Petrichor

Geruch von Regen, der auf Erde trifft From Wikipedia, the free encyclopedia

Als Petrichor wird der Geruch bezeichnet, den Regen auf trockener Erde auslöst.

Ein Schauer ("Wolkenbruch") fällt aus einer Regenwolke zu Boden

Das Wort ist ein Kompositum aus altgriechisch πέτρα pétrā „Fels, Felsstück“ oder πέτρος pétros „Stein“[1][2][3] und ἰχώρ īchṓr „Blut der Götter[1][2][4] und wurde 1964 in einem Artikel für die Fachzeitschrift Nature geprägt von zwei australischen Forschenden der CSIRO, Isabel J. Bear und Richard G. Thomas.[5] In ihm beschreiben die beiden, wie der Geruch durch ein Öl entsteht, das bestimmte Pflanzen während Trockenperioden absondern, und das wiederum von Tonböden und Gesteinen absorbiert wird. Während des Regens wird das Öl zusammen mit einer anderen Verbindung namens Geosmin in die Luft freigesetzt; durch diese Verbindung entsteht der markante Geruch. In einem Folgebericht zeigten Bear und Thomas 1965, dass das Öl das Keimen von Samen und das frühe Pflanzenwachstum verzögert.[6][1]

In der Forschung

In seinem Buch Life of Marsupials (Das Leben der Beuteltiere) stellte C. Hugh Tyndale-Biscoe die Hypothese auf, dass der Geruch einen Einfluss auf den Östrus (Brunstzyklus) von Kängurus besitzt. In zwei Studien wurde festgestellt, dass sich 65 % der untersuchten weiblichen Kängurus zwei Wochen nach einem Regenschauer in der Brunst befanden. Da die Ovarialfollikel zehn Tage zum Reifen benötigen, implizierte dies also eine direkte Reaktion auf den Regenschauer. Tyndale-Biscoe ging deshalb davon aus, dass der Geruch durch den Riechnerv einen direkten Reiz an die Hypophyse erzeugt, ähnlich wie Pheromone, und dadurch der Sexualzyklus aktiviert wird. Laut Aussage von Tyndale-Biscoe gibt es dazu jedoch noch keine Untersuchungen.[7]

Auch mit dem Brauch des Erdeessens wird Petrichor in Verbindung gebracht. So beschreibt Sera L. Young in ihrem Buch Craving Earth ethnographische Interviews, bei denen die Testpersonen während ihrer Beschreibung des Geruchs von frisch befeuchteter Erde mit erhöhter Speichelproduktion reagierten. Young sieht Petrichor deshalb als wichtigen Faktor bei der Auswahl für die Eignung des Bodens zum Verzehr.[8]

Forscher des Massachusetts Institute of Technology fanden im Januar 2015 heraus, dass der Regengeruch durch kleine Bläschen hervorgerufen wird, die sich nach Auftreffen der Regentropfen auf einer Oberfläche bilden. Die Bläschen steigen auf und platzen, wodurch sie schließlich aromatische Aerosole freisetzen und den typischen Regengeruch hervorrufen.[9]

Einzelnachweise

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