Philipp Anschel
Lehrer und Unternehmer
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Philipp Anschel (* 15. April 1824 in Bünde; † 23. Juni 1889 in Bochum) war ein jüdischer Lehrer und Unternehmer. Er gilt als ein wichtiger Gründungsvater des Vereins für Leibesübungen VfL Bochum 1848.
Leben

Der geborene Westfale begann Anfang der 1840er-Jahre ein Studium an der Marks-Haindorf-Stiftung in Münster. Die seit 1825 dort bestehende Bildungseinrichtung arbeitete für eine Integration der jüdischen Bürger Westfalens. Darüber hinaus koordinierte sie die Ausbildung von Lehrern an jüdischen Schulen für ganz Westdeutschland. Nachdem Anschel danach für kurze Zeit beruflich in Viersen am Niederrhein gewirkt hatte, kam er 1847 nach Bochum, eine damals noch vorindustrielle, fast noch ländliche Kleinstadt nördlich der Ruhr.
Anschel wurde als hauptamtlicher Lehrer an der jüdischen Elementarschule angestellt. Er unterrichtete Deutsch, Erdkunde, Geschichte, Lesen, Naturkunde, Rechnen und Religion. Die Kinder sollten zu gläubigen Juden und treuen preußischen Staatsbürgern erzogen werden. Neu war, dass er an der Schule auch das Turnen förderte. Die körperliche Ertüchtigung von jungen Menschen hatte zuvor kaum eine Rolle gespielt. Im Gegenteil, sie wurde damals noch weithin eher abgelehnt als gefördert. Andererseits gab es aber auch seit Anfang des Jahrhunderts Bestrebungen, dies zu ändern (siehe auch: Geschichte des Turnens).
Am 18. Februar 1849 wurde der erste Bochumer Turnverein gegründet und Philipp Anschel gehörte zu den Gründungsmitgliedern. Er erreichte, dass seine Schüler an den Turnstunden des Vereins teilnehmen durften. Nachdem er dem Verein zunächst als Zweiter Vorsitzender („Zweiter Sprecher“) gedient hatte, wurde er 1850 der Erste Vorsitzende.
Nur ein Jahr später änderten sich die politischen Verhältnisse in Preußen und der Turnverein zu Bochum wurde wegen vorgeworfener „politischer Umtriebe“ verboten. Erst neun Jahre später war eine Neugründung möglich, wobei ausdrücklich keine politischen Absichten mehr verfolgt werden durften, sondern nur geturnt werden.
Philipp Anschel wurde wieder in den Vorstand gewählt. Inzwischen engagierte er sich aber auch in anderen öffentlichen Funktionen. Er war ein Gründungsmitglied des Bochumer Bürgervereins, im Armen-Unterstützungsverein aktiv und Wahlmann der liberalen Partei. Im Jahr 1854 konvertierte er zum evangelischen Glauben, um Anna Margarethe Fellermann heiraten zu können. Er verließ den Schuldienst und betrieb nun ein Geschäft in Bochum. Nachdem seine Ehefrau kurz nach der Geburt des dritten Kindes verstorben war, heiratete er ein zweites Mal und nahm wieder den jüdischen Glauben an.
In dritter Ehe verheiratet, starb er im Alter von 65 Jahren. Er wurde auf dem Jüdischen Friedhof (Jüdischer Friedhof) an der Wasserstraße in Bochum-Wiemelhausen (zwischen Königsallee und Universitätsstraße) beerdigt. Das Grab ist erhalten und kann besucht werden (siehe auch: Fotos unter Weblinks). Der Grabstein in Form eines aufgeschlagenen Buches (siehe auch: Bochumer Stadtwappen) zeigt den Text:
„Treu und fleißig wirkest du
dich umfängt jetzt süße Ruh“.[1]
Literatur
Weblinks
- Grabstein.
- Stele.
- Stadtarchiv-Vortrag – „Jüdische Sportler in den Vorgängervereinen des VfL Bochum“. In: Bochum. 22. Januar 2025.
- Jenny Musall: 3 Fußballer jüdischer Herkunft aus den Gründervereinen – Anschel, Kissinger und Gottschalk. In: Bochum-Journal. 7. Februar 2025.
- Henry Wahlig, Jonna-Margarethe Mäder: VfL Bochum 1848 erinnert an Vereinsgründer Philipp Anschel. In: VfL Bochum. 27. Januar 2026.