der Universität Rostock. 12. Jg. 1963, Math.-Nat. Reihe, H. 2.
- Forschungen an radialen Strömungsmaschinen im Teillastbetrieb. Vortrag am Leningrader Schiffbau-Institut, 27. Juni 1968.
- Einige Probleme der partiell gekühlten Gegenlaufstufe als Hochtemperaturteil für Gasturbinen. In: Seewirtschaft. 9 (1977) 8, S. 450–454.
- Der Dampfprozeß nach Field und Polock, ein Weg zu höheren Dampftemperaturen. In: Wissenschaftliche Zeitschrift der Universität Rostock. 37 (1988), Math.-Nat. Reihe, H. 10.