Paul Sokolowski
baltendeutscher Jurist und Hochschullehrer
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Paul Ernst Emil Sokolowski (* 6. Juli 1860 in Ronneburg, Gouvernement Livland, Kaiserreich Russland; † 16. November 1934 in Kaunas) war ein deutschbaltischer Jurist und Hochschullehrer.[1]

Leben und Wirken
Nach seiner Reifeprüfung 1878 in Riga studierte Paul Sokolowski Rechtswissenschaft an der Kaiserlichen Universität Dorpat und legte dort 1884 die Prüfung zum "cand.jur" ab. Von 1884 bis 1887 arbeitete in einem Rechtsanwaltsbüro in Moskau und zuletzt in Riga, wobei er 1886/87 eine neunmonatige Festungshaft in Warschau absitzen musste. Nach seiner Habilitation (1890) und Magisterprüfung (1891) lehrte er von 1892 bis 1896 als ordentlicher Professor für Römisches Recht an der Universität Kiew. Bis 1906 war er Ordinarius in Moskau. Nach kurzer Lehrtätigkeit (1907) an der Universität Berlin lehrte er bis 1909 an der Universität Königsberg. Von 1909 bis 1915 hatte er die Schulaufsicht im Bezirk Charkow inne. Anschließend bewirtschaftete er mehrere Güter. Nach dem Ersten Weltkrieg schloss er sich der Baltischen Landeswehr an und war 1919 kurze Zeit Justizminister von Lettland. Von 1921 bis 1926 war er Vorsitzender der von ihm mitbegründeten Herder-Gesellschaft und des Herder-Instituts in Riga. Gegen Ende seines Lebens war er noch (seit 1933) Professor für deutsches Zivilrecht an der Universität Kaunas.
In seinen Veröffentlichungen beschäftigte sich Sokolowski vor allem mit dem Römischen Recht, der Rechtsgeschichte und Rechtsphilosophie.
Veröffentlichungen (Auswahl)
- Das Garantiemandat nach römischem und gemeinem Recht. Karras, Halle/S. 1890 (= Dissertation Universität Dorpat).
- Zur sog. exceptio divisionis. In: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte / Romanistische Abteilung. Bd. 11, 1890, S. 278–301.
- Die Mandatsbürgschaft nach Römischem und Gemeinem Recht. Unter Berücksichtigung des Entwurfes eines Bürgerlichen Gesetzbuches für das Deutsche Reich. Niemeyer, Halle/S. 1891.
- Die Lehre von der Specification. Ein Beispiel römischer Juristenphilosophie in ihrem Verhältniss zur modernen Gesetzgebung. In: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte / Romanistische Abteilung. Bd. 17, 1896, S. 252–311.
- Die Philosophie im Privatrecht. Zwei Bände. Niemeyer, Halle/S. 1907 (Nachdruck: Scientia, Aalen 1959).
- (Bearb.): Heinrich Dernburg: System des römischen Rechts. 8. Auflage. Zwei Bände. Müller, Berlin 1911/1912.
- Staat und Wille (= Abhandlungen des Herder-Instituts zu Riga. Bd. 1,2). Löffler, Riga 1925.
- Der Heilige Augustin und die christliche Zivilisation (= Schriften der Königsberger Gelehrten Gesellschaft / Geisteswissenschaftliche Klasse. Bd. 4,3). Niemeyer, Halle/S. 1927.
- Die Versandung Europas ... Eine andere, große russische Gefahr. Deutsche Rundschau, Berlin 1929.
- Der Staat (= Politik und Rechtsphilosophie). Niemeyer, Halle/S. 1932 (721 Seiten).
- Baltikum – Russland. Metzner, Berlin 1934.