Pfarrkirche St. Georgen am Fillmannsbach
Pfarrkirche mit Friedhof in St. Georgen am Fillmannsbach (59744)
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Die römisch-katholische Pfarrkirche St. Georgen am Fillmannsbach, für die am Georgitag (23. April) das Patrozinium gefeiert wird, steht in der Gemeinde St. Georgen am Fillmannsbach (Ortschaft Sankt Georgen am Fillmannsbach) in Oberösterreich. Sie diente als Filialkirche Feldkirchens und wurde 1785 zur Pfarrkirche von St. Georgen a.F. erhoben.[1] Seit 1. Jänner 2023 gehört St. Georgen am Fillmannsbach als eine von 14 Pfarrteilgemeinden zur Pfarre Braunau der Diözese Linz. Die Kirche und der Friedhof stehen unter Denkmalschutz (Listeneintrag).


Geschichte
In einer (gefälschten) Urkunde Heinrich des III. wird 1040 eine capella s. Georgii martiris in der Nähe des Wildsteiges erwähnt. Der Wildsteig (lateinisch: ferina semita) verband Braunau, Neukirchen, Handenberg, St. Georgen am Fillmannsbach mit Gundertshausen, Moosdorf und Schwerting.[2] Um 1120 übergab Eberhard von Haiming dem Stift Mattsee ein Gut in Vilmolzpach, 1299 transferierte das Salzburger Domkapitel Vilmospach an das Stift Ranshofen. Im Jahr 1407 wird eine Wochenmesse gestiftet. Der gotische Kirchenbau aus Konglomerat (Nagelfluh) entstand um 1460. Die Anlage eines Infektionsfriedhofs ist für das Jahr 1650 dokumentiert.[3]
Benedikt Pillwein, der seine Informationen vom Pfarrherrn (1817–1830) Balthasar Richtsfeld bezog, veröffentlichte 1832 auf zwei Seiten Folgendes zu St. Georgen:
Distrikts - Kommissariat Braunau. […]
Die zum Pfarrbezirke St. Georgen am Fillmannsbache gehörigen 8 Ortschaften sind: Anferting, Angerer, Feichten, Fillmannsbach, St. Georgen, Reischberg, Scheuern und Steckenbach mit 58 Häusern, 64 Wohnparteyen, 367 (bis 1830 auf 280 vorgerückt) Einwohnern. Wir sprechen bloß vom Pfarrorte.
St. Georgen am Fillmansbache, am Villmannsbache, am Vilmaßbache *)[Anm. 1], am Villmersbache oder Firmersbache (gewöhnlich), ein Pfarrdorf mit 14 Häusern, 18 Wohnparteyen, 76 Einwohnern, von Fillmannsbach, Feichten und Scheuern 1/8, von allen übrigen Pfarrorten 1/4 und höchstens 1/2, von Pischelsdorf 3/4 , von Braunau 2 1/2, von Linz 32 Stunden entfernt. Die Pfarrkirche mit 3 Altären, hübschen Bildern und Schnitzarbeiten geziert, mit schönen Paramenten versehen, am Thurme 3 Glocken angebracht, ist dem heil Georg geweiht und war früher eine Filiale von Feldkirchen. 1735 wurde St. Georgen zu einer Lokalpfarre, unter der königl. Josephinischen Pfarreintheilung das Benefizium zu Eberschwang aufgehoben und hieher transferirt wurde, so bezieht der jeweilige Pfarrer von der Herrschaft St. Martin einen Gehaltsbeytrag, und übet diese dafür das Präsentationsrecht. 1792 baute die Gemeinde den dasigen Pfarrhof, und erhielt vom Religionsfonde 500 fl. Beytrag. Das Pfarrgebäude ist eines der schönsten und bequemsten in der Umgegend. Der sehr große Gottesacker hat zwey unbedeutende Grabsteine. Im Jubeljahre 1826 wurde neben der Pfarrkirche ein Kalvarienberg errichtet. Man kommt über 140 Staffeln dahin, und findet ihn mit seinem 6 Stationen unter Maulbeerbäumen mit Ruhebänken schön angelegt. Mit der Einrichtung der Pfarre erhob sich auch eine systemisirte Schule, von 40 bis 50 Kindern besucht. 1821 erhielt der hiesige erste Schulmann, Joseph Gansinger, von Sr. Majestät die mittlere goldene Ehrenmedaille. (Aus den Schriften des Pfarrherrn Richtsfeld).[4]
- Anmerkungen
- *) Vergl. die Geschichte bey Mattsee 770 I. Abtheilung.
Architektur
Das einschiffige, dreijochige Langhaus und der leicht eingezogene zweijochige Chor mit einem Dreiachtelschluss haben Netzrippengewölbe mit einer geknickten Reihung der Rippen. Die dreiachsige Westempore steht auf Kielbögen und ist netzrippenunterwölbt. Die Gestaltung des gotischen Westturms entspricht der Salzburger Schule; er trägt einen achtseitigen Spitzhelm mit abgekappten Giebeln. Das Läuthaus des Turms ist mit einem Sternrippengewölbe geziert. Das reich profilierte spitzbogige Südportal wird durch eine netzrippengewölbte Vorhalle vor der Witterung geschützt. Die Holztür schließt mit einem gotischen Beschlag, wobei das Türblatt mit einem geschmiedeten Rautengitter überzogen ist. Zur Zierde ist in jede Raute eine geschmiedete Lilie eingefügt. Die Sakristeitür trägt ebenso gotischen Beschlag.
Südlich an der Kirche ist eine Gruftlaube der Familie König angebaut und beinhaltet einen Wandaltar aus dem zweiten Viertel des 17. Jahrhunderts.
Ausstattung
Der im Jahr 1757 aufgestellte Hochaltar wird von den Statuen des hl. Florian und hl. Martin flankiert; sie dürften aus dem dritten Viertel des 17. Jahrhunderts stammen. Das Altarblatt schuf der Braunauer Maler Josef Brandstätter, es zeigt den hl. Georg, auf einem Schimmel reitend den Drachen tötend.
Zwei gotische Figuren aus dem Ende des 15. Jahrhunderts, die hll. Katharina und Barbara, stehen auf Konsolen der Emporenbrüstung.

Orgel
Im Jahr 1848 stellte Johann Mauracher (1818–1884) aus Braunau eine neue Orgel mit 6 Registern auf, sie kostete 679 fl. R.W.[5] Johann Kollbacher, Bauer in Hinterloh, spendete den höchsten Beitrag für die Anschaffung der Orgel.[6]
Die Disposition lautet:
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- Dauerkoppel M/P
Kalvarienberg

Am 29. Mai 1826 wurde der Grundstein für die Errichtung einer Kalvarienbergkapelle auf einer privaten Parzelle gelegt, die zum Burgerhaus mit der Anschrift Fillmannsbach Nr. 2 (Inhaber: Beno Weilbuchner)[7] gehört. Zwei Männer aus dem Wirtshaus zu Fillmannsbach, Johann Templ (Wirtschafter) und Kaspar Kreill (Hausknecht) errichteten den Kalvarienberg. An der steilen Stiege, die Johann Templ allein schuf, sind Stationen aufgestellt, in denen die Geheimnisse des Schmerzhaften Rosenkranzes dargestellt sind. Das Christusbild in der Kapelle war früher in der Pfarrkirche, oberhalb des Altars, angebracht gewesen. In einem Stifterbrief wurde festgehalten, dass jährlich am 29. Mai eine Messe für Johann Templ, Kaspar Kreill und Pfarrer (1817–1830) Balthasar Richtsfeld gelesen werden soll. Zum 100-Jahr-Jubiläum im Jahr 1926 wurde die Kapelle aufwändig renoviert.[8]
Die Anlagen, insbesondere die Kalvarienbergkapelle, die 2026 ihr 200-jähriges Bestehen feiern soll, wirken verfallen.
Orgel der Kalvarienbergkapelle
Kaspar Kreill sorgte im Jahr 1844 für die Anschaffung eines Positivs, es war 1 m hoch, ebenso lang und 60 cm breit. Dieses Positiv war später unbrauchbar; im Jahr 1865 reparierte es deswegen der Braunauer Orgelbauer Franz Ehrlich. Er setzte neue zinnerne Pfeifen ein und stimmte das kleine Orgel-Instrument.[9]
Persönlichkeiten

Liste der Geistlichen
- Matthäus Waishaidinger (1787–1806), in St. Georgen begraben.[10]
- Rivardus (Josef) Eder (1806–1809)
- Alois Zellner (1809–1813)
- Provisor Nikolaus Stadler OSB von Michaelbeuern[11] (1813–1814) starb überraschend am 5. April 1814 und wurde in St. Georgen begraben.[12]
- 1. Pfarrer Valentin Mayerleuthner (1814–1817), erster in St. Georgen formell installierter Pfarrer.
- 2. Balthasar Richtsfeld (1817–1830)
- 3. Johann Nep. Stöhr (1831–1861)
- 4. Leopold Seyfried (1861–1863), in St. Georgen begraben.
- 5. Franz de Paula Resch (1863–1877)
- 6. Franz X. Pfeffer (1877–1904), in St. Georgen begraben.
- 7. Alois Asamer (1905–1906)
- 8. Jakob Peham (1906–1909)
- 9. Michael Wilflingseder (1910–1957),[13] in St. Georgen begraben.
Literatur
- Dehio Innviertel 2020
- ÖKT XXX (30) = Franz Martin: Die Kunstdenkmäler des politischen Bezirkes Braunau. In: Institut für österreichische Kunstforschung des Bundesdenkmalamtes (Hrsg.): Österreichische Kunsttopographie. Band XXX. Rudolf M. Rohrer, Baden bei Wien 1947 (redigiert von Dagobert Frey).
- Erwin Hainisch: St. Georgen am Fillmannsbach, Pfarrkirche. In: Die Kunstdenkmäler Österreichs. Dehio Oberösterreich. 6. Auflage. Wien 1977, S. 274 (Neubearbeitet von Kurt Woisetschläger. Vorworte zur 3. Auflage (1958) und 4. Auflage (1960) von Walter Frodl).
- Benedikt Pillwein: St. Georgen am Fillmannsbache. In: Geschichte, Geographie und Statistik des Erzherzogthums Oesterreich ob der Enns und des Herzogthums Salzburg. Band 4. Johann Christian Quandt, Linz 1832, S. 205 f.
- Michael Wilflingseder: Geschichte des Kalvarienberges in St. Georgen a. Fillmansbach. In: Neue Warte am Inn. Nr. 2, 8. Januar 1926, S. 9–10 (mit Fortsetzung in Nr. 3, 15. Jänner 1926, S. 9–10).
- Michael Wilflingseder: Zur Geschichte von St. Georgen am Filmansbach. In: Neue Warte am Inn. 17. August 1928 (6 Folgen, wöchentlich bis 21. September 1928).