Perlenteppich von Baroda

prunkvoll bestickter Teppich From Wikipedia, the free encyclopedia

Der Perlenteppich von Baroda (englisch Pearl Carpet of Baroda) ist ein prunkvoll bestickter Teppich, der im 19. Jahrhundert für den Fürstenstaat Baroda (heute Vadodara, Gujarat, Indien) angefertigt wurde.[1] In Auftrag gegeben wurde er von Maharaja Khande Rao Gaekwad (Regierungszeit: 1856–1870). Der Perlenteppich von Baroda gilt als eines der kostbarsten Textilkunstwerke der Welt und war ursprünglich als Votivgabe zur Bedeckung des Grabes des Propheten Mohammed in Medina gedacht.[1] Der zwischen 1860 und 1865 entstandene Teppich gilt als herausragendes Beispiel indischer Kunstfertigkeit des 19. Jahrhunderts, das Luxus, religiöse Symbolik und höfische Repräsentation verbindet. Zugleich dokumentiert er die historische Bedeutung des Perlenhandels zwischen Indien und dem Persischen Golf sowie die kulturellen Transferprozesse zwischen islamischer und hinduistischer Kunst.[1]

Perlenteppich von Baroda (englisch Pearl Carpet of Baroda). Nationalmuseum von Katar
Perlenteppich von Baroda

Geschichte

Khande Rao Gaekwad (Shrimant Maharaja Sir Khanderao II Gaekwad, Sena Khas Khel Shamsher Bahadur, 1828–1870)

Der Auftraggeber, Maharaja Khande Rao Gaekwad, war für seinen außergewöhnlichen Schmuckbesitz und seine Leidenschaft für Juwelen bekannt. Zu seinen bedeutendsten Erwerbungen zählten der Diamant „Star of the South“ und der „English Dresden“, die später Teil des sogenannten Baroda Diamond Necklace[2] wurden. Der Perlenteppich war eines seiner frühesten und repräsentativsten Auftragswerke. Laut überlieferten Berichten sollte der Teppich als Zeichen religiöser Verehrung an den Schrein des Propheten Mohammed in Medina gesandt werden. Dies geschah jedoch nicht mehr vor dem Tod des Maharajas im Jahr 1870. Nach dem Tod von Khande Rao verblieb der Teppich in der königlichen Sammlung der Gaekwad-Dynastie. Er wurde erstmals 1902/03 im Rahmen der Delhi-Ausstellung („Indian Art Exhibition“) der Öffentlichkeit präsentiert. Zeitgenössische Quellen wie die von Sir George Watt berichten, dass ursprünglich möglicherweise vier Teppiche und ein kreisförmiger Baldachin als komplettes Ensemble zur Überdachung des Prophetengrabes vorgesehen waren. Andere Berichte sprechen von einem Duplikat des Teppichs, von dem nur eines erhalten blieb.[1]

Nach der indischen Unabhängigkeit im Jahr 1947 übernahm Maharaja Pratapsingh Rao Gaekwad (Regierungszeit: 1939–1947) den Besitz. Im Jahr 1946 brachte er zusammen mit seiner zweiten Gemahlin Sita Devi eine umfangreiche Sammlung der Baroda-Juwelen, darunter auch den Perlenteppich, nach Monaco. Dort wurde Sita Devi als Eigentümerin eingetragen. Nach der Abdankung des Maharajas im Jahr 1951 und finanziellen Schwierigkeiten in den 1970er Jahren verkaufte Sita Devi einen Großteil ihres Schmucks. Es wird angenommen, dass der Perlenteppich im Jahr 1974 im Rahmen eines diskreten Verkaufs in Monte Carlo in den Besitz einer Familie aus dem Mittleren Osten überging. Nach jahrzehntelangem Verbleib in Privatbesitz wurde der Teppich 1985/86 in der Ausstellung „India“ im Metropolitan Museum of Art in New York gezeigt.[1]

Am 19. März 2009 versteigerte Sotheby’s den Pearl Carpet of Baroda im Rahmen der Premiere der Reihe Arts of the Islamic World in Doha, Katar. Der Zuschlag erfolgte bei 5,5 Millionen US-Dollar an einen anonym gebliebenen Telefonbieter. Dies stellte einen Auktionsrekord für einen Teppich dar. Die Verkäuferschaft und der Erwerber wurden nicht offiziell bekannt gegeben. Laut Pressemeldungen wurde der Teppich später der Sammlung des Museums für Islamische Kunst in Doha (Qatar Museums Authority) übereignet und zählt heute zu den Höhepunkten der Sammlung.[1][3]

Beschreibung und Material

Detail

Der rechteckige Teppich misst 2,64 m × 1,74 m. Der Träger ist aus Seide und Hirschleder gefertigt und vollständig dicht bestickt. Das Ornament setzt sich aus aufgereihten natürlichen Basra-Perlen und farbigen englischen Glasperlen zusammen. Die Perlen weisen einen Durchmesser von etwa 1–3 mm auf. Pro vertikalem Dezimeter (10 cm) sind durchschnittlich 78 Perlen und Glasperlen und pro horizontalem Dezimeter 68 angebracht. Dies entspricht einer Dichte von rund 4990 Perlen pro dm². Die Gesamtfläche des Teppichs beträgt ca. 45.670 cm². Nach Abzug der drei großen, mit Diamanten gefüllten Rosetten (zusammen ca. 440 cm²), der 32 kleineren Rosetten (zusammen ca. 400 cm²) und der kleineren Edelsteinfassungen bleibt eine mit Perlen und Glasperlen bestickte Fläche von rund 44.500 cm². Daraus ergibt sich eine Gesamtzahl von über 2,2 Millionen verwendeten Perlen und Glasperlen. Die Anzahl der im Muster eingesetzten Perlen wird auf 1,2 bis 1,5 Millionen geschätzt. Die Rosetten sind mit etwas größeren, natürlichen Basra-Perlen mit einem Durchmesser von etwa 3–4 mm eingefasst. Das geschätzte Gesamtgewicht der Perlen beträgt 30.000 Karat. Die Rosettenmotive sind mit rund 2500 Diamanten im Tafel- und Rosenschliff mit einem Gesamtgewicht von etwa 350 bis 400 Karat besetzt. Die Fassungen bestehen aus Silber auf Gold oder möglicherweise aus geschwärztem Gold. Ergänzend wurden in den Goldfassungen Rubine, Smaragde und Saphire verwendet.[4]

Das Werk wurde von etwa hundert Hofhandwerkern aus Baroda gefertigt, die in der Mogul-Tradition der Edelsteinstickerei ausgebildet waren. Das Material, insbesondere die Perlen, stammte aus den traditionellen Perlenfischereien des Persischen Golfs (u. a. Bahrain, Katar und Kuwait). Die dort vorkommende Perlmuschel Pinctada radiata liefert hauptsächlich kleine Saatperlen, die im Handel als „Basra-Perlen“ bezeichnet werden.[4]

Commons: Pearl Carpet of Baroda – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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