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Persische Hungersnot 1942–1943

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Die Persische Hungersnot von 1942 bis 1943 war eine schwere Hungerkrise im Iran während der britisch-sowjetischen Besetzung im Zweiten Weltkrieg. Sie entstand aus dem Zusammenwirken einer schlechten Ernte, der militärischen Inanspruchnahme des iranischen Verkehrsnetzes, Einschränkungen des inneriranischen Lebensmitteltransports, alliierten Requisitionen und einer starken Inflation.[1][2][3] Die Krise verschärfte sich im Herbst und Winter 1942; Brotknappheit und Preissteigerungen führten zu Hunger, gesellschaftlichen Unruhen und im Dezember 1942 zu gewaltsamen Protesten in Teheran.[4]

Grace Dreyfus, die Ehefrau von Louis G. Dreyfus, verteilt Lebensmittel in Teheran (1943)

Eine belastbare landesweite Opferzahl ist nicht bekannt. Während Cormac Ó Gráda die Zahl der Todesopfer als unbekannt, aber wahrscheinlich vergleichsweise gering einstuft, schätzte Mohammad Gholi Majd für die weiter gefasste Hungersnot und Typhusepidemie von 1942 bis 1944 drei bis vier Millionen Bevölkerungsverluste.[3][5]

Hintergrund

Polnischer Junge trägt Brot (1943); die Versorgung europäischer Flüchtlinge im Land während der Hungersnot sorgte für eine Kontroverse

Im August 1941 besetzten britische Truppen den Süden und sowjetische Truppen den Norden des neutralen Iran. Die Besetzung sicherte den Alliierten den später als Persischer Korridor bezeichneten Transportweg, über den kriegswichtige Güter aus dem Persischen Golf in die Sowjetunion gebracht wurden.[6] Die britischen und sowjetischen Behörden verwendeten wichtige Straßen, die Transiranische Eisenbahn und einen erheblichen Teil der verfügbaren Fahrzeuge vorrangig für militärische Transporte. Dadurch wurde der inneriranische Transport von Getreide und anderen Lebensmitteln erschwert.[2]

Die Aufteilung des Landes in Besatzungszonen beeinträchtigte zudem den Warenaustausch zwischen den landwirtschaftlichen Überschussgebieten und den von Lebensmittelknappheit betroffenen Landesteilen. Nach Angaben des United States Holocaust Memorial Museum untersagten die sowjetischen Behörden zeitweise den Transport von Reis in die zentralen und südlichen Regionen des Landes.[7] Hinzu kamen alliierte Aufkäufe und Requisitionen von Lebensmitteln sowie der zusätzliche Bedarf der Besatzungstruppen und der seit 1942 in den Iran gelangenden europäischen Flüchtlinge.[3][1]

Verlauf

Die Ernte des Jahres 1942 fiel schlecht aus.[1] Gleichzeitig führte die Finanzierung der alliierten Militärausgaben durch die Ausgabe zusätzlicher iranischer Banknoten zu einem starken Anstieg des Preisniveaus. Der Preisindex der iranischen Nationalbank stieg von 193 Punkten im August 1941 auf 331 Punkte im September 1942, wobei das Basisjahr 1937 einem Wert von 100 entsprach.[8] Im Verlauf des Jahres 1942 verschlechterte sich die Versorgung insbesondere in den Städten. Der amerikanische Gesandte Louis G. Dreyfus berichtete am 4. November 1942 nach Washington, die örtliche Lage nähere sich rasch einem kritischen Stadium; in den vorausgegangenen Tagen habe es mehrere Brotunruhen und Suizide gegeben.[9] In den letzten Monaten des Jahres 1942 und Anfang 1943 waren die Straßen von Kermanschah voller halbnackter und hungernder Menschen, wobei täglich fünfzehn Todesfälle auf Hunger und Armut zurückzuführen waren. Im Februar 1943 brach in der Stadt Typhus aus, und das Krankenhaus wurde aufgrund der weit verbreiteten Ansteckung unter Ärzten und Personal geschlossen.[10]

Nach längeren Verhandlungen unterzeichneten Vertreter Irans, des Vereinigten Königreichs und der Vereinigten Staaten am 4. Dezember 1942 eine gemeinsame Versorgungserklärung. Die britische und die amerikanische Regierung erklärten sich darin bereit, gemeinsam 25.000 Tonnen Weizen in den Iran zu bringen.[11] Die Vereinbarung sollte die Mindestversorgung bis zur Ernte des folgenden Jahres sichern und sah außerdem Maßnahmen gegen das Horten von Lebensmitteln sowie eine Neuordnung der Rationierung und des Transports vor.[12]

Trotz der Vereinbarung zogen am 8. Dezember 1942 Studierende zum Parlamentsgebäude in Teheran und verlangten höhere Brotrationen sowie Maßnahmen gegen die Versorgungskrise. Weitere Bevölkerungsgruppen schlossen sich ihnen an, worauf sich die Demonstration zu schweren Unruhen ausweitete. Dabei kamen mehr als 20 Menschen ums Leben; etwa 700 wurden verletzt und 150 festgenommen.[4]

Im Mai 1943 bewertete der amerikanische Präsidentenbeauftragte Patrick J. Hurley das Ende der akuten Lebensmittelkrise als absehbar.[2] Die Folgen von Unterernährung und Krankheiten hielten regional jedoch länger an. Noch bis 1944 litt die Bevölkerung schwer unter Nahrungsmangel und den Ausbrüchen von Krankheiten wie Typhus.[5]

Opfer

Zeitgenössische Quellen belegen Todesfälle durch Hunger, ohne eine landesweite Gesamtzahl zu nennen. Unterernährung, unzureichendes Trinkwasser und die Schwächung des Gesundheitssystems begünstigten zugleich die Ausbreitung von Infektionskrankheiten. Für den Süden und Südwesten Irans sind unter anderem Pocken, Fleckfieber, Typhus und Cholera dokumentiert.[13]

Die Ermittlung der Opferzahl wird durch die lückenhafte Bevölkerungsstatistik erschwert. Die erste landesweite Volkszählung Irans wurde erst 1956 durchgeführt; ältere Angaben zur Gesamtbevölkerung beruhten überwiegend auf Schätzungen.[14] Cormac Ó Gráda bezeichnet die Opferzahl als unbekannt und wahrscheinlich vergleichsweise gering im Vergleich zu anderen Hungersnöten während des Zweiten Weltkriegs.[3] Davon deutlich abweichend kam Mohammad Gholi Majd anhand einer demografischen Rückrechnung zu einer Schätzung von drei bis vier Millionen Bevölkerungsverlusten. Seine Berechnung bezieht sich allerdings auf den längeren Zeitraum von 1942 bis 1944 und umfasst neben der Hungersnot auch die Typhusepidemie. Sie stellt keine zeitgenössisch erfasste Zahl von Todesfällen dar, sondern beruht auf Annahmen über die Bevölkerungszahl und das hypothetische Bevölkerungswachstum.[5][14] Eine allgemein anerkannte Gesamtzahl der Opfer liegt daher nicht vor.

Siehe auch

Einzelnachweise

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