Philippe Mastronardi

Schweizer Rechtswissenschaftler From Wikipedia, the free encyclopedia

Philippe Mastronardi (* 5. Juni 1946; † 17. Mai 2025) war ein Schweizer Rechtswissenschaftler.[1][2]

Leben

Philippe Mastronardi war der Sohn des Rechtsanwalts Horace Mastronardi, der sich als Verteidiger in Strafprozessen einen Namen gemacht und in Revisionsprozessen zahlreiche Justizirrtümer aufgedeckt hatte.[3]

Philippe Mastronardi war von 1978 bis 1994 Sekretär der Geschäftsprüfungskommissionen der Eidgenössischen Räte.[4] Er hat die Rolle und das Verständnis der Oberaufsicht des Parlaments über Regierung und Verwaltung wesentlich mitgeprägt: «In seinem demokratischen Verständnis ruft exekutive Macht (wo immer sie sich zeigt) nach demokratischer Legitimation und Kontrolle, wobei die Kontrolle immer auch Kritik der Macht bedeutet. Nur einen im dauernden demokratischen Diskurs legitimierten und erneuerten Staat versteht er als auch einen ‹guten und gerechten Staat›».[5]

Nach seiner Habilitation 1991 war er von 1994 bis 2011 Ordinarius für Öffentliches Recht an der Universität St. Gallen. Anlässlich seiner Emeritierung im Jahre 2011 wurde er gewürdigt als «urdemokratischer Denker, der sich mit ganzer Kraft gegen die Vereinnahmung durch die Obrigkeit stemmt, um das liberale Denken zu verteidigen.» Sein Denken kreise «um die Grundpfeiler Gerechtigkeit, Würde und Selbstwert. Er sucht nach Wegen weg vom Denken der Zweckrationalität (‹tun wir die Dinge richtig? ›) hin zur Wertrationalität (‹tun wir die richtigen Dinge? ›).»[3] Das Studium der Rechtswissenschaften durfte für ihn nicht nur juristisches Handwerk und Fachwissen, sondern sollte auch die Fähigkeit zur Reflexion des bestehenden Rechts vermitteln.[5] In der Folge der Weltfinanzkrise 2007–2008 setzte er sich für eine «neue Verfassung des Kapitalismus» ein; der Finanzmarkt müsse ein Service public werden.[6]

Nach seiner Emeritierung engagierte er sich unter anderem für die Vollgeld-Initiative, die in der eidgenössischen Volksabstimmung vom 10. Juni 2018 abgelehnt wurde.[7]

Schriften (Auswahl)

  • Der Verfassungsgrundsatz der Menschenwürde in der Schweiz. Ein Beitrag zu Theorie und Praxis der Grundrechte. Berlin 1978, ISBN 3-428-04257-3.
  • Strukturprinzipien der Bundesverfassung? Fragen zum Verhältnis von Recht und Macht anhand des Wirtschaftsstaatsprinzips. Basel 1988, ISBN 3-7190-1009-0.
  • Kriterien der demokratischen Verwaltungskontrolle. Analyse der parlamentarischen Oberaufsicht im Bund. Habilitationsschrift. Basel, Frankfurt am Main 1991, ISBN 3-7190-1191-7.
  • mit Mathias E. Brun und Kuno Schedler: Hierarchie und Netzwerke. Eine interdisziplinäre Betrachtung der Steuerung in der Bundesverwaltung. Bern 2005, ISBN 3-258-06975-1.
  • mit Florian Windisch: Vernünftig wissenschaftlich entscheiden. Zur Verfassung des interrationalen wissenschaftlichen Diskurses. Berlin 2013, ISBN 3-428-14132-6.

Literatur

Einzelnachweise

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