Philadelphiavireo

Art der Gattung Vireos (Vireonidae) From Wikipedia, the free encyclopedia

Der Philadelphiavireo, früher Schlichtvireo, (Vireo philadelphicus), Syn. Vireosylvia philadelphica, ist eine Vogelart aus der Familie der Vireos (Vireonidae).[1][2]

Schnelle Fakten Systematik, Wissenschaftlicher Name ...
Philadelphiavireo

Philadelphiavireo

Systematik
Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)
Unterordnung: Singvögel (Passeri)
Überfamilie: Corvoidea
Familie: Vireos (Vireonidae)
Gattung: Eigentliche Vireos (Vireo)
Art: Philadelphiavireo
Wissenschaftlicher Name
Vireo philadelphicus
(Cassin, 1851)
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Verbreitungsgebiet des Philadelphiavireos
South Padre Island – Texas
In San Jose (Costa Rica)

Der Vogel kommt in Kanada als Brutvogel, in den Oststaaten und der Karibikküste Mexikos als Durchzügler und in Mittelamerika als Wintergast (Guatemala, Belize, Honduras, Nicaragua, Costa Rica und Panama) sowie auf Kuba vor, als Irrgast auch im Nordwesten Kolumbiens (von Oktober bis März).[3]

Der Lebensraum im Brutgebiet umfasst untere und mittlere Etagen im jüngeren Sekundär-, Mischwald, Waldränder, Parks, buschige Dickichte und Gärten. Bevorzugt werden Amerikanische Zitterpappeln, Birken, Erlen und Eschen, aber auch andere gemischte Wälder, solange die genannten Arten auch vorhanden sind. Für die Überwinterung wird Sekundärwald, Waldränder oberhalb von etwa 900 bis 1600 bis 2100 m Höhe bevorzugt, auch Mangrovenwald am Pazifik, schattige Kaffee- oder Kakaoplantagen und Gärten.[4][5]

Der Artzusatz bezieht sich auf die Stadt Philadelphia.[6]

Merkmale

Der Vogel ist dem Rotaugenvireo (Vireo olivaceus) ziemlich ähnlich, aber deutlich kleiner mit kürzerem Schnabel und weniger klarer Zeichnung, Überaugenstreif und Augenstreif sind nicht so deutlich. Die Art ist 11–13 cm groß und wiegt 10–13 g. Die Oberseite ist grau olivfarben, am Bürzel etwas heller, die Kopfkappe ist grau, die Zügel gräulich, der Überaugenstreif ist weiß. Die Unterseite ist blass gelb, an der Kehle am hellsten, an der Brust am intensivsten gelb. Der Schnabel ist grau, blasser im Schnabelwinkel, mit gelblich oder fleischfarbenem Ring bei Jungvögeln, die Iris ist dunkel haselnussbraun, die Beine sind schiefergrau. Die Geschlechter unterscheiden sich nicht. In allen Kleidern ist der Vogel gelb an Kehle und Brust Von den meisten anderen Vireos unterscheidet die Art sich durch die Kombination von blass gelber Unterseite und keinen Flügelbinden.

Im Schlichtkleid hat der Sängervireo (Vireo gilvus) etwas gelb an den Flanken, keinen Augenstreif und eine graue Unterseite. Die Gesichtszeichnung ist schlichter. Sein Überaugenstreif reicht weiter hinter das Auge. Die Art ist auch dem Braunkappenvireo (Vireo leucophrys) ähnlich, hat aber eine graue Kopfkappe und gelbe Kehle. Rotaugenvireo (Vireo olivaceus) und Gelbflankenvireo (Vireo flavoviridis) sind größer mit jeweils längerem Schnabel. Die Art kann auch mit dem Brauenwaldsänger (Leiothlypis peregrina) verwechselt werden, der aber etwas kleiner ist mit dünnerem Schnabel mit feiner Spitze und schmalerem, weniger deutlichem Hinteraugenstreif. Ferner ist dessen Oberseite leuchtend grün, beim Philadelphiavireo olivgrün.[4][7][5]

Geografische Variation

Die Art ist monotypisch.

Es wurden Hybride zwischen dem Philadelphiavireo und dem Rotaugenvireo (Vireo olivaceus) Vireo philadelphicus x olivaceus nachgewiesen.

Stimme

Die Lautäußerungen sind denen des Rotaugenvireos (Vireo olivaceus) sehr ähnlich, aber etwas höher und langsamer. Gelegentlich wird die gleiche Phrase mehrfach hintereinander wiederholt. Insgesamt können 5 verschiedene Gesangsarten je nach Zusammenhang unterschieden werden. Meist ist jede Phrase etwas unterschiedlich zur vorherigen. Am charakteristischsten ist der wiederholende Gesang bestehend aus einer Phrase, die immer und immer wieder gesungen wird. Dabei verwenden mehrere singende Männchen jeweils unterschiedliche Phrasen. Der Vogel kann auch die Rufe des Rotaugenvireos imitieren.[5]

Lebensweise

Die Art ist ein nächtlich ziehender Zugvogel. Sie erscheint ziemlich spät im Frühling (Mitte bis Ende April) in Nordamerika und zieht zwischen September und November wieder ab, meist über den Golf von Mexiko, oder entlang der Ostküste Mexikos im Frühling.

Die Nahrung besteht hauptsächlich aus Insekten, außerhalb der Brutzeit werden auch Früchte verzehrt. Gesucht wird im Blattwerk mit kurzen Sprüngen und Flügen entlang kleiner Zweige. Die Art ist nicht oder kaum am Erdboden anzutreffen, wohl aber oft in Gemischten Jagdgemeinschaften.

Der Vogel kann zusammen mit dem Rotaugenvireo (Vireo olivaceus) im gleichen Gebiet leben, da er sein Verhalten entsprechend anpasst: er vermeidet den direkten Kontakt, indem er nach Nahrung woanders sucht, Beispiel für „adaptive interspecific territoriality“ Anpassung interspezifischen Revierverhaltens.

Die Brutzeit beginnt im April. Das Weibchen wählt eine geeignete Stelle für das Nest, meist hoch in einem Baum, dicht unter der Spitze. In Vireo-typischer Weise wird das Nest an eine horizontale Astgabel gehängt. Nach etwa 5 Tagen ist das Nest fertig, jeden Tag wird ein Ei gelegt, insgesamt meist 4 mit dunkelbraunen oder schwarzen Flecken. Beide Elternvögel brüten, sobald das erste oder die ersten beiden Eier im Nest sind. Nesträuber sind Blauhäher (Cyanocitta cristata), Hörnchen und Purpurgrackel (Quiscalus quiscula).[4][5]

Gefährdungssituation

Der Bestand gilt als nicht gefährdet (Least Concern).[8]

Literatur

  • J. Cassin: Vireosylvia philadelphica. In: Proceedings of the Academy of Natural Sciences of Philadelphia, Band 5, S. 153, 1851, Biodiversity Library
  • H. González-Alonso, J. C. Daguerre, C. Hernández-Peraza: Diversidad de aves y nuevos registros para la Península de Hicacos, Matanzas, Cuba. In: Cuban Journal of Biological Sciences / Revista Cubana de Ciencias Biológicas, Band 13, Heft 1, S. 1–13, Januar–Juni 2025, PDF
  • K. Kaufman: Birder's World, Band 23, Heft 5, S. 36–38, 2009
  • D.A. Sibley: The Sibley Guide to Birds, 2000, ISBN 0-679-45122-6.
  • C. S. Robbins, B. Bruun, H. S. Zim: Birds of North America: A Guide to Field Identification. Illustrated by Arthur Singer, 1983, ISBN 0-307-37002-X.

Einzelnachweise

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