Pawan Sinha
indisch-US-amerikanischer Professor für Vision und Computergestützte Neurowissenschaften
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Leben
Er erwarb seinen Bachelor-Abschluss in Informatik am Indian Institute of Technology in Neu-Delhi, 1992 seinen Master- und 1995 den Doktortitel (Ph.D.) in Künstlicher Intelligenz am Department für Informatik des MIT. Der Betreuer seiner Dissertation war Tomaso Poggio. Von 1995 bis 1997 war er Postdoc am MIT. Von 1998 bis 1999 bekam er eine Stelle als Assistenzprofessor für Psychologie an der University of Wisconsin–Madison. Seit 1999 ist er Ordentlicher Professor Hirn- und Kognitionswissenschaften am (MIT).[2] Darüber hinaus absolvierte er längere Forschungsaufenthalte an der University of California, Berkeley, dem Xerox Palo Alto Research Center in Palo Alto, dem Sarnoff Research Center der Princeton University und dem Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik in Tübingen.
2003 gründete er das Projekt Prakash (Sanskrit „Licht“). Dabei wurden in abgelegenen und unterversorgten Regionen Indiens Augenuntersuchungen durchgeführt, die heute allen Kindern kostenlose Augenuntersuchungen bieten und Kinder mit behandelbarer Blindheit identifizieren und behandeln.[3] Dieses Projekt verfolgt die Ziele, Kindern mit Behinderungen Therapien anzubieten und gleichzeitig die Mechanismen des Lernens und der Plastizität des Gehirns zu erforschen.[4]
Werk
Seine Forschungsinteressen umfassen Neurowissenschaften, künstliche Intelligenz, maschinelles Lernen und öffentliche Gesundheit. Mithilfe experimenteller und computergestützter Modellierungstechniken konzentriert sich seine Forschung auf das Verständnis der Prozesse und Prinzipien der Wahrnehmungsentwicklung; dabei wird versucht zu verstehen, wie das menschliche Gehirn durch visuelle Erfahrungen lernt, Objekte zu erkennen und wie diese im Gedächtnis gespeichert werden. Die experimentellen Arbeiten des Labors zu diesen Themen beinhalten die Untersuchung gesunder Personen sowie von Menschen mit neurologischen Erkrankungen wie Autismus. Ziel ist es nicht nur, Erkenntnisse über die Natur und Entwicklung der menschlichen Sehfähigkeit zu gewinnen, sondern auch leistungsfähigere und robustere KI-Systeme zu entwickeln.
Im Rahmen des Projekt Prakash konnte die seit 1688 von dem irischen Philosophen William Molyneux geäußerte Frage, ob ein Blinder eine Kugel optisch von einem Würfel unterscheiden kann, wenn er plötzlich sein Sehvermögen zurückerlangt, von ihm und Richard Held beantwortet werden. Sie fanden, dass von Geburt an blinde Menschen, die mit medizinischer Hilfe ihr Augenlicht wiedererlangen, und Objekte mit ihren Händen ertasteten, diese vorerst nicht visuell identifizieren konnten. Fünf Tage später schnitten die Kinder mit einer hohen Trefferquote dagegen deutlich besser ab. Die rasche Verbesserung deutet darauf hin, dass das visuelle System maßgeblich auf die durch Erfahrung gewonnene Rückkopplung zwischen Sehen und Tasten angewiesen ist. Oder anders gesagt: Auch Sehen muss gelernt werden. Es gibt also offenbar kein angeborenes Konzept von Raum und Form, das unabhängig von den Sinneswahrnehmungen entsteht und über jeden Sinn zugänglich ist. Vielmehr scheint das Raumkonzept erst durch Erfahrung zu entstehen, die sich wiederum aus dem Input mehrerer Sinne zusammensetzt.
Ehrungen/Positionen
- Pisart Vision Award der Lighthouse Guild International
- 2012: Presidential Early Career Award (PECASE-Preis: höchste Auszeichnung der US-Regierung für Nachwuchswissenschaftler)
- Alfred P. Sloan Foundation Fellowship in Neurowissenschaften
- John Merck Scholars Award für Forschung zu Entwicklungsstörungen
- Jeptha and Emily Wade Award für innovative Forschung
- James McDonnell Scholar Award
- 2007: Troland Research Award der United States National Academy of Sciences
- Global Indus Technovator Award
- Distinguished Alumnus Award des IIT Delhi[5]
- Dean’s Award for Advising and Teaching am MIT
Privates
Er widmet sich gelegentlich Abenteuersportarten, Kunst und skurrilen Projekten. Er zeichnet regelmäßig einen Comicstrip für die Campuszeitung des MIT und wurde für die kleinste Reproduktion eines gedruckten Buches der Welt ins Guinness-Buch der Rekorde aufgenommen.
Publikationen (Auswahl)
- Monografien
- Mit Tomaso Poggio: View-Based Strategies for 3D Object Recognition. Massachusetts Institute of Technology (MIT), Cambridge (Massachusetts) 1994.
- Mit Cristóbal Curio; Heinrich H. Bülthoff; Martin A. Giese; Tomaso A. Poggio; Alan Johnston; Alice O’Toole; Dana Roark; Natalie Butcher; Karen Lander; Martin Breidt; Mario Kleiner; Barbara Knappmeyer; Harold Hill; David Leopold; Stephen V. Shepherd; Asif A. Ghazanfar; Aina Puce; Charles E. Schroeder; Patrik Vuilleumier; Ruthger Righart; Beatrice de Gelder; J. Van Den Stock; Thomas Serre; Marian Stewart Bartlett; Gwen Littlewort; Esra Vural; Jake Whitehill; Tingfan Wu; Kang Lee; Javier Movellan; Steven M. Boker; Jeffrey F. Cohn; Christian Walder; Lea Bernhard Schölkopf: Dynamic Faces: Insights from Experiments and Computation. MIT Press, Cambridge (Massachusetts) 2010, ISBN 978-0-262-01453-3.
- Zeitschriftenartikel/Buchbeiträge
- Mit Caterina Annalaura Pedersini; Alessio Fracasso; Amna Dogar; Bas Rokers: Gray matter abnormalities in sight deprivation and sight restoration. In: Brain Structure and Function, 2025, 230 (7).
- Mit Hojin Jang; Xavier Boix: Configural processing as an optimized strategy for robust object recognition in neural networks. In: Communications Biology, 2025, 8(1).
- Mit Isaac N. Treves; Jonathan Cannon; Eren Shin; Cindy E. Li; Lindsay Bungert; Amanda O’Brien; Annie Cardinaux; John D. E. Gabrieli: Autistic Adults Show Intact Learning on a Visuospatial Serial Reaction Time Task. In: J. Autism Dev. Disord., 2024, 54 (4), S. 1549–1557.
- Mit T. K.Gandhi; K.Tsourides; N. Singhal; A. Cardinaux; W. Jamal; D. Pantazis; M. K. Kjelgaard: Autonomic and Electrophysiological Evidence for Reduced Auditory Habituation in Autism. In: Journal of Autism and Dev. Disorders, 2020.
- W. Jamal; A. Cardinaux; A. J. Haskins; M. K. Kjelgaard: Reduced sensory habituation in autism and its correlation with behavioral measures. In: Journal of Autism and Dev. Disorders, 2020.
- Mit S. Crucilla; T. K. Gandhi; D. Rose; A. K. Singh; S. Ganesh; U. Mathur; P. Bex: Mechanisms underlying simultaneous brightness contrast: Early and innate. In: Vision Research, 2020, 173, S. 41–49.
- Mit L. Vogelsang; S. Gilad-Gutnick; E. Ehrenberg; A. L. Yonas; S. P. Diamond; R. M. Held: Potential downside of high initial visual acuity. In: Procs. of the National Academy of Sciences, 2018, 115 (44), S. 11333–11338.
- Mit S. Gilad-Gutnick; K. Tsourides; E. S. Harmatz; G. Yovel: Recognizing facial slivers. In: Journal of Cognitive Neuroscience, 2018, 30 (7), S. 951–962.
- Mit A. K. Singh; F. Phillips; L. B. Merabet: Why does the cortex reorganize after sensory loss? In: Trends in Cognitive Science, 2018,22 (7), S: 569–582.
- Mit Suma Ganesh; Priyanka Arora; Sumita Sethi; Tapan K Gandhi; Amy Kalia; Garga Chatterjee: Results of late surgical intervention in children with early-onset bilateral cataracts. In: British Journal of Ophthalmology, 2014, 98 (10), S. 1424–1428.
- Once blind and now they see. In: Scientific American, 2013, 309 (1), S. 48–55.
- Mit Richard Held: Sight restoration. In: F1000 Medicine Reports, 2012, 4, 17.
- Mit Yuri Ostrovsky; Ethan Meyers; Suma Ganesh; Umang Mathur: Visual parsing after recovery from blindness. In: Psychological Science, 2009, 20 (12), S. 1484–1491.
- Mit S. S. A. Zaidi; X. Boix; N. Prasad; S.Gilad-Gutnick; S. Ben-Ami: (2020). Is Robustness To Transformations Driven by Invariant Neural Representations? In: arXiv preprint, arXiv:2007.00112.
- Mit Yuri Ostrovsky; Aaron Andalman: Vision following extended congenital blindness. In: Psychological science, 2006, 17 (12), S. 1009–1014.
- Mit T. Poggio: The role of learning in 3-D form perception. In: Nature, 1996, 384 (6608), S. 460–463.
- The coherence of subjective gratings. In: Vision Research, 1996, 36 (22), S. 3661–3665.
- Mit T. Poggio: I think I know that face..., . In: Nature, 1996, 384 (6608), S. 404.