Paul Mombert
deutscher Nationalökonom
From Wikipedia, the free encyclopedia
Paul Karl Mombert (* 9. November 1876 in Karlsruhe; † 8. Dezember 1938 in Stuttgart) war ein deutscher Nationalökonom und Hochschullehrer.[1]
Leben und Werk
Paul Mombert entstammte einer in Karlsruhe ansässigen jüdisch-deutschen Unternehmerfamilie. Seine Eltern waren der Kaufmann Jakob Mombert († 1894) und dessen Ehefrau Auguste, geb. Rosenthal. Der Vater betrieb mit seinen Brüdern Eduard (1829–1901) und Hermann eine Hemdenfabrik. Einer von Pauls Cousins war der Dichter Alfred Mombert.
Mombert studierte Nationalökonomie in Heidelberg, Leipzig, Berlin und München. Da diese noch nicht als eigenständiges Universitätsfach etabliert war, musste das Studium zusätzliche Fächer umfassen, wobei er Geschichts- und Rechtswissenschaft wählte. 1902 wurde er von Lujo Brentano zum Dr. oec. publ. promoviert. 1906 habilitierte er sich an der Universität Freiburg und erhielt die Lehrbefugnis für Volkswirtschaft, Finanzwissenschaft und Statistik an der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät. Hier wirkte er zunächst als Privatdozent und ab 1911 als außerplanmäßiger Professor. Angeregt durch Brentano beschäftigte er sich mit Bevölkerungstheorie und -politik, und nun durch seinen Kollegen Karl Diehl mit dogmengeschichtlichen, konjunkturtheoretischen und finanzwissenschaftlichen Studien.
Ersten Weltkrieg war Mombert zum Heer eingezogen. 1922 wurde er als Nachfolger von August Skalweit an die Universität Gießen zum ordentlichen Professor auf den Lehrstuhl für Nationalökonomie berufen. Mit Friedrich Lenz und Extraordinarius Ernst Günther baute er aus Étienne Laspeyres einstigem Statistischen Institut einen modernen wirtschaftswissenschaftlichen Lehr- und Forschungsbetrieb auf.
1933 wurde Mombert infolge des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums entlassen, durch Unterstützung des Rektors erst im folgenden Jahr in den Ruhestand versetzt. Er konnte noch bis 1937 in Deutschland veröffentlichen[2], zuletzt in Ungarn. Trotz schwerer Erkrankung wurde er am 9. November 1938 im Zuge der Novemberpogrome im KZ Welzheim, Amtsgerichtsgefängnis, inhaftiert. Er wurde zwar bald wieder entlassen, verstarb jedoch kurz darauf an den Haftfolgen in Stuttgart, wo er zuletzt als Privatgelehrter gelebt hatte.
Sein Buch Bevölkerungslehre (1929) fand über die Fachgrenzen hinaus in und außerhalb Deutschlands Anerkennung als Standardwerk zu Bevölkerungsgeschichte und Bevölkerungstheorie.[3]
Seit 1908 war Mombert mit Nellie Gieser, Tochter von Hermann Gieser und Josephine Pfann (Mannheimer Kaufmannsfamilie, seit 1881 in Frankfurt), verheiratet. Zwei Söhne kamen in Freiburg zur Welt. Für die Mitglieder der Familie Mombert existieren Stolpersteine vor deren Wohnhaus in Gießen, Moltekestraße 18.
Veröffentlichungen (Auswahl)
- Die deutschen Stadtgemeinden und ihre Arbeiter (= Münchener volkswirtschaftliche Studien, Bd. 50). Cotta, Stuttgart 1902.
- Studien zur Bevölkerungsbewegung in Deutschland in den letzten Jahrzehnten mit besonderer Berücksichtigung der ehelichen Fruchtbarkeit. Braun, Karlsruhe 1907.
- Eine Verbrauchseinkommenssteuer für das Reich als Ergänzung zur Vermögenszuwachssteuer. Mohr, Tübingen 1916.
- Der Finanzbedarf des Reiches und seine Deckung nach dem Kriege. Braun, Karlsruhe 1916.
- Bevölkerungspolitik nach dem Kriege. Nahrungsspielraum und Volkswachstum in Deutschland. Mohr, Tübingen 1916.
- Die Gefahr einer Übervölkerung für Deutschland. Mohr, Tübingen 1919.
- Soziale und wirtschaftspolitische Anschauungen in Deutschland. Quelle & Meyer, Leipzig 1919.
- Einführung in das Studium der Konjunktur. Gloeckner, Leipzig 1921 (2. Aufl. 1928).
- Besteuerung und Volkswirtschaft. Braun, Karlsruhe 1922.
- Geschichte der Nationalökonomie (= Grundrisse zum Studium der Nationalökonomie, Bd. 2). G. Fischer, Jena 1927.
- Grundzüge der Finanzwissenschaft (= Wissenschaft und Bildung, Bd. 246). Quelle & Meyer, Leipzig 1928.
- Bevölkerungslehre (= Grundrisse zum Studium der Nationalökonomie, Bd. 15). Fischer, Jena 1929 (Volltext).
- Bevölkerungsentwicklung und Wirtschaftsgestaltung. Zur Frage der Abnahme des Volkswachstums. Buske, Leipzig 1932.
Literatur
- Michael Hüther: Mombert, Paul. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 18. Duncker & Humblot, Berlin 1997, ISBN 3-428-00199-0, S. 23–24 (deutsche-biographie.de).
- Werner Lausecker: „Überbevölkerungs“konstruktionen in der deutschen Bevölkerungsgeschichte und Paul Momberts Kritik 1933. Eine Fallstudie zur Produktion und Dekonstruktion wissenschaftlicher Mythen 1929–1976 ( vom 29. September 2013 im Internet Archive) (PDF; 594 kB). In: Historical Social Research, Vol. 31 (2006), No. 4, S. 131–147.
- Werner Lausecker: Paul Mombert und die „Vordenker der Vernichtung“. Eine Skizze zu Fragen nach Zusammenhängen von „Bevölkerungs“konstruktionen und „Social Engineering“ im Nationalsozialismus. In: Josef Ehmer (Hrsg.): Herausforderung Bevölkerung. VS-Verlag, Wiesbaden 2007, ISBN 978-3-531-15556-2, S. 333–340.
- Friedrich Lenz: Paul Momhert 9. 11. 1876 - 8. 12. 1938. In: Nachrichten der Gießener Hochschulgesellschaft 29 (1960), S. 25–29 (jlupub.ub.uni-giessen.de).
- Gerhard J. Mauch: Mombert, Paul. In: Harald Hagemann, Claus-Dieter Krohn (Hrsg.): Biographisches Handbuch der deutschsprachigen wirtschaftswissenschaftlichen Emigration nach 1933. Band 2: Leichter–Zweig. Saur, München 1999, ISBN 3-598-11284-X, S. 461–463.