Permingeatit

Mineral aus der Gruppe der Sulfosalze From Wikipedia, the free encyclopedia

Permingeatit (IMA-Symbol Pmg[2]) ist ein sehr selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Sulfide und Sulfosalze“ mit der chemischen Zusammensetzung Cu3SbSe4[3] und damit chemisch gesehen ein Kupfer-Antimon-Selenid. Als chemische Verwandte der Sulfide werden die Selenide in die gleiche Mineralklasse eingeordnet.

Schnelle Fakten Allgemeines und Klassifikation, Kristallographische Daten ...
Permingeatit
Metallisch glänzende Permingeatit-Kristallgruppe aus der Typlokalität Předbořice, Tschechien
Allgemeines und Klassifikation
IMA-Nummer

1971-003[1]

IMA-Symbol

Pmg[2]

Chemische Formel Cu3SbSe4[3][1]
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Sulfide und Sulfosalze
System-Nummer nach
Lapis-Systematik
(nach Strunz und Weiß)
Strunz (9. Aufl.)
Dana

II/C.06-030

2.KA.10
03.02.02.03
Kristallographische Daten
Kristallsystem tetragonal
Kristallklasse; Symbol tetragonal-skalenoedrisch; 42m[4]
Raumgruppe I42m (Nr. 121)Vorlage:Raumgruppe/121[3]
Gitterparameter a = 5,63 Å; c = 11,23 Å[3]
Formeleinheiten Z = 2[3]
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 4 bis 4,5 (VHN50 = 234 kg/mm²)[5]
Dichte (g/cm3) berechnet: 5,82[5]
Spaltbarkeit fehlt
Farbe hellbräunlichrosa
Strichfarbe nicht definiert
Transparenz undurchsichtig
Glanz Metallglanz
Weitere Eigenschaften
Besondere Merkmale Thermoelektrizität
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Permingeatit kristallisiert im tetragonalen Kristallsystem und konnte bisher nur in Form von mikroskopisch kleinen Körnern und Einschlüssen in Hakit gefunden werden. Permingeatit ist in jeder Form undurchsichtig (opak) und zeigt auf polierten Flächen eine hellbräunlichrosa Farbe.

Etymologie und Geschichte

Erstmals entdeckt wurde Permingeatit in einem Carbonat-Gang in der Uranlagerstätte Předbořice[6] (Predborice) nahe dem gleichnamigen Ort in der Gemeinde Kovářov im tschechischen Okres Písek.[7] Analysiert und erstbeschrieben wurde das Mineral durch Zdenek Johan, Paul Picot, Roland Pierrot, Milan Kvaček, die es nach dem französischen Mineralogen François Permingeat (1917–1988) benannten.

Das Mineralogenteam sandte seine Untersuchungsergebnisse und den gewählten Namen 1971 zur Prüfung an die International Mineralogical Association (interne Eingangs-Nr. der IMA: 1971-003[1]), die den Permingeatit noch im gleichen Jahr als eigenständige Mineralart anerkannte. Ebenfalls im gleichen Jahr erfolgte die Publikation der Erstbeschreibung im französischen Fachmagazin Bulletin de la Société Française de Minéralogie et de Cristallographie. Offiziell bestätigt wurde die Anerkennung 1972 mit der Publikation der New mineral names im Fachmagazin American Mineralogist.

Das Typmaterial des Minerals wird in der Karls-Universität Prag (CUP) und der École nationale supérieure des mines de Paris (ENSM) unter der Katalog-Nr. 50938 aufbewahrt.[8]

Klassifikation

In der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz war der Permingeatit noch nicht aufgeführt.

In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer II/C.06-030. Dies entspricht der Klasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort der Abteilung „Sulfide mit dem Stoffmengenverhältnis Metall : S,Se,Te ≈ 1 : 1“, wo Permingeatit zusammen mit Barquillit, Briartit, Černýit, Famatinit, Ferrokësterit, Hocartit, Kësterit, Keutschit, Kuramit, Luzonit, Petrukit, Pirquitasit, Rhodostannit, Sakuraiit, Stannit, Toyohait und Velikit die „Stannitgruppe“ mit der Systemnummer II/C.06 bildet.[9]

Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte[10] 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Permingeatit in die Klasse der „Sulfide und Sulfosalze (Sulfide, Selenide, Telluride, Arsenide, Antimonide, Bismutide, Sulfarsenide, Sulfantimonide, Sulfbismutide)“ und dort in die Abteilung „Sulfarsenate“ ein. Hier ist das Mineral in der Unterabteilung „Sulfarsenate mit (As,Sb)S4-Tetraedern“ zu finden, wo es zusammen mit Barquillit, Briartit, Famatinit und Luzonit die „Luzonitgruppe“ mit der Systemnummer 2.KA.10 bildet.

In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Permingeatit die System- und Mineralnummer 03.02.02.03. Das entspricht der Klasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort der Abteilung „Sulfosalze“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Sulfosalze mit dem Verhältnis z/y = 4 und der Zusammensetzung (A+)i (A2+)j [ByCz], A = Metalle, B = Halbmetalle, C = Nichtmetalle“ in der „Luzonitgruppe“, in der auch Luzonit und Famatinit eingeordnet sind.

Kristallstruktur

Permingeatit kristallisiert in der tetragonalen Raumgruppe I42m (Raumgruppen-Nr. 121)Vorlage:Raumgruppe/121 mit den Gitterparametern a = 5,63 Å und c = 11,23 Å sowie 2 Formeleinheiten pro Elementarzelle.[3]

Eigenschaften

Permingeatit ist thermoelektrisch.

Bildung und Fundorte

Permingeatit bildet sich hydrothermal in niedriggradigen (epithermalen) Gängen. Als Begleitminerale treten unter anderem Berzelianit, Calcit, Chalkopyrit, Clausthalit, Eskebornit, Ferroselit, Goethit, gediegen Gold, Hakit, Hämatit, Klockmannit, Naumannit, Pyrit, Tetraedrit, Umangit und Uraninit auf.[5]

Außer an seiner Typlokalität Předbořice in Südböhmen konnte das Mineral in Tschechien bisher nur noch in den Uranlagerstätten „11A“ bei Bytíz und „16“ bei Háje in der Gemeinde Háje u Příbramě (Mittelböhmen) sowie in den Urangruben „Bukau“ (auch Bukov) und „Peterswald“ (Petrovice) in der Gemeinde Rožná (Žďár nad Sázavou) im Hochland.

Der bisher einzige deutsche Fundort ist das Lagerstättenrevier Schlema-Alberoda im sächsischen Erzgebirgskreis.

Der einzige weitere bisher dokumentierte Fundort (Stand 2022) ist eine Kupfer-Molybdän-Lageerstätte im Gebiet um Tsogttsetsii in der Provinz Süd-Gobi der Mongolei.[11]

Siehe auch

Literatur

  • Zdenek Johan, Paul Picot, Roland Pierrot, Milan Kvaček: La permingeatite Cu3SbSe4, un nouveau minéral du groupe de la luzonite. In: Bulletin de la Société Française de Minéralogie et de Cristallographie. Band 94, 1971, S. 162–165 (französisch, rruff.info [PDF; 295 kB; abgerufen am 21. Dezember 2022]).
  • Michael Fleischer: New mineral names. In: American Mineralogist. Band 57, 1972, S. 1552–1561 (englisch, rruff.info [PDF; 742 kB; abgerufen am 21. Dezember 2022]).
  • A. Pfitzner: Crystal structure of tricopper tetraselenoantimonate (V), Cu3SbSe4. In: Zeitschrift für Kristallographie. Band 209, 1994, S. 685, doi:10.1524/zkri.1994.209.8.685 (englisch).
  • Chongyin Yang, Fuqiang Huang, Liming Wu, Ke Xu: New stannite-like p-type thermoelectric material Cu3SbSe4. In: Journal of Physics D: Applied Physics. Band 44, Nr. 29, 2011, doi:10.1088/0022-3727/44/29/295404 (englisch).
  • Pavel Škácha, Elena Buixaderas, Jakub Plášil, Jiří Sejkora, Viktor Goliáš, Vojtěch Vlček: Permingeatite, Cu3SbSe4, from Příbram (Czech Republic): Description and Raman spectroscopy investigations of the luzonite-subgroup of minerals. In: The Canadian Mineralogist. Band 52, 2014, S. 501–511, doi:10.3749/canmin.52.3.501 (englisch, rruff.info [PDF; 2,4 MB; abgerufen am 21. Dezember 2022]).
Commons: Permingeatite – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

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