Phranc

US-amerikanische Sängerin From Wikipedia, the free encyclopedia

Phranc (* 28. August 1957[1] als Susan Gottlieb[2] in Santa Monica, Kalifornien) ist eine US-amerikanische Singer-Songwriterin und Künstlerin. Sie war zu Beginn ihrer Karriere Ende der 1970er Jahre Mitglied in verschiedenen Gruppen der Punkrock-Szene von Los Angeles. Als Solokünstlerin änderte sich ihr Musikstil in den 1980er Jahren hin zu einer typisch amerikanischen, jüdischen und lesbischen Folksängerin („All-American Jewish lesbian folksinger“), wie sie es selbst ausdrückte.[3]

Phranc (2011)

Karriere

Phranc wuchs in Los Angeles auf.[1] Ihre Karriere begann sie Ende der 1970er Jahre und in den frühen 1980er Jahren in der Punkrock-Szene ihrer Heimatstadt. Sie hatte einen blondierten Kurzhaarschnitt und trug Männerkleidung, sodass sie als androgyne Person mit ihrer ersten, 1978 gegründeten Band Nervous Gender auftrat; im Punk-Fanzine Slash wurde ihr Aussehen als das eines 14-jährigen Ausreißers aus einer Schule für Schwererziehbare beschrieben.[4] Phranc verließ 1980 die Band, um Mitglied der Punkband Catholic Discipline zu werden, in der unter anderem Claude Bessy Frontsänger war. Mit Catholic Discipline war Phranc auch in dem Dokumentarfilm The Decline of Western Civilization zu sehen. Phranc war außerdem Mitglied der feministischen, ausschließlich weiblich besetzten Punkband Castration Squad, bei der auch Alice Bag Mitglied war.

In den 1980er Jahren verfolgte Phranc eine Solokarriere. Sie trat 1981 als Phranque im Film Madame Wang’s von Paul Morrissey auf. Sie begann außerdem Akustikgitarre zu spielen und veröffentlichte 1985 das Album Folksinger bei Rhino Records. Sie begleitete Musiker und Gruppen wie The Smiths, Hüsker Dü, Violent Femmes und Billy Bragg als Supporting Act auf deren Konzerten.[5] Sie stilisierte sich selbst als „All-American Jewish Lesbian Folksinger“ und mit einem ironischen Sinn von Humor veröffentlichte sie 1989 das Album I Enjoy Being a Girl bei Island Records, wobei auf dem Cover eine Photographie von ihr mit ihrer Flattopfrisur zu sehen ist.[6][7] Adam Block beschrieb Phranc nach einem Liveauftritt als faszinierende Künstlerin, da sie ihre Androgynie mit müheloser Selbstsicherheit ausdrücke und mit lakonischem Witz ihrer leidenschaftlichen Meinung Ausdruck gebe.[8] 1991 veröffentlichte sie mit Positively Phranc ihr drittes Studioalbum.[9][10]

Phranc gilt als wichtige Vertreterin der Queercore-Bewegung, was sich beispielsweise durch das Lied Uncle Phranc von Team Dresch zeigt. In den 1990er Jahren arbeiteten viele Bands und Musiker, die dem Queercore zugeordnet werden, mit ihr, so war sie beispielsweise Gastmusikerin auf dem Album Captain My Captain von Team Dresch. Im Gegenzug spielten unter anderem Mitglieder von Team Dresch, Tobi Vail von Bikini Kill, Patty Schemel von Hole auf ihrer EP Goofyfoot und bei anderen Liedern. Im Dokumentarfilm She’s Real, Worse Than Queer von Lucy Thane ist Phranc auf der Bühne und beim Interview zu sehen. Sie trat zudem bei verschiedenen Queercore-Veranstaltungen auf, beispielsweise beim Homo-a-go-go-Festival in der US-amerikanischen Stadt Olympia. In den 1990er Jahren trat Phranc in ihrem Programm „Hot August Phranc“ als Neil Diamond auf.[11][12] 1998 gab Phranc ihr viertes Album Milkman heraus, welches, wie die meisten ihrer neueren Veröffentlichungen, über ihr eigenes Independent-Label Phancy Records veröffentlicht wurde.[13]

Neben ihrer künstlerischen Tätigkeit ging Phranc dem Nebenjob als Tupperware-Verkäuferin und -Managerin nach. Darüber wurde im Jahr 2001 der Dokumentarfilm Lifetime Guarantee: Phranc’s Adventure in Plastic unter Regie von Lisa Udelson veröffentlicht, der auf mehreren Filmfestivals Zuschauerpreise gewann.[14] Im Film wird gezeigt, dass Phranc trotz Verkaufserfolgen, Enthusiasmus und ihres Bekanntheitsgrades enttäuscht war, dass sie vom Vertriebsteam von Tupperware kaum Anerkennung bekam. Ihr Online-Shop wurde zwischen 2008 und 2013 geschlossen.[2][15]

Sie tritt zwar noch vereinzelt musikalisch auf, widmet sich aber mehr der Bildenden Kunst. In der Besprechung einer ihrer von Ann Magnuson kuratierten Einzelausstellungen in der New York Times wurde sie mit Claes Oldenburg und Andy Warhol verglichen.[16] Ihre erste große Einzelausstellung an der US-amerikanischen Westküste hatte Phranc 2011 bei der Craig Krull Gallery, die sie bis heute vertritt.[17]

Phrancs Retrospektive The Butch Closet wurde 2023 in der Craig Krull Gallery in Santa Monica ausgestellt. Als interdisziplinäre Ausstellung umfasste sie neue und ältere Werke sowie Erinnerungsstücke, private Filmaufnahmen, Merchandise-Artikel und andere Dinge aus ihrer 40-jährigen Karriere als Musikerin und bildende Künstlerin.[18]

Persönliches

Phranc lebt mit ihrer Frau, der Autorin und ehemaligen Schauspielerin Lisa Freeman, im kalifornischen Santa Monica. Sie haben zwei Töchter.[19][20]

Diskographie

Alben

  • Folksinger (1985), Rhino
  • I Enjoy Being a Girl LP (1989), Island
  • Positively Phranc LP (1991), Island
  • Goofyfoot EP (1995), Kill Rock Stars
  • Milkman LP (1998), Phancy

Ausstellungen

Einzelausstellungen

  • 2023 The Butch Closet, Craig Krull Gallery, Santa Monica, Kalifornien
  • 2018 Swagger, Craig Krull Gallery, Santa Monica, Kalifornien
  • 2018 The Great Outdoors, Friesen Gallery, Ketchum, Idaho
  • 2018 Toys, Craig Krull Gallery, Santa Monica, Kalifornien
  • 2014 It Happened in Sun Valley, Friesen Gallery, Ketchum, Idaho
  • 2014 Winter, Craig Krull Gallery, Santa Monica, Kalifornien
  • 2011 Phranc & Co. Out West General Store, Museum of the American West, Autry National Center, Los Angeles, Kalifornien
  • 2011 Phranc of California, Craig Krull Gallery, Santa Monica, Kalifornien
  • 2007 Phranc, CUE Art Foundation, New York City, New York
  • 2006 Cardboard Cupcake, 12 Birthday celebration, 18 Street Arts Center, Santa Monica, Kalifornien
  • 2006 Phranc of California, Eastside Studios, Los Angeles, Kalifornien
  • 2006 Paper Play, W/ Alison Bechdel, Pine Street Art Works – Burlington, Vermont
  • 2005 Carnalville, cardboard sign installation w/ TEADA, 18th Street Arts Center, Santa Monica, Kalifornien
  • 2004 The Cardboard Cobbler "Valentines" 18th Street Art Center, Santa Monica, Kalifornien
  • 1994 Storefront Installation "Phranc-O-Mat", Creative Time, 42nd Street Arts Project, New York City, New York
  • 1992 Brief Encounter, Three dimensional pop art show, Highways, Santa Monica, Kalifornien

Gruppenausstellungen (Auswahl)

  • 2014 Incognito 10, Santa Monica Museum of Art, Santa Monica, Kalifornien
  • 2013 Compass-Navigating the Journey to Self-Identity, Orange County Center for Contemporary Art, Santa Ana, Kalifornien
  • 2008 This Side Up: The Art of Cardboard, San Jose Museum of Art, San Jose, Kalifornien
  • 1999 Forming: The early days of PUNK, Track 16 Gallery, Santa Monica, Kalifornien
Commons: Phranc – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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