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Pelléas et Mélisande (Oper)

Oper von Claude Debussy From Wikipedia, the free encyclopedia

Pelléas et Mélisande ist eine französische Oper in fünf Akten (15 Bildern). Die Gattungsbezeichnung des Komponisten Claude Debussy lautet „Drame lyrique“. Der Text ist eine Adaption des Schauspiels Pelléas et Mélisande von Maurice Maeterlinck. Da das Libretto bis auf einige Kürzungen nahezu wörtlich auf dem kanonischen Text Maeterlincks basiert, gilt die Oper als Literaturoper.

Schnelle Fakten Werkdaten, Personen ...
Werkdaten
Originaltitel: Pelléas et Mélisande

Mary Garden als Melisande

Originalsprache: Französisch
Musik: Claude Debussy
Libretto: Maurice Maeterlinck
Literarische Vorlage: Maurice Maeterlinck: Pelléas et Mélisande
Uraufführung: 30. April 1902
Ort der Uraufführung: Opéra-Comique, Salle Favart, Paris
Spieldauer: ca. 3 Stunden
Personen
  • Mélisande (Sopran)
  • Geneviève, Mutter von Golaud und Pelléas (Alt)
  • Arkel, König von Allemonde (Bass)
  • Pelléas, Arkels Enkel (Tenor oder Bariton)
  • Golaud, Bruder von Pelléas (Bass)
  • Yniold, Sohn Golauds aus erster Ehe (Knabensopran)
  • Ein Arzt (Bass)
  • Dienerinnen, Bettler (stumm)
  • Stimmen von Matrosen (Chor)
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Uraufgeführt wurde sie am 30. April 1902 in Paris in der Opéra-Comique, sie blieb die einzige vollendete Oper von Debussy und wurde spät populär. Erst seit den 1960er Jahren erfuhr sie weltweite Verbreitung als Répertoireoper.

Handlung

Erster Akt

1. Szene: Golaud verläuft sich bei der Jagd im Wald und trifft an einem Brunnen auf die weinende Mélisande. Sie ist sehr schön und ebenso scheu, lässt keine Berührungen zu und deutet den Grund für ihr Verhalten nur an. Demnach ist sie nach leidvollen Erfahrungen einem Mann entflohen, der ihr eine Krone gab, die in den Brunnen gefallen ist. Sie will die Krone nicht zurückhaben. Golaud überredet sie, mit ihm zu kommen.

2. Szene: Geneviève, die Mutter von Golaud und Pelléas, liest Arkel, ihrem Vater und König von Allemonde, einen Brief vor, den Golaud an seinen Halbbruder Pelléas geschrieben hat. Dieser soll bei König Arkel Fürsprache einlegen, damit Golaud mit seiner zweiten Frau Mélisande, die er vor sechs Monaten geheiratet hat, heimkehren kann. Arkel hatte ursprünglich eine andere Frau zu Golauds Gattin bestimmt, befürwortet aber Golauds neue Wahl und seine Rückkehr. Pelléas kommt dazu. Er hat zeitgleich einen zweiten Brief von einem im Sterben liegenden Freund erhalten, der ihn zu sich ruft, wogegen sich Arkel ausspricht.

3. Szene: Geneviève macht Mélisande mit ihrer neuen Umgebung vertraut. Mélisande fürchtet die Düsternis des Schlosses und des nahen Parks. Von einem Schiff, das aus dem Hafen fährt, sind Stimmen zu hören. Mélisande erkennt an den Segeln, dass es das Schiff ist, das sie hergebracht hat. Pelléas begegnet den beiden. Als er Mélisande den Arm stützen will, um sie auf dem steilen Weg vor einem Fall zu bewahren, lässt sie den Kontakt zu.

Zweiter Akt

Pelléas führt Mélisande zum Brunnen der Blinden, dessen Wasser die Sehkraft zurückgeben soll. Mélisande spielt mit dem Ring, den Golaud ihr geschenkt hat, und hört nicht auf Pelléas’ halbherzige Warnungen. Sie lässt Golauds Ring in den Brunnen fallen. In der gleichen Sekunde fällt Golaud an einem anderen Ort vom Pferd und verletzt sich. Er bemerkt später den fehlenden Ring an Mélisandes Hand, und sie täuscht vor, ihn in einer Grotte verloren zu haben. Golaud schickt sie fort, um ihn zu suchen, und befiehlt Pelléas, mit ihr zu gehen.

In der dunklen Grotte treffen Pelléas und Mélisande auf drei blinde Bettler, werden mit Krankheit und Hungersnot konfrontiert und fliehen.

Dritter Akt

Mélisande kämmt ihr langes goldenes Haar und singt ein kleines Lied dabei. Dadurch wird Pelléas herbeigerufen, der sich schwärmend mit ihren Haaren umhüllt und sich damit an einer Weide festbindet. Golaud kommt dazu und tadelt ihr Verhalten als Kindereien. Er droht Pelléas und verbietet ihm schließlich den weiteren Umgang mit Mélisande, da dies ihrer Schwangerschaft schaden könne. Seinen kleinen Sohn aus erster Ehe Yniold lässt er die beiden durch das Fenster beobachten. Auf seine Fragen, was er sehen könne, kann Yniold ihm nicht hinreichend antworten: Pelléas und Mélisande sitzen sich schweigend gegenüber. Doch sie hätten sich geküsst.

Vierter Akt

Pelléas bittet Mélisande, zu einem letzten Abschied mit ihm in den Park zu gehen. Später versucht Arkel, sie über Pelléas’ Abwesenheit zu trösten. Er versucht sie zu küssen. Golaud demonstriert seine Eifersucht offen, als er Mélisande an ihren Haaren schleift.

Im Park ist Yniold allein beim Brunnen. Wie jeden Tag hört er die Laute der heimkehrenden Schafe. Der Hirte verwehrt ihnen aber den Weg zum Stall, sie sollen zum Schlachthof. Eine Ahnung von Tod überkommt den Jungen.

Pelléas verabschiedet sich in der Nacht am Brunnen von Mélisande. Ihre tiefe Zuneigung füreinander wird nur zaghaft in Worte gefasst. Golaud der sich hinter einem Baum versteckt hat, tötet Pelléas, und Mélisande flieht.

Fünfter Akt

Mélisande liegt nach der Geburt einer Tochter und anschließendem Fieber im Sterben. Nach ihrem Erwachen versucht Golaud, sich zu rechtfertigen, und bittet sie um Verzeihung. Anschließend drängt er sie, angesichts des Todes die Wahrheit zu sagen, ob sie Pelléas geliebt habe. Sie bejaht, verneint aber, mit ihm eine sexuelle Beziehung gehabt zu haben. Golaud will ihr nicht glauben. Nachdem Mélisande erstmals ihre Tochter gesehen hat, stirbt sie. Arkel bezeichnet Mélisande postum als zarte, rätselhafte Frau und sagt, dass das Kind ihren Platz einnehmen solle.

Musik und Text

Pelléas und Mélisande ist eine aktweise durchkomponierte Oper. Debussy vertonte den von ihm selbst eingerichteten Text zunächst ohne Orchesterzwischenspiele zwischen den einzelnen Szenen, fügte diese aber auf Wunsch des Intendanten der Pariser Oper aus praktischen Erwägungen (Überbrückung der notwendigen Umbaupausen) nach und nach hinzu und erweiterte sie im Zuge der Uraufführungsserie.

Debussys Einrichtung des Theatertextes verzichtet auf Arien und größere Soloszenen im herkömmlichen Sinn. Er beschrieb im Figaro die Gestaltung der Gesangsrollen folgendermaßen: „Die Gestalter dieses Dramas wollen natürlich singen – und nicht in einer willkürlichen Ausdrucksweise, die aus überlebten Traditionen stammt. Ich wollte, daß die Handlung nie stillsteht, sondern ununterbrochen weitergeht […].“[1]

Sein Ziel war es, im Unterschied zum übermächtigen Musikdrama Richard Wagners dem Wort in Form eines deklamatorischen Gesangs eine höhere Bedeutung zu verleihen, da man nicht jedes Gefühl melodisch ausdrücken könne, und daher die Instrumentalmusik so einzusetzen, dass sie nicht Seelenzustände beschreibt, sondern das Unsagbare, Unterschwellige oder Ersehnte sichtbar macht. Wagners symphonisch ausschweifende Musik hielt er für unvereinbar mit einem literarischen Text. Sein Ideal war eine Oper, in der die „Figuren nicht diskutieren, sondern ihr Leben und Schicksal erleiden“.[2] Viele Fragen, die die Figuren stellen, bleiben dementsprechend unbeantwortet, Banales wird wiederholt, Wichtiges wird ausgelassen oder verdrängt, Liebe wird verschwiegen, geäußerte Abreiseabsichten werden nicht umgesetzt. Auch eine wichtige Figur fehlt zum Verständnis der Situation: der Sohn Arkels, also sein Thronfolger. Die in Maeterlincks Text deutliche Lügenhaftigkeit Mélisandes und sexuellen Invokationen einer femme fatale werden bei Debussy nur angedeutet. Hier ist Mélisandes Angst und Verletzlichkeit das Grundthema vor dem Hintergrund einer allgemeinen unentrinnbaren Depression, der sich nur Golaud mit seinen gewalttätigen Aktionen entzieht. Musikalische Motive, die mit den Personen verknüpft sind, erfahren keine Entwicklung und suggerieren Stillstand.[3]

Bis kurz vor seinem Tod unterzog Debussy die Partitur immer wieder einer Revision. Die „Fassung letzter Hand“ unterscheidet sich dadurch in der Instrumentation erheblich von der Fassung der Uraufführung.

Für die Entstehungsgeschichte und die Vorgänge um die Uraufführung siehe unter Claude Debussy.

Wichtige Inszenierungen

International
  • Opéra-Théatre de Metz (Regie: Henri Doublier, Bühnenbild und Kostüme: Jean Cocteau 1962): Diese legendäre Inszenierung einer Traumwelt folgt der symbolistischen Tradition und wurde 1963 von der Opéra-Comique (Paris) übernommen.[4]
Deutschland
  • Berlin, Staatsoper Unter den Linden (Regie: Ruth Berghaus; Bühnenbild: Hartmut Meyer, 1991): Die wohl berühmteste deutsche Inszenierung entstand 1991 an der Staatsoper Unter den Linden und war die letzte Inszenierung von Ruth Berghaus für das Haus. Sie befindet sich nach Wiederaufnahmen 2007/08 und 2017/18 auch heute noch (2026) im Repertoire. Berghaus deutet das Werk als abstrakte, streng geometrisch stilisierte, nicht romantisierende Studie über Macht, Begehren und Isolation. Insbesondere die symbolhafte Gestik zeichnet diese Deutung aus.[5] Die Statik des Bühnenbildes trotz verschiedener Ortswechsel verdeutlicht die Unmöglichkeit, der Situation zu entkommen.
  • Oper Frankfurt (Regie: Claus Guth 2012): Die Inszenierung von Claus Guth deutet die Handlung tiefenpsychologisch und versetzt die Handlung in ein großbürgerliches Ambiente des 19. Jahrhunderts. Sie wurde 2013 mit dem Deutschen Theaterpreis „Faust“ ausgezeichnet und mehrfach wieder aufgeführt (u. a. 2017).[6]
  • Bayerische Staatsoper München (Regie: Christiane Pohle 2015): Christiane Pohle inszenierte das Werk anlässlich der Münchner Opernfestspiele als Kammerspiel über familiäre Gewalt und emotionale Abhängigkeit.

Literatur

Commons: Pelléas et Mélisande – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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