Paule Marshall

US-amerikanische Schriftstellerin From Wikipedia, the free encyclopedia

Paule Marshall (geboren als Valenza Pauline Burke; 9. April 1929 in Brooklyn, New York; † 12. August 2019 in Richmond, Virginia) war eine US-amerikanische Schriftstellerin, deren Werk die Erfahrungen der afrokaribischen Diaspora in den Vereinigten Staaten literarisch prägte.[1] Sie nahm die Rolle einer Brückenfigur zwischen karibischen und US-amerikanischen Literaturtraditionen ein.[2] Bekannt wurde sie mit dem Debütroman Brown Girl, Brownstones (1959), der als Meilenstein der US-Literatur gilt.[1]

Leben

Marshall wurde als Tochter barbadischer Einwanderer in Brooklyn geboren und trug bei der Geburt den Namen Valenza Pauline Burke.[3] Die Herkunft ihrer Eltern aus Barbados prägte ihre Kindheit ebenso wie die Sprachkultur der afrokaribischen Gemeinschaft, aus der sie schöpfte.[1] Im Jugendalter änderte sie ihren Vornamen in „Paule“ (stummes „e“).[1] Nach einem krankheitsbedingten Studienabbruch am Hunter College wandte sie sich dem Englischstudium zu und studierte am Brooklyn College.[1] In den 1950er-Jahren arbeitete sie als Redakteurin und Autorin beim afroamerikanischen Magazin Our World.[1] Frühere Stationen dort führten sie nach Brasilien und in die Karibik.[4] Ab den 1980er-Jahren lehrte sie an der Virginia Commonwealth University (VCU) und später an der New York University.[5] Sie starb im Alter von 90 Jahren in Richmond; sie litt in den letzten Jahren an Demenz.[6]

Wirken

Marshalls Prosa befasst sich mit den Verflechtungen von Rassismus, Kolonialismus, Migration und Geschlechterverhältnissen, häufig aus dem Blickwinkel selbstbewusster schwarzer Protagonistinnen und mit besonderem Augenmerk auf die afrokaribische Diaspora.[1] Ihr Debüt Brown Girl, Brownstones (1959) erzählt vom Erwachsenwerden einer Tochter barbadischer Einwanderer in Brooklyn und gilt als herausragender Beitrag zur afroamerikanischen Literatur der Nachkriegszeit.[1] Mit The Chosen Place, The Timeless People (1969) setzt sie sich mit Modernisierungskonflikte auf einer fiktiven Karibikinsel auseinander, während Praisesong for the Widow (1983) ihren literarischen Ruhm festigte.[3] Spätere Bücher wie Daughters (1991), The Fisher King (2000) und die Memoiren Triangular Road (2009) erweiterten ihr thematisches Spektrum um Familien-, Erinnerungs- und Musikgeschichte.[5]

Programmatisch betonte Marshall, Frauen ins „Zentrum der Macht“ ihrer Erzählungen zu stellen, was die Kritik als feministische Poetik ihres Werks beschrieb.[6] Ihre literarische Bedeutung bezeugten zahlreiche Würdigungen aus dem Kollegenkreis; so würdigte Edwidge Danticat sie als prägende Mentorin und geistige Wegbereiterin.[7] Marshall erhielt eine Guggenheim-Förderung (1961) und eine MacArthur Fellowship (1992).[5][8] Im Jahr 1989 wurde sie mit dem John-Dos-Passos-Preis für Literatur ausgezeichnet, 2009 folgte der Lifetime-Achievement-Award der Anisfield-Wolf Book Awards.[5][9]

Einzelnachweise

Related Articles

Wikiwand AI