Paul Jourdain

französischer Politiker, Mitglied der Nationalversammlung From Wikipedia, the free encyclopedia

Paul Jourdain (geboren am 28. Oktober 1878 in Altkirch; gestorben am 26. März 1948 in Paris) war ein französischer Politiker der Dritten Republik.

Paul Jourdain, 1919
Paul Jourdain, 1924

Leben

Paul Jourdain stammte aus einer bürgerlichen Familie, die die Annexion des Elsass durch Deutschland ablehnte. Er verließ Altkirch (das damals zum Deutschen Reich gehörte), um in Paris am Lycée Janson de Sailly zu studieren, und leistete anschließend seinen Wehrdienst in Frankreich in Le Havre beim 119. Infanterieregiment ab.[1]

Er schloss die Handelshochschule in Lyon 1902 ab und arbeitete kurzzeitig in den Seidenwebereien in Lyon, bevor er in seiner Heimatstadt zurückkehrte, um die familieneigene Filature et Tissage X. Jourdain zu übernehmen.[1] Zu Beginn des Ersten Weltkriegs wurde er von der deutschen Besatzung festgenommen, aber bei einer französischen Gegenoffensive befreit. Danach ging er als stellvertretender Militärattaché an die französische Botschaft in der Schweiz.[1]

Als Militärverwalter von Altkirch und Dannemarie im November 1918 wurde Jourdain 1919 zum Abgeordneten gewählt, und zwar auf einer Liste der Union nationale (Allparteienkoalition, die alle Sitze des Departements errang), und gehörte der – trotz ihres Names eher gemäßigt konservationen – Fraktion der Républicains de gauche an. Im selben Jahr wurde er zum Bürgermeister von Altkirch gewählt, das Amt übte er bis 1940 aus.[1]

Von 1919 bis 1921 gehörte vier aufeinanderfolgenden Regierungen als Arbeitsminister an; eine Funktion, die er auch in der Zwei-Tage-Regierung Frédéric François-Marsals 1924 noch einmal ausübte. Von 1925 bis 1926 war er Minister für die Pensionen in drei von Aristide Briand geführten Regierungen.[1]

Als sozial orientierter Konservativer[A 1] setzte sich Jourdain als Minister und Abgeordneter für die Ausweitung des Gewerkschaftsrechts, die Einrichtung von Rentenkassen für Bergleute und ein Projekt zur Entschädigung von Opfern von Arbeitsunfällen ein. Das größte Werk seiner Tätigkeit war die Verabschiedung seines Sozialversicherungsentwurfs im Jahr 1927 nach jahrelangen Debatten, der als Vorläufer der Sozialversicherung gilt.[1]

1927 wechselte er von der Abgeordnetenkammer in den Senat, wo er der Fraktion der Union démocratique et radicale angehörte. Im Januar 1940 zum Vizepräsidenten des Senats gewählt, stimmte er im Juli 1940 für die diktatorischen Vollmachten für Marschall Pétain, was das Ende seiner politischen Karriere bedeutete.[1]

Paul Jourdain wurde als Ritter der Ehrenlegion ausgezeichnet.[2]

Literatur

  • Alphonse Halter: Nouveau dictionnaire de biographie alsacienne. Band 19. Fédération des sociétés d'histoire et d'archéologie d'Alsace, S. 1828.
Commons: Paul Jourdain – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen

  1. nach deutschem Vorbild, wie die französische Sprachversion anmerkt

Einzelnachweise

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