Paul Marion

Französischer Journalist, Politiker und Kollaborateur (1899–1954) From Wikipedia, the free encyclopedia

Paul Marion (* 27. Juni 1899 in Asnières-sur-Seine, Frankreich; † 2. März 1954 in Paris[1]) war ein zunächst linksgerichteter und später rechtsgerichteter französischer Journalist und Politiker.

Paul Marion (1942)

Er war Mitglied des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Frankreichs (französisch: Parti communiste français - PCF) und Propagandasekretär der Partei bis zu seinem Ausschluss 1929. Später schloss er sich kurzzeitig den Neosozialisten an und war 1936 an der Gründung der Französischen Volkspartei (französisch: Parti populaire français - PPF) beteiligt, einer rechtsgerichteten Partei, die von einem weiteren ehemaligen Kommunisten und Antisemiten Jacques Doriot gegründet worden war. Während der Kollaboration des Vichy-Regimes mit dem Deutschen Reich diente er der Partei als Generalsekretär für Information und Propaganda.

Biographie

Der kommunistische Aktivist

Paul Marion kämpfte kurzzeitig im Ersten Weltkrieg als er sich am 28. Januar 1918 freiwillig zum 10. Infanterieregiment meldete. Er diente in dieser Einheit bis zum Kriegsende.[2]

Als Mitglied der Französischen Kommunistischen Partei (PCF) ab 1922 trat er 1926 dem Zentralkomitee der PCF bei und wurde Sekretär der Agitprop-Sektion. Von 1927 bis 1929 arbeitete er im Propagandabüro der Komintern in Moskau. 1929 brach er mit der PCF und äußerte seine Kritik an der Parteipolitik nach dem Sechsten Parteitag sowie vor allem seine Desillusionierung mit dem Stalin-Regime.[3] In einem Brief an die sozialistische Tageszeitung L’Humanité bekräftigte er jedoch sein weiteres Engagement für den Kampf um die Befreiung der Arbeiter und rief dazu auf, sich von der britischen Labour Party inspirieren zu lassen.[3] Anschließend schloss er sich den Neosozialisten und später der gemäßigten Republikanisch-Sozialistischen Union (französisch: Union socialiste républicaine - USR) an.[3]

Von der Französischen Volkspartei zur Vichy-Regierung

Paul Marion am Rednerpult während der ersten Sitzung der Französischen Volkspartei (PPF) im Stadttheater Saint-Denis, 1936.

1936 trat er der von Jacques Doriot gegründeten Französischen Volkspartei (französisch: Parti populaire français - PPF) bei, einer von Anfang an rechtsgerichteten Partei. Dort wurde er Chefredakteur der Zeitschriften „L’Émancipation nationale“ und ab 1937 von „La Liberté“.[4]

Während des Zweiten Weltkriegs wurde Paul Marion als Unteroffizier eingezogen und geriet in der Schlacht um Frankreich bei Rambervillers in den Vogesen in Kriegsgefangenschaft. Er war bis Januar 1941 im Stammlager IV B inhaftiert[2] und wurde nach einer Intervention des deutschen Botschafters in Paris, Otto Abetz, freigelassen.

Am 11. August 1941 wurde er unter dem Vichy-Regime zum Generalsekretär für Information und Propaganda ernannt. In dieser Funktion verfolgte er das Ziel, „einen neuen Typus Franzose zu erschaffen, wie ein Bildhauer vor dem Ton, wie ein Schöpfer.“[5] 1944 wurde er Staatssekretär unter Marschall Pétain, dem er zum Kriegsende nach Sigmaringen folgte.

Nach Kriegsende wurde er im Juli 1945 in Österreich verhaftet[6], nach Frankreich zurückgebracht und am 14. Dezember 1948 zu zehn Jahren Haft und Aberkennung der französischen Bürgerrechte (französisch: Dégradation nationale) verurteilt. Trotz seiner grundsätzlich uneingeschränkten Kollaboration berücksichtigte das Gericht mildernde Umstände; er hatte offenbar niemanden denunziert und soll sich sogar für die Rettung gaullistischer, kommunistischer oder jüdischer Gefangener vor Hinrichtung oder Deportation eingesetzt haben.[3]

1953 wurde er aus gesundheitlichen Gründen begnadigt und starb 1954 an einer Krankheit.

Er ist auf dem Friedhof Charonne in Paris begraben.

Veröffentlichungen

  • La Crise financière, la faillite du cartel, le programme communiste. Bureau d'éditions, de diffusion et de publicité, 1926.
  • Deux Russies. Nouvelle société d'édition. 1930.
  • Socialisme et nation. Imprimerie du Centaure. 1933.
  • Programme du Parti populaire français. Les Œuvres françaises. 1938.
  • Leur combat: Lénine, Mussolini, Hitler, Franco, Fayard. 1939 (Re-Print 1941). 2008. ISBN 978-2-913044-71-5. OCLC 714051372.
Commons: Paul Marion – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

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