Phlebologie
medizinisches Fachgebiet, Erkennung und Behandlung von Gefäßerkrankungen
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Die Phlebologie (über den Wortstamm phleb von griechisch φλέψ phléps, ‚Blutgefäß‘, „Blutader“, ‚Vene‘, und -logie, ‚Lehre‘)[1] ist ein medizinisches Fachgebiet, das sich mit der Erkennung und Behandlung von Gefäßerkrankungen befasst, insbesondere von Venenerkrankungen wie Venenentzündungen (Phlebitis), Krampfadern (auch Varizen genannt) und Hämorrhoiden. Geprägt wurde der Begriff Phlebologie von Raymond Tournay (1893–1984).[2]
Die Phlebologie überschneidet sich in Bezug auf Gefäßerkrankungen allgemein mit der Angiologie.
Therapie venöser Erkrankungen
Zur Behandlung von Krampfadern (Varizen) stehen in der Phlebologie verschiedene Therapieformen zur Verfügung. Dazu zählen die Kompressionstherapie, thermische Verfahren (Radiofrequenztherapie, endovenöse Lasertherapie - auch endovenöse Laserablation (EVLA) genannt - und Heißdampf), die Verödung einschließlich der Schaum-Sklerotherapie sowie operative Verfahren.[3]
Zu den operativen Methoden gehören das Venenstripping und die Mini-Phlebektomie, mit denen erkrankte Venenabschnitte entfernt werden. Beim Venenstripping führt der Operateur eine Sonde in die erweiterte Stammvene ein, an deren Ende die Krampfader fixiert und anschließend herausgezogen wird. Es wurde Anfang des 20. Jahrhunderts erstmals durchgeführt und ist durch technische Weiterentwicklungen ein etabliertes Verfahren der Varizenbehandlung.
Neben operativen Verfahren werden in der Phlebologie auch weniger invasive (eingreifende) Methoden eingesetzt. Hierzu zählen endovenöse thermische Verfahren wie Lasertherapie und Radiofrequenztherapie, Schaum-Sklerotherapie sowie venenerhaltende Eingriffe. Endovenöse thermische Verfahren arbeiten mit kontrollierter Hitzeeinwirkung, durch die die erkrankte Vene unter lokaler Betäubung verschlossen wird. Fachgesellschaften beschreiben insbesondere die Laser- und Radiofrequenztherapie als etablierte Behandlungsoptionen bei der Varikose, während das Heißdampfverfahren als neuere Methode seltener angewendet wird.[4]
Minimal‑invasive Verfahren wie endovenöse Laserablation haben in der Behandlung von Stammkrampfadern das klassische chirurgische Stripping in vielen Regionen der Welt weitgehend abgelöst. Seit der Jahrtausendwende ist ein deutlicher Trend hin zu diesen Katheter‑gestützten minimal‑invasiven Techniken zu beobachten, die heute fester Bestandteil moderner Venentherapie sind und Stripping in der klinischen Praxis häufig ersetzen.[5] Studien und Übersichtsarbeiten berichten, dass endovenöse Verfahren häufig mit geringeren frühen postoperativen Beschwerden und einer vergleichsweise kurzen Erholungszeit assoziiert sind, so wie dies auch von der Deutschen Gesellschaft für Phlebologie und Lymphologie als Pluspunkte dieser Methoden hervorgehoben wird.[6][7]
Zusatzweiterbildung Phlebologie
Seit 2018 ist die Zusatzweiterbildung Phlebologie in Deutschland durch die Bundesärztekammer (BÄK) in Deutschland anerkannt. Sie soll den Mediziner befähigen, Erkrankungen und Fehlbildungen des Venensystems frühzeitig zu erkennen und fachgerecht zu behandeln.[8]
Zunächst hatte die BÄK die Aufnahme in die Weiterbildungsordnung abgelehnt, ohne Absprache mit den interessierten Fachgesellschaften. Neben der Deutschen Gesellschaft für Phlebologie hatten sich die Deutsche Dermatologische Gesellschaft, die Deutsche Gesellschaft für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin, sowie die Deutsche Gesellschaft für Angiologie für das Beibehalten der Zusatzweiterbildung Phlebologie eingesetzt. Diese Gesellschaften erreichten auf dem 121. Deutschen Ärztetag in Erfurt ein Votum, das sich für die Beibehaltung der Fach-Weiterbildung aussprach.[9]