Paul de Vos

flämischer Maler From Wikipedia, the free encyclopedia

Paul de Vos (* um 1591/92 oder 1595 in Hulst; † 30. Juni 1678 in Antwerpen) war ein flämischer Maler und Zeichner, der vor allem für seine Jagdszenen, Darstellungen kämpfender Tiere und Vorratskammerstücke bekannt wurde. Paul de Vos war der Bruder der Maler Cornelis de Vos und Jan de Vos und Schwager von Frans Snyders. Wie seine Brüder erhielt er seine Ausbildung bei David Remeeus und wurde um 1620 als Meister in die Antwerpener Lukasgilde aufgenommen.[1][2] Paul de Vos arbeitete vielfach mit anderen Künstlern zusammen. Besonders bedeutend war seine Kooperation mit Peter Paul Rubens, für den er häufig Tierdarstellungen übernahm, etwa in Diana die Jägerin (Museo del Prado). Rubens besaß selbst acht Gemälde von Paul de Vos.[2]

Porträt von Paul de Vos. Graveur: Adriaen Lommelin, nach einem Gemälde von Anthonis van Dyck

Leben

Paul de Vos wurde in Hulst geboren und zog 1596 mit seiner Familie nach Antwerpen. Er entstammte einer künstlerisch geprägten Familie: Sein Bruder Cornelis de Vos war als Porträt- und Historienmaler tätig und seine Schwester Margaretha heiratete 1611 den Tiermaler Frans Snyders. Dadurch kam Paul de Vos früh mit dessen Werk in Kontakt. Um 1604 begann er eine Lehre bei Denys van Hove in Antwerpen, wechselte kurze Zeit später in die Werkstatt von David Remeeus und arbeitete schließlich mit Frans Snyders zusammen. Im Jahr 1620 wurde er Meister in der Lukasgilde zu Antwerpen. Zu seinen bedeutenden Auftraggebern gehörte der Adlige Philippe-Charles d’Arenberg, der zwischen 1633 und 1640 Gemälde mit Jagd- und Tiermotiven bei ihm in Auftrag gab. Bedeutende spanische Sammler wie der Marqués de Leganés, der Marqués del Carpio und der Herzog von Salvatierra besaßen zahlreiche seiner Werke. Auch König Philipp IV. von Spanien schätzte seine Gemälde, die mehrere königliche Residenzen in Madrid schmückten, darunter die Torre de la Parada. Das Museo del Prado in Madrid bewahrt eine umfangreiche Sammlung seiner Jagd- und Fabelbilder.[1][2]

Paul de Vos starb 1678 in Antwerpen. Seine Werke befinden sich heute in bedeutenden europäischen Sammlungen, unter anderem im Museo del Prado in Madrid und im Städel Museum in Frankfurt am Main, sowie in weiteren Museums- und Privatsammlungen.[2]

Werk

Paul de Vos spezialisierte sich auf Tierdarstellungen, Jagdszenen und Stillleben. Charakteristisch für seine Werke sind die oft dramatisch und bisweilen drastisch wirkenden, bewegungsreichen Szenen, in denen er Hunde, Katzen, Hirsche, Vögel, Leoparden oder Bären bei Kämpfen oder auf der Jagd darstellte. Daneben fertigte er Vorratskammern mit Wild und Geflügel an. Da seine Bilder nur selten datiert sind, ist eine genaue Chronologie schwer zu bestimmen. Zahlreiche Arbeiten entstanden in Zusammenarbeit mit anderen Künstlern: So steuerte Paul de Vos Tierfiguren zu Gemälden von Peter Paul Rubens bei, während Landschaftsdarstellungen häufig von Malern wie Jan Wildens ergänzt wurden.[2]

Paul de Vos’ künstlerische Entwicklung lässt sich in drei Phasen gliedern. In der frühen Phase bis etwa 1630 entstanden Stillleben in der Tradition Snyders, die noch eher nüchtern und detailgenau gestaltet sind, beispielsweise mit Geflügel und Gemüse. In seiner Reifephase in den 1630er- und frühen 1640er-Jahren schuf er monumentale Jagdgemälde wie Der Garten Eden (um 1636, Privatbesitz) oder Hirschjagd (1637–1640, Museo del Prado, Madrid). Diese Werke sind durch gesteigerte Bewegung und dramatische Spannung geprägt. In den späteren Jahrzehnten wiederholte Paul de Vos diese erfolgreichen Bildtypen. Dabei wurden die Kompositionen zunehmend expressiver, dynamischer und manchmal auch roher in der Darstellung von Gewalt, wie etwa in Dogs Bringing Down a Stag (um 1640, ehemals Privatsammlung). Sein Stil unterscheidet sich dabei von dem seines Schwagers Frans Snyders durch eine kräftigere, weniger detailverliebte Pinselführung, die zu einer gesteigerten Bildwirkung beiträgt. Zusätzlich erweiterte de Vos das Motivrepertoire der Tiermalerei, indem er ungewöhnliche Szenen wie kämpfende Katzen oder von Wölfen attackierte Pferde darstellte.[2]

Literatur

  • Matthias Depoorter: Vos, Paul de (1591), Veröffentlicht von K. G. Saur 2021, Allgemeines Künstlerlexikon Online, De Gruyter, 2009.
  • Klaus Ertz: Flämische Maler im Umkreis und Nachfolge von Rubens, Lingen, 2002.
  • Klaus Ertz: Jan Brueghel der Jüngere (1601–1678). Kritischer Katalog der Gemälde, Lingen, 1984 (mit Werkzusammenhängen zu Paul de Vos und Jan Wildens).
  • Hans Vlieghe: Flemish Art and Architecture 1585–1700, Yale University Press, New Haven/London, 1998.
  • Matías Díaz Padrón: La escuela flamenca del Museo del Prado. Siglo XVII, Museo del Prado, Madrid, 1975.
  • Ursula Härting: Studien zur niederländischen Tiermalerei des 17. Jahrhunderts, Frankfurt am Main, 1979.
  • Erika Tietze-Conrat: Tierszenen der niederländischen Malerei im 17. Jahrhundert, Wien, 1955.

Einzelnachweise

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