Peter Conder

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Peter Conder (* 20. März 1919 Streatham; † 8. Oktober 1993 in Cambridge) war ein britischer Lieutenant, Ornithologe, Naturschützer und Direktor der Royal Society for the Protection of Birds.[1]

Peter Condor als Lieutenant

Leben

Familie und Ausbildung

Peter Conder wurde in Streatham, Stadtteil von London, als Sohn des Schiffsmaklers John Reynolds Conder und seiner Frau Edna Francis, geb. Benson, geboren.[2] Er besuchte die Cranleigh School in Surrey. Sein Interesse an der Ornithologie erwachte dort, wo er Mitglied der ornithologischen Schülergesellschaft war. Er erinnerte sich daran, wie er sich frühmorgens heimlich aus dem Schlafsaal schlich, um Vögel zu beobachten.[3] Nach der Schule ging Conder nach Lausanne in der Schweiz, um Französisch zu lernen, und verbrachte sechs Wochen in Neufundland auf einer Expedition der British Schools Exploring Society. Im Frühjahr 1938 begann er seine Arbeit bei der wegweisenden Werbeagentur S. H. Benson (gegründet von Conders Großvater).[4][5]

Zweiter Weltkrieg

Mit dem Herannahen des Krieges trat Conder der Territorialarmee bei und wurde zum Offizier im 2. Londoner Regiment des Royal Corps of Signals ernannt. Als die britische Expeditionsstreitmacht 1939 (mit Waffen aus dem Ersten Weltkrieg) nach Frankreich entsandt wurde, diente er bei den Royal Ulster Rifles, dem Coldstream Regiment und den Grenadier Guards in der Nähe von Lille. Am 12. Juni 1940 geriet er mit der 51st (Highland) Division in Saint-Valery-en-Caux in deutsche Gefangenschaft. Sie wurden durch Frankreich, Belgien, die Niederlande und Deutschland nach Laufen an der deutsch-österreichischen Grenze geführt.

Kriegsgefangenschaften

Von Juli 1940 bis März 1941 war Conder im Oflag VII-C, einem Kriegsgefangenenlager in Schloss Laufen an der Salzach, inhaftiert. Im Frühjahr 1941 kam er zusammen mit anderen jüngeren Offizieren in das Stalag XXI-D in Poznań, Polen. Dabei verlor er seinen Koffer mit seinen noch unveröffentlichten Schriften. Conder schrieb später: „Mit meiner Gefangennahme verlor ich dreißigtausend Wörter. Zwei Jahre Arbeit.“ Einen Monat später wurde Conder in das Stalag XX-A in der Festung Toruń, Polen, verlegt. Von Toruń kam die Gruppe im Juni 1941 in das Oflag V-B Biberach in Südwestdeutschland verlegt. Das Lager war eine moderne deutsche Armeekaserne am Stadtrand, eingebettet in eine überwiegend landwirtschaftlich genutzte Landschaft ohne Bäume oder Sträucher im Lager oder in der näheren Umgebung. Aufgrund der geringen Vielfalt der einheimischen Vögel verbrachte Conder den Sommer damit, Vogelgesang zu transkribieren. Biberach lag nur 85 Kilometer von der Schweizer Grenze entfernt, und diese kurze Distanz war der Anstoß für mehrere Fluchtversuche. Der erfolgreichste Tunnel begann unter den Sitzen (über den Exkrementen) einer Toilette mit mehreren Öffnungen, die sich am Rande des Lagers befand. Schließlich gelang es dem Grabungsteam, aus dem Lager zu entkommen, und vier von ihnen erreichten die Schaffhausen-Lücke in der Schweiz.

Im Herbst 1941 wurde Conder in das Oflag VI B in Dössel bei Warburg verlegt. Das Lager lag in einer Ebene, die sich nach Süden leicht erhöhte und oberhalb der Stadt Warburg bzw. des Dorfes Dössel lag. Bis auf einen Hügel im Süden bot sich ihnen ein fast 360-Grad-Rundumblick. Fünfhundert Meter weiter oben auf dem Hügel stand eine Scheune, die für die Geflüchteten von Bedeutung war. Offiziere mit besonderen Interessen hatten die Möglichkeit, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen, die in verschiedenen Lagern gedient hatten. Dies galt insbesondere für Vogelbeobachter. Zu ihnen gehörten John Barrett, John Buxton und George Waterston. Sie trafen sich einmal im Monat in John Buxtons Zimmer, um die gesichteten Vögel zu dokumentieren und führten regelmäßig Gespräche und Diskussionen.[6][7] Im Juli beobachtete er den Hausrotschwanz, und den größten Teil des Winters verfolgte Conder das Fress- und Schlafverhalten der lokalen Saatkrähen- und Dohlenkolonie sowie den Vogelzug verschiedener Arten, darunter Krähen, die nach Nordosten in Richtung Russland zogen. Die gefangenen Vogelbeobachter postierten sich auf einer Abraumhalde im oberen Teil des Lagers. Von dort aus hatten sie einen guten Überblick über Himmel und Horizont und konnten die vorbeifliegenden Vögel beobachten und dokumentieren. Anfang 1942 wurde er von den deutschen Wachen verhaftet, da man seine Motive verdächtigte. Er hätte Informationen für die Tunnel grabenden Gefangenen beschaffen können.

Am 4. September 1942 kam er in das Oflag VII B in Eichstätt, Bayern. Über das Lager schreibt er: „Es liegt in einem Tal mit einem Fluss, auf der einen Seite Wälder, auf der anderen Hügel, ähnlich den South Downs. Die Gebäude waren Baracken, und es wurden einige neue Steinhütten errichtet; beide sind durchaus bewohnbar. Am Rande des Lagers verläuft eine doppelte Lindenreihe, und ringsherum stehen vereinzelt weitere Bäume. Es ist natürlich ein sehr guter Ort für Vögel.“ Conder begann in diesem Lager das Verhalten des Stieglitzes zu dokumentieren.[8] Im Juli 1943 – April 1945 war er im Oflag IX A/Z[9] in Rotenburg interniert: „Ich betreibe dieses Jahr keine wirklich intensive Vogelbeobachtung, sondern führe nur zwei kleinere Erhebungen durch: eine Bestandsaufnahme aller Vögel, die ich auf Spaziergängen in ihren verschiedenen Lebensräumen sehe, und eine allgemeine Erfassung aller Vögel im Lager, damit ich innerhalb und außerhalb des Lagers ein klares Ziel habe“

Conder gelang noch zweimal die Flucht: einmal durch einen Tunnel mit vierzehn anderen, doch er wurde nach einer Stunde wieder gefasst. Beim zweiten Mal, als die Gefangenen aufgrund der Nachricht von den herannahenden Alliierten in ein neues Lager marschierten, wurde die Gefangenenkette immer länger. Als sie um eine Kurve kamen, flüchteten er und ein Freund in ein Waldstück. Sie versteckten sich einige Tage in einer Scheune und sahen schließlich amerikanische Panzer herannahen. Daraufhin wurden sie festgenommen. Am 5. April 1945 kehrte Conder nach England zurück.

Nachkriegszeit

Ab 1947 war Conder Leiter der Vogelwarte Skokholm bei der West Wales Field Society. Conder setzte hohe Standards für Forschung und Beobachtung, nicht nur für Vögel, sondern für die gesamte Tierwelt der Insel.[10] Er erforschte den Steinschmätzer.

1954 wurde er stellvertretender Sekretär der Royal Society for the Protection of Birds (RSPB). In dieser Funktion war er verantwortlich für den Erwerb und die Verwaltung von Naturschutzgebieten, Forschung, Strafverfolgung, die Überwachung von Ölverschmutzung und Pestiziden sowie den Schutz seltener Vögel, darunter der Fischadler am Loch Garten Osprey Centre in Strathspey.

1963 wurde Conder Direktor der RSPB.[11][12][13] Er berief Fachkräfte für die Bereiche Naturschutzgebiete, Forschung, Bildung, Publikationen, Film und Finanzverwaltung. Die Mitgliederzahl stieg von 20.000 auf 200.000. Zu den Erfolgen im Naturschutz zählten der Beitrag der RSPB zur erfolgreichen Kampagne gegen den Einsatz von Organochlorpestiziden, die erneute Etablierung der Fischadler als Brutvogel in Großbritannien, die jährliche Erweiterung der Liste der Naturschutzgebiete der Gesellschaft und die zunehmende Anerkennung der Bedeutung von Forschung für einen erfolgreichen Naturschutz als angewandte Wissenschaft durch die Regierung. Er war Mitglied des Beratungsausschusses des Innenministeriums zum Vogelschutzgesetz. Im Rahmen seiner zahlreichen Reisen vertrat er die RSPB auf internationalen Konferenzen im Ausland und leistete dort Beratung und Unterstützung.

1976 ging Conder bei der RSPB in den Ruhestand. Danach arbeitete er das folgende Jahrzehnt als Wildtierberater und wirkte in Schulungsprogrammen, Naturschutzgremien und Beiräten im In- und Ausland mit.[14] Zeitweise leitete er Wildtierreisen für britische und amerikanische Unternehmen in Südamerika, Europa, dem Nahen Osten und auf dem indischen Subkontinent. Er war außerdem Mitherausgeber von „British Birds“.

Positionen

  • Brisches Umweltministerium, Wissenschaftliche Behörde für Tiere (Scientific Authority for Animals Committee).
  • UNESCO: Übereinkommen zum Schutz der Kultur- und Naturgeschichte der Welt (Convention for the Protection of World’s Culture and Natural History). Beratung zur Auswahl von Naturschutzgebieten.
  • Pakistan. Beratungsausschuss für England,
  • Nature Conservancy Council: Naturschutzgremium des National Trust.
  • Gründungsmitglied des Gremiums für seltene Brutvögel.
  • Managementberater für WWF und IUCN in Pakistan (Provinz Sind) und Jordanien (in der Oase Azraq in der syrischen Wüste für das Feuchtgebietsmanagement).
  • Berater, Earthwatch Europe. Projekt S’Albufera.
  • Berater, Feuchtgebietsmanagement, Gemeinde Comacchio, Italien.
  • Dyfed Wildlife Trust, Islands Management Committee[15]
  • Cambridge Bird Club, Vorsitzender 1975–1979, Vizepräsident 1981–1986, Präsident 1987 bis zu seinem Tod.

Seine Vogelbeobachtungen sind im Edward Grey Institute of Ornithology in Oxford archiviert.

Auszeichnungen

  • 1976: Ernennung zum OBE für Verdienste um den Naturschutz.
  • 1977: Ehrendoktorwürde (MA) der Open University.
  • 1977: Goldmedaille der RSPB für Verdienste um den Vogelschutz.

Veröffentlichungen

Einzelnachweise

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