Permingeatit
Mineral aus der Gruppe der Sulfosalze
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Permingeatit (IMA-Symbol Pmg[2]) ist ein sehr selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Sulfide und Sulfosalze“ mit der chemischen Zusammensetzung Cu3SbSe4[3] und damit chemisch gesehen ein Kupfer-Antimon-Selenid. Als chemische Verwandte der Sulfide werden die Selenide in die gleiche Mineralklasse eingeordnet.
| Permingeatit | |
|---|---|
| Allgemeines und Klassifikation | |
| IMA-Nummer |
1971-003[1] |
| IMA-Symbol |
Pmg[2] |
| Chemische Formel | Cu3SbSe4[3][1] |
| Mineralklasse (und ggf. Abteilung) |
Sulfide und Sulfosalze |
| System-Nummer nach Lapis-Systematik (nach Strunz und Weiß) Strunz (9. Aufl.) Dana |
II/C.06-030 2.KA.10 03.02.02.03 |
| Kristallographische Daten | |
| Kristallsystem | tetragonal |
| Kristallklasse; Symbol | tetragonal-skalenoedrisch; 42m[4] |
| Raumgruppe | I42m (Nr. 121)[3] |
| Gitterparameter | a = 5,63 Å; c = 11,23 Å[3] |
| Formeleinheiten | Z = 2[3] |
| Physikalische Eigenschaften | |
| Mohshärte | 4 bis 4,5 (VHN50 = 234 kg/mm²)[5] |
| Dichte (g/cm3) | berechnet: 5,82[5] |
| Spaltbarkeit | fehlt |
| Farbe | hellbräunlichrosa |
| Strichfarbe | nicht definiert |
| Transparenz | undurchsichtig |
| Glanz | Metallglanz |
| Weitere Eigenschaften | |
| Besondere Merkmale | Thermoelektrizität |
Permingeatit kristallisiert im tetragonalen Kristallsystem und konnte bisher nur in Form von mikroskopisch kleinen Körnern und Einschlüssen in Hakit gefunden werden. Permingeatit ist in jeder Form undurchsichtig (opak) und zeigt auf polierten Flächen eine hellbräunlichrosa Farbe.
Etymologie und Geschichte
Erstmals entdeckt wurde Permingeatit in einem Carbonat-Gang in der Uranlagerstätte Předbořice[6] (Predborice) nahe dem gleichnamigen Ort in der Gemeinde Kovářov im tschechischen Okres Písek.[7] Analysiert und erstbeschrieben wurde das Mineral durch Zdenek Johan, Paul Picot, Roland Pierrot, Milan Kvaček, die es nach dem französischen Mineralogen François Permingeat (1917–1988) benannten.
Das Mineralogenteam sandte seine Untersuchungsergebnisse und den gewählten Namen 1971 zur Prüfung an die International Mineralogical Association (interne Eingangs-Nr. der IMA: 1971-003[1]), die den Permingeatit noch im gleichen Jahr als eigenständige Mineralart anerkannte. Ebenfalls im gleichen Jahr erfolgte die Publikation der Erstbeschreibung im französischen Fachmagazin Bulletin de la Société Française de Minéralogie et de Cristallographie. Offiziell bestätigt wurde die Anerkennung 1972 mit der Publikation der New mineral names im Fachmagazin American Mineralogist.
Das Typmaterial des Minerals wird in der Karls-Universität Prag (CUP) und der École nationale supérieure des mines de Paris (ENSM) unter der Katalog-Nr. 50938 aufbewahrt.[8]
Klassifikation
In der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz war der Permingeatit noch nicht aufgeführt.
In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer II/C.06-030. Dies entspricht der Klasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort der Abteilung „Sulfide mit dem Stoffmengenverhältnis Metall : S,Se,Te ≈ 1 : 1“, wo Permingeatit zusammen mit Barquillit, Briartit, Černýit, Famatinit, Ferrokësterit, Hocartit, Kësterit, Keutschit, Kuramit, Luzonit, Petrukit, Pirquitasit, Rhodostannit, Sakuraiit, Stannit, Toyohait und Velikit die „Stannitgruppe“ mit der Systemnummer II/C.06 bildet.[9]
Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte[10] 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Permingeatit in die Klasse der „Sulfide und Sulfosalze (Sulfide, Selenide, Telluride, Arsenide, Antimonide, Bismutide, Sulfarsenide, Sulfantimonide, Sulfbismutide)“ und dort in die Abteilung „Sulfarsenate“ ein. Hier ist das Mineral in der Unterabteilung „Sulfarsenate mit (As,Sb)S4-Tetraedern“ zu finden, wo es zusammen mit Barquillit, Briartit, Famatinit und Luzonit die „Luzonitgruppe“ mit der Systemnummer 2.KA.10 bildet.
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Permingeatit die System- und Mineralnummer 03.02.02.03. Das entspricht der Klasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort der Abteilung „Sulfosalze“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Sulfosalze mit dem Verhältnis z/y = 4 und der Zusammensetzung (A+)i (A2+)j [ByCz], A = Metalle, B = Halbmetalle, C = Nichtmetalle“ in der „Luzonitgruppe“, in der auch Luzonit und Famatinit eingeordnet sind.
Kristallstruktur
Permingeatit kristallisiert in der tetragonalen Raumgruppe I42m (Raumgruppen-Nr. 121) mit den Gitterparametern a = 5,63 Å und c = 11,23 Å sowie 2 Formeleinheiten pro Elementarzelle.[3]
Eigenschaften
Permingeatit ist thermoelektrisch.
Bildung und Fundorte
Permingeatit bildet sich hydrothermal in niedriggradigen (epithermalen) Gängen. Als Begleitminerale treten unter anderem Berzelianit, Calcit, Chalkopyrit, Clausthalit, Eskebornit, Ferroselit, Goethit, gediegen Gold, Hakit, Hämatit, Klockmannit, Naumannit, Pyrit, Tetraedrit, Umangit und Uraninit auf.[5]
Außer an seiner Typlokalität Předbořice in Südböhmen konnte das Mineral in Tschechien bisher nur noch in den Uranlagerstätten „11A“ bei Bytíz und „16“ bei Háje in der Gemeinde Háje u Příbramě (Mittelböhmen) sowie in den Urangruben „Bukau“ (auch Bukov) und „Peterswald“ (Petrovice) in der Gemeinde Rožná (Žďár nad Sázavou) im Hochland.
Der bisher einzige deutsche Fundort ist das Lagerstättenrevier Schlema-Alberoda im sächsischen Erzgebirgskreis.
Der einzige weitere bisher dokumentierte Fundort (Stand 2022) ist eine Kupfer-Molybdän-Lageerstätte im Gebiet um Tsogttsetsii in der Provinz Süd-Gobi der Mongolei.[11]
Siehe auch
Literatur
- Zdenek Johan, Paul Picot, Roland Pierrot, Milan Kvaček: La permingeatite Cu3SbSe4, un nouveau minéral du groupe de la luzonite. In: Bulletin de la Société Française de Minéralogie et de Cristallographie. Band 94, 1971, S. 162–165 (französisch, rruff.info [PDF; 295 kB; abgerufen am 21. Dezember 2022]).
- Michael Fleischer: New mineral names. In: American Mineralogist. Band 57, 1972, S. 1552–1561 (englisch, rruff.info [PDF; 742 kB; abgerufen am 21. Dezember 2022]).
- A. Pfitzner: Crystal structure of tricopper tetraselenoantimonate (V), Cu3SbSe4. In: Zeitschrift für Kristallographie. Band 209, 1994, S. 685, doi:10.1524/zkri.1994.209.8.685 (englisch).
- Chongyin Yang, Fuqiang Huang, Liming Wu, Ke Xu: New stannite-like p-type thermoelectric material Cu3SbSe4. In: Journal of Physics D: Applied Physics. Band 44, Nr. 29, 2011, doi:10.1088/0022-3727/44/29/295404 (englisch).
- Pavel Škácha, Elena Buixaderas, Jakub Plášil, Jiří Sejkora, Viktor Goliáš, Vojtěch Vlček: Permingeatite, Cu3SbSe4, from Příbram (Czech Republic): Description and Raman spectroscopy investigations of the luzonite-subgroup of minerals. In: The Canadian Mineralogist. Band 52, 2014, S. 501–511, doi:10.3749/canmin.52.3.501 (englisch, rruff.info [PDF; 2,4 MB; abgerufen am 21. Dezember 2022]).
Weblinks
- Permingeatit. In: Mineralienatlas Lexikon. Geolitho Stiftung
- Permingeatite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy (englisch).
